Ernst „Fidi“ Jetzinger: Mehr als 50 Jahre beim Herzensverein
RIED. Ernst „Fidi“ Jetzinger gehört zu den „Urgesteinen“ der SVRied, quasi zum Inventar. Er ist seit über 50 Jahren mit dabei, hilft im VIP-Club und kennt den Verein seit den Zeiten der alten Holztribüne. Und er sammelt seit mehr als 30 Jahren alle wichtigen Zeitungsausschnitte über die SVR. Seine Geschichte ist auch ein Stück SVR-Geschichte.

Wer Fidi besucht, bekommt Geschichten nicht nur erzählt, sondern auch gezeigt. In Ordnern, sauber abgelegt, Saison für Saison. Zeitungsausschnitte, Stadionbroschüren, Informationen zu Kartenpreisen, Infrastruktur, VIP-Club oder besonderen Spielen – was mit der SV Ried zu tun hat und ihm wichtig erscheint, wird aufgehoben.
Fidi spielte als Schüler und Jugendlicher in Neuhofen, später hobbymäßig. 1978 gründete er mit anderen den FC City, einen Hobbyverein, dessen Vereinswirt und Dressensponsor der legendäre „Grasl Fredl“ war (der viel später den VIP-Club im neuen Stadion führte).
Zur SV Ried fand er intensiver in den 70er-Jahren, auch durch seine spätere Frau Sylvia. Deren Bruder war in Ried kein Unbekannter: der „Baier-Poldi“, ein erfolgreicher Stürmer, an den sich viele ältere SVR-Anhänger noch heute erinnern.
„Willst du nicht mithelfen?“
„So ist es bei mir mit der SV eigentlich richtig losgegangen“, erzählt Fidi. Bald kannte er Vorstand, Präsidenten und viele Menschen rund um den Verein. Es kam, wie es kommen musste: „Fidi, willst du nicht mithelfen? Du bist sowieso immer am Platz.“ Aus gelegentlichem Anpacken wurden Jahrzehnte (ein Schicksal, das er mit vielen SVR-Helfern teilt).
Fidi half dort, wo Hilfe gebraucht wurde: in der Kantine, beim Kartenverkauf, beim Kartenabreißen, bei Veranstaltungen und Weihnachtsfeiern, später auch im Beirat. Alles ehrenamtlich natürlich.
Er erinnert sich an die Holztribüne im alten Stadion, die heute kaum noch jemand vor Augen hat, und an Zeiten, in denen der Kantinenbetrieb überschaubar war. „Der Ketter ist mit dem Leiterwagen mit zwei Kisten Bier und 20 Würsten herumgefahren“, sagt er.
Mitbegründer des VIP-Clubs
1993 wurde im alten Stadion die Tribüne mit 1.100 Sitzplätzen fertiggestellt – für damals rund 20 Millionen Schilling. Damit begann die Geschichte des VIP-Clubs. Der erste VIP-Bereich befand sich unter den Sitzplätzen. „Wenn 50 Leute drinnen waren, waren 40 zu viel“, sagt Fidi. Es gab Würstel, es war eng und verraucht. „Wenn du hineingegangen bist, hast du nichts mehr gesehen.“
Fidi war mit Alexander Puttinger, Wenzel Schmid, Hans Huber und Wilhelm Stein einer der Mitbegründer des VIP-Clubs und blieb bis heute mit diesem Bereich verbunden. Im neuen Stadion wurde er VIP-Ordner. Die Begründung: „Du kennst dich aus, du kennst jeden und kannst mit allen reden – egal ob Hackler oder Landeshauptmann.“
Bis heute hilft er am Spieltag mit, stellt Namensschilder auf, kümmert sich um Abläufe und darum, dass die Mannschaftsaufstellungen rechtzeitig freigegeben sind. „Summa summarum ist das eine Aufgabe, die ich nach wie vor gerne mache und die mir Spaß macht.“
Weit gereist
Fidi war auch bei internationalen Spielen der SVR dabei: Polen, Budapest, Moskau, Kopenhagen. Die Reise zu Torpedo Moskau blieb besonders in Erinnerung. Wegen eines Staus verpasste die Gruppe den Flug in Wien. Nach stundenlangen Telefonaten ging es schließlich über Zürich nach Russland. Die Mannschaft kam mitten in der Nacht an und spielte am selben Tag. „Die Niederlage war also nicht verwunderlich“, sagt Fidi trocken.
Unvergessen ist für ihn auch Bröndby 2011. Nach 2:0 zuhause lag die SVR auswärts in Kopenhagen 0:4 zurück. „Ich dachte: Jetzt sind wir erledigt“, erinnert sich Fidi. Doch Ried erzielte noch zwei Tore und stieg dank Auswärtstorregel auf. Eine Niederlage, die sich wie ein Sieg anfühlte.
Mehr als ein Verein
Die SV Ried war und ist für Fidi mehr als ein Verein. Sie ist Teil seines Alltags, seiner Familie, seines Lebens. Seine Frau Sylvia kannte den Fußball von klein auf, die Kinder wuchsen am Sportplatz auf. Sohn Florian war Supras-Chef und Vorsänger. „Der war schon mit dem Kinderwagen am Fußballplatz“, sagt Fidi. Heute sieht er sich die Spiele der Enkel an.
Prioritäten
Wie tief die Leidenschaft geht, zeigt eine Anekdote aus einer schwierigen Zeit. Nach einer Krebserkrankung war Fidi auf Reha in Bad Sauerbrunn. Dann stand ein Heimspiel der SVR an. „Ich dachte mir: Ohne Fidi geht es nicht.“ Also meldete er sich heimlich ab („meine Frau ist da, wir gegen essen“), fuhr nach Ried, sah das Spiel, übernachtete und war rechtzeitig zum Mittagessen wieder zurück. Sein Kommentar: „Das war die Liebe zur SVR. Da muss man Prioritäten setzen.“
„Es ist einfach der Herzensverein“
Fidi Jetzinger hat Aufstiege, Abstiege, Cupsiege, Trainerwechsel und besondere Spiele erlebt und war „nebenbei“ 38 Jahre lang erfolgreich im Außendienst eines Kärntner Unternehmens tätig. Bei aller Geschichte geht es ihm nicht um Nostalgie. Er geht zu Amateurspielen, interessiert sich für junge Spieler und bleibt neugierig.
Nach mehr als fünf Jahrzehnten ist sein Fazit einfach: „Wenn du über 50 Jahre dabei bist, ist es einfach der Herzensverein.“ Bei Fidi klingt das selbstverständlich. Die SV Ried lebt nicht nur von Spielern, Trainern und Funktionären. Sie lebt auch von Menschen wie ihm – die da sind, wenn etwas zu tun ist. Und die bleiben.


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