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BEZIRK RIED. Wetterextreme sind ständige Begleiter in der Landwirtschaft und nehmen aufgrund des Klimawandels zu. Eine Umfrage des MARKET-Instituts, die im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung durchgeführt wurde, zeigt nun, dass Ernteausfälle aufgrund von Wetterextremen acht von zehn Landwirtinnen und Landwirten Sorgen bereiten. Drei Viertel der Landwirte geben an, dass die psychischen Anforderungen und Herausforderungen in den letzten Jahren generell mehr geworden sind. 

Bezirksbäuerin Monika Rendl (Foto: Tips)
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„Drei Viertel der befragten Landwirte gaben an, dass vor allem psychische Herausforderungen in den letzten Jahren mehr geworden sind. Auch bei den körperlichen Belastungen gibt es eine Zunahme, diese liegt allerdings klar unter dem Ausmaß der psychischen. Auffällig ist, dass vor allem Landwirte über 50 Jahre und jene, die angegeben haben, dass sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Jahren verschlechtert hat, verstärkt von psychischen Belastungen betroffen sind“, so Thomas Pargfrieder, Senior Researcher des MARKET-Instituts. Acht von zehn gaben an, von Sorgen aufgrund steigender Preise für Dünger und Energie sowie höheren Steuern und Abgaben betroffen zu sein. Für ebenso viele stellen Preisstürze für landwirtschaftliche Produkte und Ernteausfälle durch Unwetter, Hagel, Dürre, Frost, Schädlinge usw. große Bedenken dar. 82 Prozent, das bedeutet vier von fünf der Befragten, sind aufgrund dessen zumindest teilweise von psychischen Belastungen betroffen. So gaben davon 45 Prozent an, an Stress durch Ernteausfälle zu leiden. Zukunftsängste (34 Prozent), anhaltende Müdigkeit (32 Prozent) und Schlafstörungen (24 Prozent) zählen ebenfalls dazu. Nur 17 Prozent der Befragten gaben an, keine psychischen Beschwerden zu haben.

Herausforderung Finanzen

Bezirksbäuerin Monika Rendl weiß um die Situation der Landwirte und welchen Herausforderungen sie sich täglich stellen müssen. „Gerade was die Finanzen betrifft, waren diese bis vor einiger Zeit leichter planbar. Früher hast du gewusst, wenn die Preise steigen. Das ist zurzeit sehr schwierig. Mit deinem Einkommen musst du schauen, dass es den Tieren gut geht, den Hof bewirtschaften und Erträge erzielen. Mit den derzeitigen Wetterkapriolen ist das nicht mehr einschätzbar. Wenn dann noch andere Sorgen dazukommen, hast du so viele Variablen, die du bewältigen musst, und das macht den Leuten zu schaffen.“

Bäuerliches Sorgentelefon/„Lebensqualität Bauernhof“

Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich bietet ein kostenloses, vertrauliches und anonymes „Bäuerliches Sorgentelefon“ an und hat zudem das Projekt „Lebensqualität Bauernhof“ ins Leben gerufen. Unter der Tel. 050 6902-1800 können Landwirte von Montag bis Freitag von 8.30 Uhr bis 12 Uhr anrufen und ihre Sorgen mit professionellen Beratern besprechen. Weitere Infos unter lebensqualitaet@lk-ooe.at, www.lebensqualitaet-bauernhof.at

Mangelnde Wertschätzung

„Was Bauern zu schaffen macht, ist oft die Anklage. Man hat das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden. Wir machen die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen. Das ist schließlich unsere Lebensgrundlage. Unreflektierte Aussagen, die Landwirtschaft sei Schuld am Klimawandel, können manchen schon aufs Gemüt schlagen“, weiß die Bezirksbäuerin. Max Schneglberger, Dienststellenleiter der Landwirtschaftskammer Ried Schärding, kennt die Umfrage des MARKET-Institutes sehr gut. Sie deckt sich mit den Diskussionen in den Obmänner-Konferenzen in allen Bezirken. Wetterkapriolen, das Auseinanderklaffen der Produktpreise und der Produktkosten, stark steigende Kreditzinsen, die zweistellige Inflation seit dem Ukrainekrieg, fixe Zahlungsverpflichtungen wie die Sozialversicherung sind nur einige Faktoren, die laut Max Schneglberger die Bauern beschäftigen.

Arbeitswirtschaft versus Beschäftigungsmodell

„Das lässt bei so manchen Sorgenfalten entstehen. Wir weisen immer darauf hin, schaut euch die Arbeitswirtschaft an und nicht nur das Beschäftigungsmodell“, betont Schneglberger. Zunehmend problematisch sieht er auch das ständige Wachsen der Betriebe und die Produktivitätssteigerung. „Wir machen die Bauern aufmerksam, sich dies arbeitswirtschaftlich gründlich anzusehen. Diese Entwicklung haben wir zwar in allen Sparten, ich finde es aber besorgniserregend. Denn der Faktor Betriebswachstum verschärft die Situation. Da müssen wir als Gesellschaft drauf achten, dass die Leute nicht unter die Räder kommen“, sagt Max Schneglberger. Dass es laut MARKET-Umfrage immerhin 17 Prozent der Landwirte gut geht, streicht Schneglberger positiv hervor.


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