Die Rieder Stadtpfarrkirche erhielt vor 300 Jahren ihre derzeitige Form

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Walter Horn Walter Horn, Tips Redaktion, 26.10.2021 12:12 Uhr

RIED. Die Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul prägt die Ansicht von Ried. Ihre beeindruckende Silhouette erhielt sie vor 300 Jahren.

Eine erste Rieder Kirche dürfte etwa dort gestanden haben, wo jetzt die altkatholische Kirche steht. Die ursprünglich gotische Pfarrkirche wurde im 14. Jahrhundert am jetzigen Standort gebaut.

Am 24. September 1364 machte Rudolf IV. von Habsburg, Herzog von Österreich, seinem Beinamen „der Stifter“ keine Ehre: Er eroberte den Markt Ried und zerstörte ihn. Für den Feldherren war das offenbar nichts Besonderes, denn schon am nächsten Tag marschierte er weiter nach Schärding – das er nicht nur verschonte, sondern zur Stadt erhob.

Ried wurde in unmittelbarer Nähe der Burg, im Sumpfgelände des Mündungswinkels von Oberach und Breitsach wiederaufgebaut, zum Teil auf Stützpfählen. Die Pfarrkirche wurde auf ihrem jetzigen Standort neu errichtet. Der ursprünglich gotische, wohl dreischiffige Kirchenbau ist im Kern erhalten.

Niedriges Langhaus

Auf den drei Jahrhunderte später entstandenen Ansichten der Kirche auf Thomas Schwanthalers Florianialtar (1669) in der Bräuerkapelle oder auf dem berühmten Stich von Michael Wening (um 1700) fällt auf, dass das Langhaus wesentlich niedriger ist als der Chor. Auch der Innenraum dürfte dadurch beeinträchtigt gewesen sein.

Wahrscheinlich war es nicht nur „wegen der vorhanden gewesten großen Baufälligkeit“, sondern auch wegen dieses Makels, dass man sich in Ried 1720 dazu entschloss, das Langhaus großteils abzubrechen.

Der Rieder Maurermeister Matthias Perreither baute es auf den gotischen Grundmauern – noch höher als den Chor – wieder auf. Außen ergab sich eine einheitliche Höhe des Dachfirsts.

Perreither schuf eine fünfjochige barocke Wandpfeilerkirche. Aus den gotischen Strebepfeilern zu beiden Seiten des mächtigen Tonnengewölbes entstanden jeweils vier Kapellen und dazwischen zwei Vorhallen für das südliche und das nördliche Portal.

Vom gotischen Bau blieben der Grundriss, der Turmunterbau mit dem kielbogenförmigen Portal, die Annakapelle sowie der Kern der Elendkapelle und der Chor, der allerdings barockisiert wurde, erhalten. Matthias Perreither verdanken wir also die heutige beeindruckende Raumwirkung der Rieder Pfarrkirche.

Außen wurde der Bau – untypisch für die Barockzeit – sehr schlicht gehalten, mit einer Ausnahme: Das dem Hauptplatz zugewandte nördliche Portal erfuhr eine besondere Gestaltung – nur hier entfaltet sich der barocke Prunk des Innenraums nach außen. Kein Wunder: Durch dieses Tor betraten vor allem die wohlhabenden Bürger des Marktes, die Mitglieder des inneren und des äußeren Rates, und nicht zuletzt der Marktrichter die Kirche.

Letzterer ist am Portal auf der Inschrift der Tafel verewigt: „Der Allerheiligisten Dreyfaltigkeit, Und Zweyen Heiligen Apostlen Petri & Pauli zu Ehren ist dises Gottshauß mit beyhilff Viller Guetthettern Erbauet Worden Ao: 1721 Martin Daxsperger Marckht-Richter Und Bau-Commissarius“ ist darauf zu lesen. Nicht der Baumeister, sondern der Marktrichter, der den Bau zu verantworten hatte, wird hier namentlich genannt.

Die Weihe der vierzehn Altäre, die großteils bereits aus der Zeit vor dem barocken Neubau des Langhauses stammten, nahm am 7. Dezember 1721 der Passauer Bischof vor.

Ein neuer Turm muss her

Mit dem Innenraum dürfte man nun zufrieden gewesen sein, nicht aber mit der Außenansicht. Wegen der neuen Höhendimension des Langhauses passten die Proportionen nicht mehr, der Kirchturm wirkte zu niedrig. Folglich fasste man den Plan, den Turm um ein Geschoss zu erhöhen. Weil Perreither 1727 gestorben war, führte der bürgerliche Maurermeister Johann Ceregetti den Auftrag 1731/32 aus. Die Kirche erhielt (fast) ihre heutige Gestalt.

Blitz und Sturm

Das wohlproportionierte barocke Kuppelwerk mit zierlicher Laterne und schlanker Turmspitze fiel allerdings 1854 einem Blitzschlag zum Opfer. Diesmal dauerte es 14 Jahre, bis die neue Kuppel den abermals um ein Stockwerk erhöhten Turm bekrönte.

61 Jahre nach der Fertigstellung wiederholte sich dieses Schicksal: 1929 riss ein Orkan die Turmkuppel aus ihren Verankerungen – sie stürzte auf den südlichen Teil des Kirchenplatzes. Bereits ein Jahr später konnte der 73 Meter hohe Turm wieder errichtet werden.

Die ungewöhnliche rote Farbe der Kirche stammt erst aus dieser Zeit. Früher war St. Peter und Paul, wie man auch auf alten Bildern sieht, hell.

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