Joris Boguo: Von der Wiener Stadtliga zu den SVR-Profis
RIED. Der 18-jährige Wiener kam im Jänner 2024 vom SV Donau Wien ins Innviertel und kickte zunächst bei den Jungen Wikingern. Letzten Sommer gelang ihm der Sprung in die Rieder Profi-Mannschaft, in welcher er bereits 25 Einsätze in der Bundesliga absolvierte. Bei seinem Debüt im Cupspiel gegen Parndorf gelangen ihm zwei Treffer.

Tips:Wann haben Sie zum ersten Mal gewusst, dass Sie Profifußballer werden wollen – und dass das vielleicht sogar etwas werden könnte?
Joris Boguo: Früher habe ich einfach zum Spaß Fußball gespielt. Ab 15 ist es dann bei der Donau in der Wiener Stadtliga recht rasch gegangen. Ich war schnell in der Kampfmannschaft. Da hatte ich schon im Kopf: Ja, Profi sein wäre schon etwas. Aber es war noch nicht die oberste Priorität. Ich habe einfach gespielt, es hat Spaß gemacht. Dann ist das Angebot von Ried gekommen und seit 2024 bin ich hier.
Tips:Haben Sie nebenbei noch eine Ausbildung gemacht?
Joris Boguo: Ja, die Handelsschule.
Tips:Sie haben keine AKA besucht, was mittlerweile für junge Profis die Ausnahme ist. Glauben Sie, dass dieser Weg schwerer ist? Oder hat er sogar Vorteile gegenüber einer AKA-Ausbildung?
Joris Bogou: Ich glaube, dass der Weg über die AKA einfacher ist. Bei mir war halt der Vorteil, dass ich schon mit 15 in die Kampfmannschaft raufgezogen wurde und deshalb schon ganz viel und früh Erfahrung im Männersport sammeln konnte. Das ist sicher ein Vorteil.
Tips:Bei Ihrem ersten Profispiel haben Sie gleich zwei Tore gemacht. Wie haben Sie das erlebt? So ein Debüt können sich die meisten nur erträumen.
Joris Boguo: Ich war mir gar nicht sicher, ob ich überhaupt reinkomme beim ersten Spiel. Das ist alles ganz schnell gegangen. Ich bin zur Halbzeit reingekommen, habe dann das 2:0 geschossen – und ich glaube auch das 4:0. Danach kamen viele Nachrichten aufs Handy. Ich musste das erst einmal alles realisieren. Das hat ein bisschen gedauert, aber es hat sich gut angefühlt.
Tips:Wie ist das mit so einem schnellen Aufstieg – Bundesliga, U21-Nationalteam? Ist es da schwer, am Boden zu bleiben und die Bodenhaftung zu behalten?
Joris Boguo: Ich muss ehrlich sagen: In dem Umfeld, das ich mit meinen Freunden und Mitspielern habe, schauen alle darauf, dass ich am Boden bleibe. Gleichzeitig helfen sie mir, wenn ich etwas brauche. Deshalb ist es eigentlich kein Thema, dass ich irgendwie abhebe. Bis jetzt bin ich noch ganz bodenständig.
Tips:Wie war der Kontrast von Wien zu Ried? Haben Sie Zeit gebraucht, um sich einzugewöhnen? Was gefällt Ihnen hier am besten?
Joris Boguo: Ja, es war auf jeden Fall ein großer Unterschied. Ich habe 15 Jahre in Wien gelebt, und Wien ist richtig groß. Da musste ich mich erst umgewöhnen. Die Region ist sehr schön. Viele Leute kennen sich, der Zusammenhalt ist sehr stark. Das hat mich wirklich überrascht, weil ich das anders gewohnt bin.
Tips:Wie gehen Sie persönlich mit Erfolgsdruck um? Machen Sie sich den hauptsächlich selbst, oder spüren Sie ihn von außen – von Fans, Familie oder wem auch immer?
Joris Boguo: Meine Familie glaubt an mich. Sie glauben, dass ich immer mein Bestes gebe. Ich persönlich will auch immer mein Bestes geben. Wenn ich nicht zufrieden bin, ist natürlich Frust da. Aber das Wichtigste ist, dass ich Spaß habe. Deshalb mache ich mir nicht immer zu viel Druck. Von außen bekomme ich auch keinen Druck von meinen Freunden oder so. Die glauben vor allem an mich, und das gibt mir Kraft.
Tips:Wenn Sie in die Zukunft schauen: Wo würden Sie gerne in fünf Jahren sein? Gibt es einen Verein, von dem Sie schon immer träumen – außer Ried natürlich?
Joris Boguo: Wenn ich Ried jetzt einmal beiseite lege, würde ich Liverpool oder Dortmund sagen. Als kleiner Junge war ich schon Fan von diesen Vereinen.
Tips: Haben Ihre kongolesischen Wurzeln Ihre Karriere mitgeprägt?
Joris Boguo: Es hat in der Vergangenheit schon einen Unterschied gemacht. Ich hätte vielleicht schon in der Jugend ins österreichische Nationalteam einberufen werden können, aber das ging nicht, weil ich den österreichischen Pass noch nicht hatte.
Tips:Rassismus ist im Fußball ja leider immer wieder ein Thema. Haben Sie da negative Erfahrungen gemacht?
Joris Boguo: Ja, aber das ist schon länger her. Das war in der Jugendzeit. Bei meinem alten Verein ist es so gut wie nie passiert, weil ich dort lange gespielt habe und mich jeder gekannt hat. Und seit ich bei Ried bin, kann ich mich nicht erinnern, dass es einmal vorgekommen ist.
Tips: Profis werden ja recht schnell in Vorbildrollen gedrängt. Das beginnt teilweise schon bei Jüngeren. Wenn Sie jetzt einen 13-, 14- oder 15-jährigen Burschen sehen, der Profi werden will: Was würden Sie ihm empfehlen? Was soll er machen, worauf soll er achten?
Joris Boguo: Als Kind ist das Wichtigste, dass man Spaß an dem hat, was man tut – am Sport. Das sollte immer an erster Stelle stehen. Trotzdem sollte man auch auf die Trainer hören, auf die Vorgesetzten und auf die Eltern, und diszipliniert bleiben. Als Kind weiß man noch nicht immer genau, was richtig und was falsch ist. Deshalb ist es wichtig, dass man auf die Eltern hört. Das bringt einen, glaube ich, am weitesten. Und der Spaß ist eben das Wichtigste.
Tips:Wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zurückblicken: Gibt es etwas, worauf Sie besonders stolz sind? Oder etwas, das Sie unbedingt noch erreichen möchten?
Joris Boguo: Besonders stolz bin ich auf Momente wie mein Debüt mit dem Doppelpack, oder das Spiel gegen Rapid, in dem ich getroffen habe, oder die Einberufung ins Nationalteam. Ich will mit der Mannschaft diese Saison viele schöne Momente erleben und viele Siege holen. Wenn man nach langem Training am Wochenende gewinnt, ist das eine der schönsten Sachen.


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