Bezirksabfallverband: „Aktion scharf“ - ab September werden Biotonnen kontrolliert
BEZIRK RIED. Ab September werden die Biotonnen im Bezirk Ried von Mitarbeitern des Bezirksabfallverbandes (BAV) Ried und des Sammelunternehmens kontrolliert - und im Bedarfsfall auch stehengelassen.

Plastiksackerl, Joghurtbecher, Alukapseln, Verschlüsse, original verpackte Lebensmittel haben im Bioabfall nichts verloren. Trotzdem landen immer mehr nicht kompostierbare Abfälle in den Biotonnen.
Der Bezirksabfallverband Ried sagt nun dem rücksichtslosen Verhalten mancher Mitbürger gemeinsam mit Gemeinden, Sammlern und Kompostierern den Kampf an. Karl Ehwallner, Vorsitzender des BAV Ried: „Wir haben lange auf Positivkampagnen gesetzt, aber jetzt kommen wir um die „Aktion scharf“ nicht mehr herum.“
Falsch befüllte Tonnen werden stehen gelassen
In mehreren Pilotgemeinden werden ab September falsch befüllte Biotonnen stehengelassen. Die betroffenen Haushalte finden einen roten Anhänger auf ihrer nicht entleerten Biotonne und müssen die Sonderentleerung als Restabfall selbst bezahlen. Für die Kompostierer ist es künftig nicht mehr zumutbar und machbar, die extrem hohe Anzahl an Störstoffen händisch und mechanisch zu entfernen.
Kein Plastik in die Biotonne
Beim Besuch der Abfallberaterin auf der Kompostieranlage Einfinger in Tumeltsham im Juli wurde schnell klar, was der häufigste Störstoff ist: Plastik, welches Biotonnen-Benutzer in ihre eigenen Biotonnen geworfen haben. Ein bis zwei Stunden würde das Abklauben einer einzigen Kompostmiete nach jedem Wenden dauern - doch Dominik Einfingder betreibt die Anlage alleine. Innerhalb von zehn Minuten finden die Abfallberater ein gesamtes Besteck: zuerst die Gabel, dann den Löffel, später noch ein Messer und schließlich eine Kuchengabel. „Bei vielen ist es Bequemlichkeit - mitgenommen wird es ja eh - bei anderen Unwissenheit“, meint der Kompostierer.
Biotonne ist eine Rohstoffquelle
Ob ein Sackerl kompostierbar ist oder nicht, zeigt sich auf der Anlage meist schnell. Die tatsächlich kompostierbaren Sackerl (geprüft nach EN 13432, z.B. mit Gütesiegel „Keimling“ oder „OK compost“) zerfallen innerhalb der ersten Wochen und werden in Humus umgewandelt, ohne Mikroplastik zu produzieren.
Dominik Einfinger, der viele Fachkurse besucht hat und die Kompostieranlage in Tumeltsham seit eineinhalb Jahren betreibt: „Man muss sich vor Augen führen, dass die Biotonne eine Riesen-Rohstoffquelle ist. Leider ist daraus in letzter Zeit Sondermüll geworden.“
Trotz der Widrigkeiten betreibt der junge Kompostierer seine Anlage aus Überzeugung und hofft, dass mit der „Aktion scharf“ endlich Bewegung in die Sache kommt. Er verwendet die Komposterde als Langzeitdünger auf seinen eigenen Feldern: „Es ist viel Unwissenheit da - niemand bringt die Kompostierung mit Klimaschutz in Verbindung.Ohne aber den Kohlenstoff durch die Kompostierung im Boden zu speichern, bekommen wir die Klimakrise nicht in den Griff.“


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