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RIED. Tips sprach mit dem Ärztlichen Leiter des Rieder Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern, Johannes Huber, über den aktuellen Stand der Pandemie-Bekämpfung.

Johannes Huber, Ärztlicher Leiter des Rieder Krankenhauses (Foto: Krankenhaus BHS/Jungwirth)
Johannes Huber, Ärztlicher Leiter des Rieder Krankenhauses (Foto: Krankenhaus BHS/Jungwirth)

Tips:Wie ist die aktuelle Lage im Rieder Krankenhaus? Reichen die Kapazitäten?

Huber: Mit Stand vom 9. Dezember behandeln wir insgesamt 42 Patientinnen und Patienten mit Covid-19, davon 37 auf Pandemie-Normalstationen und fünf auf der Intensivstation. Derzeit reichen die Kapazitäten aus.

Tips: Wie ist das Verhältnis von geimpften zu ungeimpften Patienten? Wie setzt sich die Gruppe der geimpften Kranken zusammen?

Huber: Bei den Intensivpatienten sind über 80 Prozent gar nicht geimpft, auf den Normalstationen mehr als zwei Drittel. Wir sehen, dass Menschen mit Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck trotz Impfung häufiger mit Covid-19 ins Spital kommen als jene, die keine solchen Erkrankungen haben. Wir sehen aber auch, dass es bei Geimpften deutlich seltener zu schweren Verläufen kommt.

Tips: Wie ist die Stimmung beim ärztlichen und Pflegepersonal? Ist die Belastung noch erträglich?

Huber: Die Situation ist seit vielen Monaten sehr belastend, derzeit ist sie immerhin stabil. Als Schwerpunkt-Krankenhaus des Innviertels haben wir aber eine überregionale Aufgabe, auch Nicht-Covid-19-Patientinnen und -Patienten zu behandeln. Die verschobenen Operationen müssen nachgeholt werden.

Tips: Was halten Sie und Ihre Kolleginnen von den Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen, womöglich noch direkt vor Spitälern?

Huber: Demonstrationen sind ein demokratisches Recht, wobei ich natürlich erwarte, dass die Covid-Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand eingehalten werden. Die Sinnhaftigkeit von Demonstrationen und Unmutsbekundungen vor Krankenhäusern sehe ich nicht. Ganz im Gegenteil, unsere Mitarbeitenden der Krankenhäuser haben sich Anerkennung verdient.

Tips: Wie kann man Impfskeptiker jetzt noch überzeugen?

Huber: Am wichtigsten sind klare, faktenbasierte Informationen. Ich impfe selbst regelmäßig und weiß aus vielen Gesprächen, dass es immer wieder gelingt, Menschen mit sachlicher Argumentation davon zu überzeugen, dass die Impfung der rascheste Weg aus der Pandemie ist. 

Tips: Viele Impfskeptiker legitimieren ihre Meinung auch dadurch, dass es auch unter Wissenschaftlern und bei Ärzten und anderem medizinischen Personal Ungeimpfte gibt. Wie ist das zu erklären? Haben die alle medizinische Gründe?

Huber: Welche persönlichen Gründe das im Einzelfall sind, weiß ich nicht. Evidenzbasiert steht fest, dass die Vorteile der Impfung überwiegen, und zwar um ein Vielfaches. 

Tips: Haben Sie Verständnis, dass Leute ungeimpft sind, weil sie Angst vor der Impfung haben?

Huber: Grundsätzlich ja. Aber es ist mir ein Rätsel, weshalb man davor mehr Angst hat als vor der Erkrankung selbst mit ihren nicht selten dramatischen Folgen.

Tips:Ist es sinnvoll, auf einen Totimpfstoff zu warten? Was ist der Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen?

Huber: Auch alle bisher eingesetzten Impfstoffe sind Totimpfstoffe, es werden ja keine vermehrungsfähigen Krankheitserreger verabreicht. Ein klassischer Totimpfstoff wie jener, dessen Zulassung gerade geprüft wird, unterscheidet sich davon nur durch den herkömmlichen Forschungsansatz und hat keine sonstigen Vorteile.

Tips:Was sagen Sie Leuten, die sich nicht impfen lassen wollen und stattdessen auf Medikamente warten?

Huber: Medikamente können bestenfalls schwere Verläufe mildern, sie können aber keine Erkrankung verhindern. Das kann nur die Impfung. Solange die Durchimpfungsrate niedrig ist, wird es daher hohe Infektionszahlen geben, mit allen gesellschaftlichen Folgen bis hin zum Lockdown.

Tips:Bei welchen Krankheiten wird tatsächlich von Impfung abgeraten?

Huber: Bei Allergien gegen einen Wirkstoff der Impfvakzine, allenfalls auch bei hochselektiven onkologischen Behandlungen. Ansonsten gibt es nicht viele Kontraindikationen.

Tips:Wie kann man seine Kinder am besten schützen?

Huber: Durch die Impfung.

Tips: Wie sollen sich Frauen mit Kinderwunsch verhalten?

Huber: Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt in einer Stellungnahme ganz klar die Covid-19-Impfung für alle Schwangeren.

Tips: Werden die Antikörper durch die Muttermilch an das Baby übertragen, wenn die Mutter geimpft ist?

Huber: Durch den gemeinsamen Blutkreislauf mit der Mutter bis zur Geburt erhält das Neugeborene Antikörper und ist deshalb auch danach eine gewisse Zeit geschützt. Ob bzw. in welchem Ausmaß Antikörper auch beim Stillen übertragen werden, ist noch nicht hinreichend durch Daten belegt. Es gibt aber Studien, die darauf hindeuten.

Tips:Sie haben ja schon in einem älteren Tips-Interview gesagt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis neue Virus-Varianten auftauchen. War Omikron mit den vielen Mutationen trotzdem überraschend?

Huber: Nein, es war zu erwarten, dass es zu solchen Mutationen kommt.  

Tips:Gibt es schon Erkenntnisse über die Krankheitsverläufe bei Omikron?

Huber: Dazu kann ich nichts sagen, da fehlen uns die Erfahrungen.

Tips:Die mRNA-Impfstoffe können ja laut den Herstellern in sechs bis acht Wochen auf neue Virus-Varianten umgestellt werden. Können wir davon ausgehen, dass Impfungen im Frühjahr dann auch an Omikron angepasst sind?

Huber: Davon gehe ich aus, wenn es notwendig sein sollte. Wir wissen aber noch nicht, welche Virusvarianten im Frühjahr vorherrschen werden.

Tips:Offensichtlich war man anfangs zu optimistisch, was die Stärke und Häufigkeit weiterer Wellen und die Wirkung von Impfstoffen betrifft, jetzt werden wir wohl „mit dem Virus leben“ müssen. Haben Sie eine Vermutung, wann es – mit Impfung, Medikamenten und einer höheren Immunisierungsrate – wieder ein normales Leben ohne ständige oder saisonale Einschränkungen gibt?

Huber: Aus der Vergangenheit wissen wir, dass jede Pandemie bisher drei bis vier Jahre gedauert hat. Wir wissen auch: je höher die Durchimpfungsrate, umso kürzer die Dauer und umso flacher die Wellen.

Tips:Gibt es noch etwas, was Sie den Leuten mitteilen wollen?

Huber: Bitte hören Sie mehr auf die fachlichen Argumente der Expertinnen und Experten als auf marktschreierische, ungeprüfte Aussagen!


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