Teuerungswelle: Immer mehr Menschen brauchen Hilfe
BEZIRK RIED. Die Preisexplosionen bei Strom, Miete und Essen treiben im Bezirk Ried immer mehr Menschen in die Verzweiflung und zur Caritas-Sozialberatung: 182 Erwachsene und 141 Kinder wurden von Sozialberater Günther Fischinger im vergangenen Jahr unterstützt. Das sind 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Hilfe für Oberösterreicher in Not kann die Caritas nur dank Spenden leisten. Um diese bitten in den nächsten Wochen wieder zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter aus den Pfarren bei der Haussammlung der Caritas im Bezirk Ried.
Menschen in der Armutsfalle
Die steigenden Energiekosten bringen immer mehr Menschen in echte Bedrängnis: Mathilde und Paul H. leben mit ihren vier Kindern zur Miete. Paul geht arbeiten, Mathilde ist derzeit in Karenz. Vor allem die Energiekosten bringen die Familie immer stärker in Existenznot: Die Stromrechnung hat sich im Vorjahr um 200 Prozent erhöht und ist von 149 auf 482 Euro gestiegen. Die Kosten für's Heizen sind mit 249 Euro ebenfalls sehr hoch. Allein heuer haben sich im ersten Quartal schon 25 Personen aus dem Bezirk gemeldet, weil sie nicht mehr wissen, wie sie ihre Energierechnungen bezahlen sollen. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum nur zwei. „Die Teuerungen bei den Lebensmittel, die hohen Energiekosten und dem damit verbunden Anstieg der Lebenshaltungskosten von zehn Prozent und mehr führen dazu, dass jetzt Menschen in die Beratungsstellen kommen, die vorher keinen Kontakt mit der Caritas hatten. Und jene, die bereits vorher Probleme hatten, müssen entscheiden, zahle ich die Miete, oder habe ich gegen Ende des Monats nichts mehr zu essen“, erklärt Günther Fischinger von der Caritas-Sozialberatungsstelle Ried.
Die Armut ist vorrangig weiblich
In Ried waren es im Vorjahr 98 Frauen und 84 Männer, die Unterstützung erhielten. Zusätzlich gab es 123 anonyme Beratungen. Viele Menschen, die in die Sozialberatung kommen, haben körperliche und/oder psychische Erkrankungen. Finanzielle Probleme sind da zusätzlich belastend. „Ein Teil unserer Arbeit ist also immer auch, die Menschen wieder aufzubauen und ihnen Mut zu machen“, erklärt Günther Fischinger. Der Sozialberater kann dank der Spenden als erste Hilfe in einer Notsituation Lebensmittel- und Bekleidungsgutscheine ausgeben oder Zuschüsse zu Energie oder Miete gewähren, damit Betroffene nicht auf der Straße landen. Ob jemand Anspruch auf die Caritas-Hilfe hat, wird zuvor anhand der Einkommens- und Ausgabensituation genau geprüft. Ziel ist, gemeinsam einen langfristigen Weg aus der finanziellen Krise zu finden.
Oberösterreichweit wurden 2022 13.292 Menschen in Not (inklusive Familienangehörige) in den 15 Caritas-Sozialberatungsstellen unterstützt. Das sind zehn Prozent mehr Menschen als im Vorjahr. „Gleichzeitig haben wir über 25 Prozent mehr Ausgaben, weil wir aufgrund der Teuerungen mehr Geld benötigen, um die Situation zu stabilisieren. Früher gaben wir für eine Woche einen Lebensmittelgutschein um 40 Euro aus. Jetzt braucht es 60 Euro um den Bedarf für die Woche zu decken“, sagt der Caritas-Mitarbeiter.
Haussammlungen
Die Caritas-Nothilfe in den Sozialberatungsstellen funktioniert nur dank der Spenden, die Großteils bei der Haussammlung eingenommen werden. Ehrenamtliche Mitarbeiter der Pfarren gehen dabei von Tür zu Tür oder hinterlassen einen Haussammlungs-Erlagschein im Postkasten. Dieses Geld kommt ausschließlich der Hilfe für Menschen in Oberösterreich zugute und ermöglicht der Caritas schnelles Handeln: mit Lebensmittelgutscheinen, Zuschüssen für Strom und Heizung, beratenden Gesprächen, Lernunterstützung für sozial benachteiligte Schulkinder sowie mit Obdach, warmem Essen, Medikamenten und Kleidung für diejenigen, die auf der Straße leben.
Schnelle Hilfe
Caritas-Sozialberatungsstelle Ried, Riedholzstraße 15a, telefonische Erreichbarkeit jeden Montag, Dienstag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr unter 0676 8776-2313; schnelle, unkomplizierte und diskrete Online-Hilfe der Caritas unter www.caritas.at/online-sozialberatung


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