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RIED. Die Arbeiterkammer will den arbeitenden Menschen „jene Wertschätzung zukommen lassen, die sie verdienen“. Die Corona-Krise habe deutlich gezeigt, wer die wahren Helden und die wirklichen Leistungsträger unserer Gesellschaft sind und wer das Land am Laufen hält.

Martina Reischenböck ist Betriebsrätin im Rieder Krankenhaus. (Foto: AKOÖ)
Martina Reischenböck ist Betriebsrätin im Rieder Krankenhaus. (Foto: AKOÖ)

„Applaus ist zu wenig“, sagt der Vizepräsident der AK Oberösterreich, Andreas Stangl, und fordert, dass alle Arbeitnehmer, besonders aber die als „Corona-Helden“ bezeichneten Beschäftigten mindestens 1.700 Euro brutto verdienen sollten. Arbeitslose müssten statt 55 wenigstens 70 Prozent des letzten Einkommens erhalten. Nicht zuletzt müsse der „Corona-Tausender“ endlich ausgezahlt werden. Zusätzlich seien Konjunkturprogramme zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Sicherung der Ausbildung der Jugendlichen nötig.

„Krankenhaus im Krisenmodus“

Betriebsrätin Martina Reischenböck berichtet, dass die Beschäftigten im Rieder Krankenhaus jetzt „im absoluten Krisenmodus“ seien. Es kämen immer mehr Corona-Infizierte ins Krankenhaus, gleichzeitig fielen auch Beschäftigte wegen Quarantäne oder Corona-Erkrankungen aus. Die Beschäftigten in der Pathologie schieben laut Reischenböck wie schon im Frühjahr „Überstunden ohne Ende“, weil sie die PCR-Tests für das gesamte Innviertel durchführen. „Die Personalknappheit ist ein Problem, das wir der Politik seit Jahren schildern. Wir brauchen mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen.“

Arbeitslosigkeit fast verdoppelt

Durch die Coronakrise habe sich die Arbeitslosigkeit im Frühjahr fast verdoppelt. Fast zwei Drittel der Arbeitslosen haben innerhalb von drei Monaten wieder einen Arbeitsplatz gefunden – vielfach den alten. Für alle, die nicht mit einer Wiedereinstellungszusage rasch wieder beim alten Dienstgeber eingestellt wurden, gestaltet sich die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aber wesentlich langwieriger.

Vor Corona: Anstieg der Beschäftigtenquote

Mehr als drei Viertel aller Frauen und 83 Prozent der Männer aus dem Bezirk Ried sind erwerbstätig. Zwischen 2008 und 2019 hat die Beschäftigung um 14,2 Prozent zugenommen – das ist der zweithöchste Anstieg aller oberösterreichischen Bezirke. Bei den Frauen ist der Anstieg fast doppelt so stark wie bei den Männern.

Die Pro-Kopf-Wertschöpfung lag im Bilanzjahr 2018 bei rund 68.900 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personalkosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch 15.800 Euro pro Mitarbeiter.

Unbezahlte Überstunden

2019 leisteten die Rieder Arbeitnehmer nach AK-Berechnungen rund 45 Millionen Arbeitsstunden, davon etwa 1,8 Million Überstunden – diese entsprechen umgerechnet rund mehr als 1.000 Vollzeitarbeitsplätzen. Im Durchschnitt werden in Österreich rund 15 Prozent der Mehr- und Überstunden nicht abgegolten – weder in Geld noch durch Zeitausgleich. Umgelegt auf Ried werden den betroffenen Beschäftigten nach AK-Berechnungen somit jährlich fast sieben Millionen Euro vorenthalten.


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