Neues Leben für ein 100 Jahre altes Eckhaus
RIED. Wer im Sommer durch die Schwimmbadstraße zum Rieder Freibad gefahren ist, dem ist unweigerlich das neu renovierte Gebäude an der Ecke zur P.-Rosegger-Straße aufgefallen. Der besondere Stil und das Erscheinungsbild waren Gesprächsthema in der Stadt. „Projektmutter“ Daniela Watschinger im Interview.

Frau Watschinger, Sie haben das Projekt geplant und umgesetzt. Wie ist das alles entstanden?
Daniela Watschinger: Das Gebäude ist das Elternhaus meines Ehemannes. Es wurde 1926 erbaut, meine Schwiegereltern haben es in den 80er-Jahren gekauft. Es eröffnete sich letztes Jahr für meinen Mann Georg die Möglichkeit, mit seiner Anwaltskanzlei hier einzuziehen. Es war für mich sofort klar, dass hier ein Projekt gestartet werden muss. Wir sprechen von der Sanierung eines 100-jährigen Eckhauses in einer der traditionellsten Straßen der Stadt. Das umsetzen zu dürfen, ist Ehre und Genuss zugleich.
Was war die Grundidee?
Ich wollte das Haus nicht einfach renovieren, sondern seinen architektonischen Charakter wiedergewinnen. Gleichzeitig wollte ich unbedingt etwas zum Stadtbild beitragen. Ich wollte das bewahren, was dem Haus seine Identität gibt – seine kompakte Gebäudeform und die charakteristische Dachform – und gleichzeitig vor allem der Fassade eine neue Lesart geben.
Viele Menschen wundern sich, wie man heute überhaupt noch so bauen kann.
Das Projekt ist eine zeitgemäße Neuinterpretation des Klassizismus. Ein wichtiger Schritt war zunächst, dem Erdgeschoss mehr architektonisches Gewicht zu geben. Dadurch entsteht eine klare Hierarchie zwischen den einzelnen Geschossen, ein typisches Element klassischer Architektur. Die markanten horizontalen Fugen gliedern die Fassade, dazu kommt die im Vergleich zum Bestand abgeänderte Anordnung der Fenster. Diese sind jetzt wieder symmetrisch und haben Sprossen. Das musste sein (schmunzelt).
Bei den Fenstern springen sofort die Rundbögen ins Auge.
Ja, darauf haben uns tatsächlich schon sehr viele Personen angesprochen. Meine Idee der Rundbogenfenster wurde von meinem Mann zunächst als „Liebhaberei“ kritisiert, Gott sei Dank habe ich mich durchgesetzt. Jetzt liebt er sie.
Wie kommt man da darauf?
Die Rundbögen sind das Herzstück des Projektes und ein gutes Beispiel für die Gesamtidee. Die Fenster erinnern an klassische Architektur, sind aber sehr schlicht und ohne aufwendige Ornamentik gestaltet. Dasselbe gilt für den neuen Eingang. Das kleine Vordach und die Säulen haben klassische Proportionen, sind aber sehr klar und reduziert ausgeführt. Insgesamt war es wichtig, den wohnlichen Charakter des Hauses zu bewahren. Es sollte repräsentativ sein, aber trotzdem ein Haus bleiben und nicht wie ein institutionelles Gebäude wirken.
Auch die Außenflächen wurden offensichtlich komplett umgestaltet. Die Hecke ist weg. Was war da der Hintergedanke?
Die Gestaltung der Außenfläche war tatsächlich eine große Herausforderung. Die behördlich vorgeschriebenen Stellplätze mussten am eigenen Grund untergebracht werden. Dies eröffnete für mich die interessante Möglichkeit, den dafür notwendigen Raum doppelt zu nutzen. Die Stellplätze an der Vorderseite öffnen nun gleichzeitig das ganze Gebäude zur Straße hin – für ein Eckhaus optimal. Dadurch wurden auch die traditionellen Lindenbäume der Rosegger-Straße optisch in das Ensemble eingebunden.Die Ecke zur Schwimmbadstraße wollte ich hingegen möglichst grün halten. Ein bestehender Magnolienbaum wurde erhalten. Er bildet heute den Mittelpunkt eines großzügigen, an den Gehsteig anschließenden Gartenbeetes. Dieses bildet mit seinen mediterranen Pflanzen einen grünen Gegensatz zur verbauten Stellfläche. Als kleiner Nebeneffekt sehen die Abbieger vom Freibad Richtung Stadt jetzt erstmals gut den Querverkehr. Die unfallträchtige Kreuzung ist damit auch sicherer geworden.
Das alles klingt nach ziemlich viel Aufwand. Wie lange hat die Sanierung gedauert?
Zwischen dem Teilabbruch im Oktober und dem Einzug im Mai lagen exakt sieben Monate. Es lief alles wie geplant. In diesem Zusammenhang gilt ein großer Dank den ausführenden Unternehmen. Ich bin echt begeistert von der Handwerkerqualität im Innviertel.
Wie würden Sie das Projekt in zwei Sätzen zusammenfassen?
Der architektonische Stil des Hauses soll zeitlos sein, man soll das Gefühl haben, dass das Haus in seiner heutigen Form schon immer da war. Und das im Optimalfall auch noch in100 Jahren.







