Galerie20gerHaus: seit 15 Jahren Spielwiese für zeitgenössische Kunst
RIED. Der Kulturverein 20gerHaus feiert am Samstag, 2. Juli sein 15-jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich der Verein, dessen Name sich auch (aber nicht nur) von der Adresse Bahnhofstraße 20 in Ried ableitet, einen guten Ruf in der Kunstszene erarbeitet und wurde mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Landeskulturpreis 2020.

Für Tips führte Daniela Wageneder-Stelzhammer ein Gespräch mit dem 20gerhaus-Team.
Tips: Ihr feiert am 2. Juli 15 Jahre Galerie 20ger Haus. Wie war das am Anfang? Was wolltet ihr erreichen? Und wer waren die Initiatorinnen?
Annemarie Dämon: Initiatorin war Julia Csongrady, die einen Teil des Hauses erstanden hatte und einen Teil der Räumlichkeiten für ein Kulturprojekt nutzen wollte. Die Ausrichtung vor allem als Galerie war zu Anfang gar nicht so klar, in den ersten Jahren haben wir auch viele Kurse für Kinder und Erwachsene im Kunst- und Kulturbereich angeboten und organisiert. Hier hat sich Elisabeth Bernauer sehr engagiert, die auch viele Jahre für unsere Grafik zuständig war. Für die künstlerische Leitung des Galeriebetriebs wurde bald die Bildhauerin Sigrid Kofler gewonnen. Als Mitglied der Innviertler Künstlergilde hatte sie viele persönliche Kontakte zu Künstlern der Region, aber auch darüber hinaus, so dass jedes Jahr zehn Ausstellungen möglich waren.
Julia Csongrady: Der Name 20gerhaus war von der Adresse her eine aufgelegte Sache, es war aber auch ein kleiner Scherz, uns großspurig den Namen 20gerhaus zu geben, der durch die Umstrukturierung des Original-20gerhauses in Wien – heute 21erhaus/Belvedere21 – gerade freigeworden war und weil einige der Initiatorinnen Wiener Wurzeln haben.
Neben dem Galeriebetrieb und dem Ausstellen von zeitgenössischer Kunst, was ist euer Anliegen?
Sigrid Kofler: Wichtig war uns von Anfang an, den Künstlern in jeder Hinsicht gute Bedingungen zu bieten. Wir wollen ein Ort des Austauschs über kulturelle Belange sein, an dem man sich wohl fühlt. Wir wollen einerseits die Kunstschaffenden der Region sichtbar machen, andererseits aber auch dem regionalen Publikum einen Blick über den Tellerrand ermöglichen. Auch wollten wir immer Randbereiche der bildenden Kunst – Fotografie, Architektur, Design, Kunsthandwerk – miteinbeziehen und sichtbar machen.
Wer ist euer Publikum und wen wollt ihr mit der gezeigten Kunst idealer Weise erreichen?
Christine Wawrinek: Idealerweise möchte man ja alle Menschen für Kunst und Kultur begeistern und in den Diskurs mit einbeziehen, was auch eine der großen Herausforderungen darstellt. Hier schätzen wir die Zusammenarbeit mit den Schulen bzw. den Lehrpersonen für Bildnerische Erziehung sehr. Sie besuchen unsere Ausstellungen und bauen sie in den Unterricht ein.
Wir versuchen, einen niederschwelligen Zugang zu Kunst zu bieten. Daher sind wir auch sehr glücklich über unsere Schaufensterflächen, die allen Vorbeigehenden einen ersten Einblick bieten.
Was ist euer Ziel?
Herta Gurtner: Auch abseits der urbanen Zentren aktuelle zeitgenössische Kunst zu zeigen, und jungen regionalen Talenten eine offene Spielwiese zu bieten ist ein großes Anliegen von uns. Daher forcieren wir auch unter anderem die Zusammenarbeit mit jungen Absolventen der Kunstuniversität in Linz.
Wichtig ist uns auch die Zusammenarbeit mit den regionalen Kulturinitiativen und die Beteiligung an überregionalen Kulturfestivals. Wir freuen uns, wenn in den nächsten Jahren auch landesweite Festivals wie das Festival der Regionen und das neu kreierte Format „OÖ KulturEXPO“ das Innviertel und seine vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft als Austragungsort entdecken. Wir werden uns hier sicherlich mit spannenden Projekten einbringen.
Wenn ihr zurückblickt - was waren die größten Herausforderungen?
Julia Csongrady: Am Anfang eines Projekts ist die fehlende Bekanntheit sicher eine der Hürden, die man nur mit kontinuierlicher qualitätsvoller Präsenz erreicht. Also man braucht einen langen Atem ohne Kompromisse.
Unsere Arbeit hat sich 2017 mit einer neuen internen Struktur verändert. Herta Gurtner, unsere „Frau in Linz“, hat wichtige Impulse für die Galerie eingebracht. Überhaupt wurde der Vorstand erweitert, Christine und Franz Wawrinek haben sich mit voller Kraft unter anderem um Grafik, Homepage und Newsletters angenommen. Annemarie Dämon ist unser Fels in der Brandung, was Buchhaltung und Protokolle betrifft und Renate Schrattenecker schafft eine Brücke zu Fotografie und Architektur. Wir sind sehr dankbar, dass wir darüber hinaus aus unserem Umfeld Unterstützung bei der Galerie-Aufsicht während der Öffnungszeiten bekommen.
Nach welchen Gesichtspunkten wählt ihr aus, wer bei euch ausstellt?
Sigrid Kofler: Wir definieren thematische Schwerpunkte, die wir für eine Weile verfolgen. Jeder im Team kann Vorschläge machen, die wir in kuratorischen Sitzungen diskutieren und zu schlüssigen Jahresprogrammen zusammenstellen. Es melden sich auch Künstlern, die bei uns ausstellen möchten. Die beziehen wir in diesen Prozess natürlich ein.
Herta Gurtner: Unsere Arbeit ist ja eine ehrenamtliche, so dass die Galerie – natürlich auch dank Subventionierung von Stadt Ried und Land, Mitgliedern und Sponsoren – nicht der Logik einer kommerziellen Galerie folgen muss. Darum können wir auch offen sein für Experimente, neuere Kunstformen und Techniken wie zum Beispiel Performance, Installation oder Video und auch neue Medien. Also Techniken, die nicht im klassischen Sinn erworben werden können und abseits der größeren Städte seltener zu sehen sind.
Ihr habt 2020 den oberösterreichischen Landeskulturpreis erhalten. Das ist eine wichtige Auszeichnung, die zeigt, dass man überregional wahrgenommen wird. Wie hat sich eure Arbeit dadurch verändert?
Christine Wawrinek: Der Preis hat uns allen sehr gutgetan, als Anerkennung der vielen Stunden, die wir fürs 20gerhaus ehrenamtlich verwenden. Unsere Arbeit hat der Preis nicht verändert, aber er hat zu einer größeren überregionalen Bekanntheit beigetragen, was uns keinesfalls stört.
Welche Erwartungen habt ihr an die Zukunft?
Annemarie Dämon: Wir machen einfach weiter und hoffen, dass in Zukunft Menschen zu uns stoßen, die wie wir, durch ihr Engagement diese unabhängige, zeitgenössische Galerie weiter entwickeln wollen, sodass das 20gerhaus die Region weiterhin mit spannender Kulturarbeit bereichern kann.
Franz Wawrinek: Aktuell sind wir mit der Vorbereitung unseres 15-Jahres-Festes beschäftigt. Als Green-Event legt diese Veranstaltung besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Ressourcenschonung. Wir ersuchen daher um klimafreundliche Anreise zu unserem Fest. Die legendäre Bad Rock Blues Band schickt uns mit Blues und Rock’n Roll auf eine beschwingte, musikalische Reise. Wir freuen uns auf viele Gäste, hoffen auf schönes Wetter und sehen gemeinsamen, unterhaltsamen Stunden entgegen.


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