Terroranschläge: Wie redet man mit Kindern darüber?
BEZIRK ROHRBACH. Tote und Verletzte auf den Straßen, ein Ausnahmezustand und eine Welt, die nicht mehr das ist, was sie vorher war. Bilder, Fakten und Gerüchte rund um den Terror machen auch vor dem Kinderzimmer nicht halt.

In Paris starben vor wenigen Wochen hunderte Leute, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Ein vollbesetztes russisches Flugzeug explodierte, weil wahrscheinlich religiöse Fanatiker eine Bombe darin versteckt haben. In Norwegen wurden vor vier Jahren 77 Jugendliche bei einem Campinglager erschossen, weil ihre politische Einstellung für das Weltbild eines Mannes die Bedrohung einer Kultur darstellten. In Syrien, im Irak und sonstwo auf der Welt kracht es nahezu täglich: Terroranschläge und die daraus resultierende Angst begegnen uns immer wieder. Auch Kinder werden damit konfrontiert. Wie aber sollen Eltern damit umgehen? Soll man sie vor den Berichten schützen? Wie kann man ihnen ihre Angst nehmen? Dass es dafür keine allgemeine Strategie gibt, weiß Konrad Liebletsberger, Psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberater und Mitarbeiter der Beratungsstelle Mikado. „Wenn Kinder danach fragen, soll man es ihnen erklären, dabei bei der Wahrheit bleiben und für sie ein Anker der Sicherheit sein“, erklärt der Pädagoge. „Dabei“, sagt Liebletsberger weiter, „ist es wichtig, dass sich die Eltern nicht verstellen und ihnen mit vertrauten Worten die Angst nehmen.“ Je nach Alter der Kinder soll man ihnen die Sache mit klaren Worten erklären, Details sind dabei nebensächlich.Kinder haben feine Antennen Dafür ist es notwendig, dass zuerst die Eltern die Informationen verstehen. Das Ziel des Terrors sei die mediale Aufmerksamkeit, die durch die Anschläge erzeugt wird. Über diese Vorkommnisse erst gar nicht zu reden wäre aber der falsche Weg, wenn es um Kinder geht, die bereits im Volksschulalter sind. Liebletsberger: „Kinder haben feine Antennen – sie spüren, wenn die Eltern Angst haben oder es eine veränderte Situation gibt“.
Terror im Spielzimmer und in der Schule
Dabei führt er an, dass es besonders wichtig ist, Kinder nicht mit den verstörenden Terror-Bildern aus den TV-Nachrichten und den Medien alleine zu lassen. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Es kann aber auch vorkommen, dass Kinder den Terror in Spielen miteinbeziehen. Was vorerst bizarr aussieht, kann auch eine Art der Verarbeitung sein. Dass Jugendliche aus der Region mit Terrorvereinigungen wie dem Islamischen Staat sympathisieren, hat Liebletsberger noch nicht erlebt. Auch die muslimischen Flüchtlinge, welche in Rohrbach leben, distanzierten sich via Facebook vor den Verbrechen der ISIS in Paris. In den Schulen des Bezirks waren die Anschläge von Paris vielerorts Thema im Unterricht. „Neben der Flüchtlingsthematik zu Schulbeginn haben wir das Thema in Klassen im Religionsunterricht oder in Geografie aufgegriffen“, sagt beispielsweise Elisabeth Reich, Leiterin der KTS Haslach.


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