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BEZIRK RIED. Die Trockenheit macht den Land- und Forstwirten zu schaffen. Die Bezirkshauptmannschaft Ried hat eine Waldbrandschutz-Verordnung 2022 herausgegeben. Diese gilt bis 31. Oktober 2022. Tips sprach mit Max Schneglberger, Leiter der Bezirksbauernkammer Ried/Schärding sowie mit Bezirksfeuerwehrkommandant Jürgen Hell über die aktuelle Lage.

Max Schneglberger (Foto: BBK Ried Schärding)
  1 / 3   Max Schneglberger (Foto: BBK Ried Schärding)

Tips:Wie geht es aktuell den Landwirten – wird der extrem trockene März die spätere Ernte beeinflussen? Was wird oder muss jetzt ausgesät werden?

Max Schneglberger: Momentan werden die ganzen Frühjahrsansaaten gemacht. Das Sommergetreide und Zuckerrüben sind schon angebaut. Jetzt im April kommen Mais und Kulturen, die wärmeliebender sind, also jene, die nicht so frostverträglich sind. Bis Anfang Mai läuft die Ansaatzeit. Wenn dann die Kulturen draußen sind, ist es wichtig, dass die Pflanzen Feuchtigkeit bekommen. Wenn es beim Anbau trocken ist, macht das nichts. Die Bauern schauen, dass die Winterfeuchte nicht an die Oberfläche kommt. Dennoch, die Trockenheit ist eine große Herausforderung, gerade weil die Winde den Boden austrocknen. Die Kombi niedrige Luftfeuchte und Wind trocknen die Äcker aus. Der angesagte Regen wurde dringend erwartet. Wenn die Aussaat ankeimt, und es lange trocken ist, dann kann diese austrocknen, denn die auflaufende Saat ist sehr empfindlich auf Feuchte. Beim Mais ist das nicht so tragisch. Vor allem bei Zuckerrüben ist Trockenheit kritisch, weil diese verdorren dann. Dann muss man nachbauen. Die Menge des Niederschlages über das ganze Jahr ist sekundär. Wichtig ist, dass dieser eine gute Verteilung hat. Denn die Natur kann viel kompensieren.

Tips:Aufgrund des Klimawandels wird es immer trockener – wie wird man in der Landwirtschaft beim Anbau darauf reagieren? Wird es zu Veränderungen beim Anbau kommen?

Max Schneglberger: Ja, bei der Sortenwahl – es gibt Sorten, die sind toleranter gegenüber der Trockenheit. Der Bauer reagiert, indem er Kulturarten nimmt, die dem jeweiligen Klima besser angepasst sind. Das passiert schon jetzt in der Saatgutzucht. Der Bauer muss jetzt flexibel reagieren. Unsere Werkstatt ist unter freiem Himmel. Mit der Hagelversicherung gibt es zudem die Möglichkeit, gröbstes Risiko abzusichern, um die größten Probleme abzufedern. Die Bauern müssen sich mit dem Risikomanagement auseinandersetzen. Aufgrund des Klimawandels wird die Bodenbearbeitung angepasst. Hier greift man auf den Erfahrungsschatz im Osten zurück. Das Burgenland hat beispielsweise Pannonisches Klima, die Leute tauschen sich aktiv untereinander aus. Beim Grünland ist die Situation schwieriger. Schädlingen wie Engerlingen kommt die Trockenheit zugute.

Tips:Wie geht es den Forstwirten – es herrscht ja aktuell wieder akute Waldbrandgefahr?

Max Schneglberger: Die Waldbrandgefahr ist momentan enorm. Daher auch die Verordnung der Bezirkshauptmannschaft. Ich kann nur an alle appellieren, diese zu beachten und nicht in Waldnähe zu rauchen oder offenes Feuer zu machen. Verdorrtes Altgras und trockene Nadeln brennen wie Zunder. So einen Wald fackelt man schneller ab, als man schaut. Doch grundsätzlich hat ein Wald ein gutes Wasserspeichervermögen und kann sich gegen Borkenkäfer wehren. Doch bei lang anhaltender Trockenheit hat der Baum weniger Harz und ist anfälliger. Mit Naturverjüngungen nutzt man den Vorteil. Denn mit Containerpflanzen kann man einiges abfangen. Jetzt am Anfang des Jahres ist Achtsamkeit angesagt. Die Landwirtschaftskammer bietet eine Forstberatung an und steht für fachliche Fragen gerne zur Verfügung, auch im Zusammenhang mit einem Waldwirtschaftsplan.

Tips:Wie sind die Feuerwehren auf Waldbrände vorbereitet? Gab es dazu spezielle Übungen oder sind welche geplant?

Jürgen Hell: Die Freiwilligen Feuerwehren sind grundsätzlich auf alle Brandeinsätze bestens vorbereitet. Derzeit in aller Munde sind die extreme Trockenheit und die damit verbundene hohe Brandgefahr. Es wird diesbezüglich auf allen Kommunikations-Kanälen der Feuerwehren auf diese Gefahr hingewiesen und auf die besonders in diesen Tagen notwendige Sorgfaltspflicht jeder Bürgerin und jeden Bürgers. Natürlich beüben die Freiwilligen Feuerwehren in regelmäßigen Abständen die Brandbekämpfung in Wäldern, auf Wiesen oder Böschungen. Eine größere Waldbrandübung ist in unserem Bezirk Ende September geplant. Diese Großübung erfolgt im Zuge der Blaulichtpower-22, welche insgesamt zwölf verschiedene Übungsszenarien beinhaltet und sich über den gesamten Bezirk erstrecken wird.

Tips:Gibt es eine spezielle Löschausrüstung dafür?

Jürgen Hell: Jede Freiwillige Feuerwehr hat eine entsprechende Löschausrüstung auch für diese Brände. Aber das Thema gewinnt aufgrund des Klimawandels immer mehr an Bedeutung. Das bewirkt, dass zum einen die Ausbildung der Feuerwehrmitglieder spezialisiert wird und zum anderen die Ausrüstung mehr in den Fokus rückt. Zur normalen Ausrüstung der Feuerwehren gibt es das Stützpunktsystem in Oberösterreich, es beheimatet auch sogenannte Waldbrandstützpunkte, die angefordert werden können, wenn es spezielles Gerät braucht. Im Anlassfall helfen dann auch die Hubschrauber des Innenministeriums. Sie werden mit Löschbehältern ausgestattet und löschen den Brand von oben und fungieren dabei als Unterstützung der Einsatzkräfte am Boden.

Tips: Gab es bei uns in den letzten Jahren im Bezirk Ried einen Waldbrand?

Jürgen Hell: Einen richtig großen Waldbrand gab es Gott sei Dank nicht, kleinere Entstehungsfeuer schon. Der Großteil dieser Feuer beschränkte sich auf Wiesen und Böschungen. Dank der couragierten Bevölkerung wurden solche Feuer sehr schnell gemeldet und die Feuerwehren konnten Schlimmeres verhindern.

Tips: Worauf sollte man unbedingt bei einem Waldspaziergang achten?

Jürgen Hell: Grundsätzlich sollte man jegliches Feuer, und wenn es nur eine Zigarette ist, bei einem Waldspaziergang vermeiden. Jetzt ist es aufgrund der geltenden Verordnung der Bezirkshauptmannschaft sogar verboten. Diesem Verbot nicht nachzukommen ist speziell in dieser Zeit grob fahrlässig und strafbar. Jeder und jede ist gut beraten, sich an diese Bestimmungen zu halten. Vorbeugend wäre es anzuraten, während des Spazierganges die Natur intensiv zu genießen und dabei die Augen offen zu halten. Herumliegenden Unrat bitte mitnehmen und entsorgen, er verbirgt oft auch Glas und Ähnliches, welches in Verbindung mit Sonneneinstrahlung den Waldboden entzünden kann. Nehmen Sie aber auch immer eine volle Trinkflasche mit, sie löscht nicht nur den Durst, nein, sie kann unter Umständen einen Entstehungsbrand löschen oder zumindest eindämmen. Auch wenn uns das Wald- oder das Wiesenstück, auf dem wir spazieren, nicht gehört: Achten wir trotzdem so darauf, als wenn es uns gehören würde.


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