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RIED/SCHÄRDING. Trockenheit setzt den Wäldern in den Bezirken Ried und Schärding massiv zu – Forstexperte Christoph Zeininger warnt vor einem angespanntem Sommer.

Christoph Zeininger ist zertifizierter Forstberater. (Foto: privat)
Christoph Zeininger ist zertifizierter Forstberater. (Foto: privat)

Die anhaltende Trockenheit sorgt in den Wäldern der Bezirke Ried und Schärding bereits früh im Jahr für große Sorgen. Vor allem Fichtenbestände geraten zunehmend unter Druck, denn fehlende Niederschläge schwächen die natürliche Abwehrkraft der Bäume – und schaffen ideale Bedingungen für den Borkenkäfer. Christoph Zeininger, Forstberater der Landwirtschaftskammer Ried Schärding, spricht von einer angespannten Situation und appelliert an Waldbesitzer, ihre Wälder jetzt besonders genau zu kontrollieren.

Trockener Frühling

Bereits in den ersten Monaten des Jahres 2026 zeigte sich in der Region ein außergewöhnlich trockener Witterungsverlauf. Genau diese Bedingungen begünstigen die Ausbreitung des Borkenkäfers. „Trockene Jahre sind immer problematisch“, erklärt Forstberater Christoph Zeininger. 

Fichten besonders betroffen

Besonders betroffen seien Fichten, die bei Wassermangel ihre natürlichen Abwehrmechanismen nur eingeschränkt einsetzen könnten. Normalerweise schützt sich ein gesunder Baum mit ausreichend Harzfluss gegen eindringende Käfer. Fehlt jedoch Wasser, sinkt die Widerstandskraft deutlich. „Wenig eigene Abwehrkräfte bedeuten geringeren Harzfluss und damit eine erhöhte Anfälligkeit“, so Zeininger.

Erste sichtbare Käfernester

Die ersten Auswirkungen sind in den Bezirken Ried und Schärding bereits sichtbar. Erste sogenannte Käfernester, also befallene Baumgruppen, wurden schon entdeckt. Für Waldbesitzer bedeutet das erhöhte Aufmerksamkeit. „Waldhygiene und ständige Kontrolle sind jetzt besonders wichtig“, betont der Experte. Gerade in den kommenden Wochen werde entscheidend sein, befallene Bäume möglichst früh zu erkennen und rasch aus dem Wald zu entfernen, bevor sich der Käfer weiter ausbreiten kann.Besonders gefährdet sind derzeit Trockenstandorte mit reinen Fichtenbeständen. Monokulturen reagieren empfindlich auf Hitze und Wassermangel und bieten dem Schädling ideale Bedingungen. Der Klimawandel verschärft diese Problematik zusätzlich. Längere Trockenperioden und höhere Temperaturen führen dazu, dass sich der Borkenkäfer schneller vermehren kann und teilweise mehrere Generationen pro Jahr entwickelt. Heuer hat zudem der erste Schwärmflug ungewöhnlich früh eingesetzt. „Die Waldbesitzer müssen ihre Wälder jetzt noch dichter kontrollieren und befallene Bäume schnellstmöglich entfernen“, erklärt Zeininger. Besonders problematisch sei dabei die oft notwendige Einzelstammnutzung. Diese verursache deutlich höhere Erntekosten und gleichzeitig geringere Erlöse. Zudem verschlechtere sich die Holzqualität bei sogenanntem Kalamitätsholz sehr rasch, da sich das Holz schnell verfärbt.

Regelmäßige Kontrollen durchführen

Neben regelmäßigen Kontrollen empfiehlt der Forstberater vor allem Zusammenarbeit unter den Waldbesitzern. „Augen auf im Wald und Zusammenarbeit mit den Grundnachbarn bei der Käfersuche“, lautet seine zentrale Empfehlung. Denn Borkenkäfer machen nicht an Grundstücksgrenzen halt. Ein gemeinsames Vorgehen könne helfen, größere Schäden frühzeitig einzudämmen.

„Auch moderne Technologien kommen zunehmend zum Einsatz: Drohneneinsätze aus der Luft zur Suche nach Käferbäumen ermöglichen eine wesentliche Vereinfachung der Kontrolle sowie eine hohe Flächenleistung“, sagt Zeininger.

Auch Fangbäume und Borkenkäferfallen spielen heuer wieder eine Rolle. Allerdings sieht Zeininger deren Nutzen differenziert. Fangbäume hätten vor allem eine wichtige Zeigerfunktion, um die Aktivität der Käfer sichtbar zu machen. Käferfallen dienten in erster Linie dem Monitoring. Gleichzeitig müsse man bedenken, dass Fallen die Käfer auch anlocken und dadurch ein gewisses Gefahrenpotenzial entstehen könne.

Klimawandel 
verändert Forstwirtschaft

Langfristig verändert der Klimawandel die Arbeit in der Forstwirtschaft massiv. Die Zahl der Schadholzereignisse nimmt zu, planmäßige Nutzungen werden schwieriger und die Anforderungen an Waldbesitzer steigen. „Es braucht deutlich mehr Flexibilität und auch mehr Wissen über andere Baumarten“, betont der Forstberater. Ziel sei es, klimafitte Wälder aufzubauen, die zukünftigen Wetterextremen besser standhalten können.Daher setzt man in der Region seit Jahren verstärkt auf Mischwälder. Laut Zeininger habe hier bereits ein starkes Umdenken eingesetzt. Informationsveranstaltungen, Lehrfahrten und Beratungsangebote wie Waldwirtschaftspläne oder individuelle Waldbauberatungen würden von vielen Waldbesitzern genutzt. 

Wie sich die Borkenkäfer-Saison weiterentwickelt, hängt nun vor allem vom Wetter ab. Die Situation bleibe angespannt, sagt der Forstberater. Die größte Hoffnung der Waldbesitzer sei derzeit schlicht und einfach: Regen.


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