RIED. Das Thema Wolf löst in den Menschen vieles aus, von romantischer Verklärung bis zu tiefsitzenden Ängsten. Über die Rückkehr der Wölfe und die Beziehung zwischen Mensch, Hund und Wolf spricht am Donnerstag, 5. Februar, der Verhaltensforscher Kurt Kotrschal in Ried.
Kaum ein Wildtier polarisiert so stark wie der Wolf, eine sachliche Auseinandersetzung fällt oft schwer. Hier setzt der Vortragsabend in der Giesserei an: Kotrschal spricht über „Der Wolf und wir“.
Der 1953 in Linz geborene Wissenschaftler leitete fast drei Jahrzehnte die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau im Almtal und ist Mitbegründer des Wolf Science Center in Ernstbrunn. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem als „Wissenschaftler des Jahres“. Auch als Autor erreicht er ein breites Publikum, zuletzt mit den Büchern „Der Wolf und wir“ (2022) und „Warum Hunde uns zu besseren Menschen machen“ (2024).
Verbindung zwischen Mensch und Wolf
In seinem Vortrag will Kotrschal aufzeigen, dass der Wolf nicht bloß ein „Zuwanderer“ in unsere Wälder ist, sondern unser ältestes Bündnis repräsentiert. Er betont die jahrtausendealte Verbindung zwischen Mensch, Hund und Wolf: „Ohne diese jahrtausendealte Beziehung wären wir nicht die Menschen, die wir sind.“
Zugleich warnt er vor vereinfachenden Bildern. Der Wolf sei weder ein „Kuscheltier“ noch der „Totengräber der Almwirtschaft“. Seine Botschaft: „Ruhe bewahren und Hirn einschalten.“
Rückkehr der Wölfe als Chance
Für Kotrschal bietet die Rückkehr der Wölfe eine Chance für unsere Ökosysteme. Er sieht sie als wichtigen Baustein im Kampf gegen die Biodiversitätskrise.
100 Wölfe in Österreich
In Österreich leben derzeit rund 100 Wölfe, verteilt auf maximal acht bestätigte Rudel sowie einzelne Zuwanderer. Trotz weniger als 20.000 Wölfen in ganz Europa gab es bislang laut Kotrschal nur sehr wenige kritische Vorfälle – alle im Zusammenhang mit angefütterten Tieren. Statt auf Rudelbildung und Herdenschutz werde in Österreich weiterhin vor allem auf Abschuss gesetzt.
Einladung zum Dialog
Der Abend soll eine Einladung zum Dialog sein. Nach dem Vortrag besteht Gelegenheit zum Gespräch, wobei auf eine sachliche Diskussion geachtet wird. Ziel ist ein besseres Verständnis für ein Tier, das unsere Gesellschaft bewegt.
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