Abenteuer statt Ruhestand: Mit selbst ausgebautem Lkw von St. Martin bis ans Ende der Welt
ST. MARTIN. Rita Pradel (69) und Franz Buchner (67) aus St. Martin im Innkreis haben ihren Ruhestand gegen ein Abenteuer eingetauscht: Seit Oktober 2024 sind sie mit ihrem selbst ausgebauten Expeditions-Lkw „Burli“ auf großer Reise durch Europa und Zentralasien unterwegs. Ziel ihrer außergewöhnlichen Tour war die Mongolei – ein lang gehegter Traum der beiden.

Für Rita und Franz sind längere Reisen nichts Ungewöhnliches: Schon Ende 2023, nachdem sie von einer Asienreise zurückgekehrt waren, stand für sie fest: Die nächste große Expedition führt nach Zentralasien. Ihre Faszination für Asien, die Seidenstraße, das Pamir-Gebirge und vor allem die Begegnung mit anderen Kulturen gaben den Ausschlag. „Wir wollten die Menschen, ihre Gebräuche und die Natur hautnah erleben“, sagt Rita.
Der Beginn der Reise
Im Oktober 2024 starteten sie die Reise. Die beiden fuhren über Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien und Griechenland, wo sie den Winter auf der Peloponnes verbrachten. Anfang Februar 2025 setzten sie ihre Reise durch die Türkei fort, entlang der syrischen, irakischen und iranischen Grenze bis nach Georgien.
Über die russische Grenze
Eine besondere Herausforderung wartete im April auf sie: der erste Grenzübertritt nach Russland. Die Abfertigung dauerte mehrere Stunden, verlief laut den Reisenden aber weniger schlimm als befürchtet: „Die Zollbeamten waren sehr freundlich, durchsuchten den Lkw innen und außen. Es lief aber alles korrekt ab.“
Hilfe von Einheimischen
Immer wieder machten Rita und Franz prägende Erfahrungen. Trotz vieler Kontrollen, schwer bewaffneter Beamten und eingeschränkter Infrastruktur erlebten sie aber vor allem eines: große Gastfreundschaft. Die Einheimischen halfen zum Beispiel bei der Navigation, wenn es kein Internet gab: „Die Menschen in Russland sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Sie sagten immer wieder, sie wollen keinen Krieg“, erzählt Franz.
Seidenstraße und Hochgebirge
Über Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan ging es tief hinein nach Zentralasien. Entlang der historischen Seidenstraße beeindruckten Städte wie Buchara und Samarkand. In Tadschikistan erlebten die Reisenden die spektakuläre Hochgebirgswelt des Pamir-Gebirges mit Pässen auf fast 4.700 Metern Höhe, abgelegenen Seen, dem Wakhan-Korridor entlang der afghanischen Grenze und dem berühmten Pamir Highway. Die extremen Höhen, schlechte Pisten und das Navigieren abseits befestigter Straßen stellten die beiden vor große Herausforderungen.
Nach weiteren Stationen in Kirgistan – mit dem Yssyk-Köl-See, Nomadenlagern und Hochweiden – führte die Route erneut durch Kasachstan und Russland bis nach Sibirien. Schließlich war das große Ziel erreicht: die Mongolei.
Zwei Monate Mongolei
Zwei Monate bereisten Rita und Franz das riesige, dünn besiedelte Land. Tausende Kilometer führten über Pisten, durch Flüsse, Hochgebirgspässe und die Wüste Gobi. Besonders eindrucksvoll waren für sie die endlosen Weiten, die Nomadenkultur, die Stille und Orte wie der abgelegene Canyon Khermen Tsav, oft als „mongolischer Grand Canyon“ bezeichnet, bei dem die beiden mit dem Quad unterwegs waren.
„Für uns die menschenfeindlichste Region, die wir jemals erlebt haben. Es ist einer der abgelegensten und spektakulären Canyons der Mongolei“, berichtet Franz.
Riesige Statuen
Auch die Hauptstadt Ulan Bator mit dem Gandan-Kloster, der riesigen Buddha-Statue und der monumentalen Dschingis-Khan-Statue hinterließ bleibende Eindrücke.
42.800 Kilometer zurückgelegt
Bislang legten die Reisenden rund 42.800 Kilometer zurück, durchquerten 24 Länder und überschritten mehr als 40 Grenzen. Die Tagesetappen reichten von 30 bis 600 Kilometern, abhängig von Gelände und Straßenverhältnissen. 3.500 Kilometer sind noch geplant.
Missglückte Bergung
Pannen blieben dabei nicht aus: Ein Reifenplatzer auf abgelegener Piste und eine missglückte Bergungsaktion, bei der schließlich zwei Lkw festsaßen, gehörten ebenso dazu wie stundenlanges Warten auf Hilfe fernab jeder Zivilisation.
Lkw als Zuhause
Unterwegs leben Rita und Franz in ihrem Expeditions-Lkw. „Burli“ ist mit Wohnkabine und Solaranlage ausgestattet und hat eine große Reichweite. „Wir sind komplett autark, gekocht wird ausschließlich elektrisch, Heizung und Warmwasser werden mit Diesel oder elektrisch aufbereitet.“
Zahlreiche Erinnerungen
Was von der Reise bleibt, sind unzählige Erinnerungen: Einladungen in Jurten, lachende Kinder, zufrieden wirkende Menschen trotz wenig Besitz, Gespräche mit Händen und Füßen und eine vielfach erlebte Freundlichkeit – selbst von Polizei und Militär. Vorurteile seien auf dieser Reise endgültig verschwunden, sagen die beiden. „Weniger ist oft mehr“, lautet eines ihrer wichtigsten Resümees.
Die Reise geht weiter
Derzeit befinden sich die beiden Reisenden auf Zypern. Anfang April wollen sie nach Österreich zurückkehren. Doch das nächste Abenteuer ist bereits geplant: Im Spätsommer wollen sie wieder aufbrechen – zur arabischen Halbinsel bis in den Oman. Die Weltreise geht weiter.
Anderen raten sie: „Den Mut finden, es zu tun und nicht auf später verschieben.“


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