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BEZIRK ROHRBACH. Wenn von leistungsschwachen Schülern die Rede ist, die sich in der Gesellschaft nicht zurecht finden, kann man dazu in den heimischen Schulen nur vehement den Kopf schütteln. Hierzulande ist die Schulwelt noch in Ordnung. Das hängt einfach mit der Mentalität der Leute zusammen, wie Pflichtschulinspektor Markus Gusenleitner erklärt.  

  1 / 2   In vielen Pflichtschulen des Bezirkes laufen Projekte, um die Lesefertigkeit gezielt zu fördern - das Bild zeigt Schüler der NMS Neufelden beim Lesethermometer. Die Maßnahmen zeigen auch Wirkung. Foto: NMS Neufelden

„Die Kinder sind diszipliniert, tüchtig und haben noch Respekt vor den Lehrern“, sagt der Pflichtschulinspektor. „Wenn sie im Unterricht mitarbeiten, wirkt sich das natürlich auf  die Ergebnisse aus - und auch auf die Motivation der Lehrer.“ Die Bildungsstandards geben ihm da recht: Rohrbachs Schulen gehören zu den besten in Oberösterreich, und schon Oberösterreich ist im Bundesländer-Ranking in allen Bereichen vorne. „Wir haben wirklich Spitzenschulen dabei. In Mathematik zum Beispiel sind die jetzigen Mittelschulen im Durchschnitt besser als der Österreich-Schnitt der AHS“, zeigt Markus Gusenleitner auf. Er habe keine Angst um Rohrbachs Schüler, „sie bewähren sich in den Höheren Schülern und auch im Berufsleben.“

Beim Lesen allerdings, wo laut OECD-Studie jeder fünfte österreichische Schüler Leistungsschwächen zeigt, gibt's auch hierzulande Defizite. “Computerspiele, Fernsehen oder andere Medien sind einfach lustiger. Deshalb ist jede Lese-Initiative zu begrüßen, von denen es an den Schulen auch sehr viele gibt“, sagt Gusenleitner. Dennoch müsse man auch die neuen Medien im Unterricht einbinden und gezielt als Werkzeug nutzen. „Schüler brauchen mehr Kompetenzen, wo sie Wissen herbekommen und wie sie dieses aussieben. Denn das Wissen hat sich früher alle 100 Jahre verdoppelt - jetzt alle zwei Jahre.“

Lesethermometer ist Leseanreiz

Ein solches Leseprojekt wird seit etwa fünf Jahren erfolgreich an der (Musik)Mittelschule Neufelden umgesetzt: Im Eingangsbereich stehen vier Plexiglassäulen, die mit Bällen gefüllt sind. Diese Bälle sind sichtbare Beweise für die Leseleistung der einzelnen Klassen. „Das Lesethermometer ist der größte Anreiz. Seither wird noch mehr gelesen als vorher. Bei uns werden im Jahr zirka 600.000 Seiten gelesen“, berichtet Lehrerin Marianne Indra. Im Rahmen der Schulautonomie konnte die NMS trotz massiver Stundenkürzungen in der ersten Klasse fünf Deutschstunden erhalten. Eine Deutschstunde wird als reine Lesestunde genützt, die Bibliothek wird dann zum gemütlichen Leseraum. Bücher werden außerdem im Unterricht thematisiert und besprochen. All diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Bei Überprüfungen mittels des Salzburger Lesescreenings wird die Leseleistung überprüft. „Nur ein verschwindend kleiner Anteil der Schüler weist eine schlechte Lesegeschwindigkeit auf; fast die Hälfte liegen deutlich über dem österreichischen Durchschnitt“, informiert Indra. Regelmäßig werde auch überprüft, ob die Schüler die Texte inhaltlich verstehen. Indra ergänzt: „Die meisten Schüler aus den umliegenden Volksschulen kommen mit guten Leseleistungen zu uns. Hier wird gute Basisarbeit geleistet, auf der wir aufbauen können.“

Sitzenbleiber reduzieren

Die Gründe für Leistungsschwäche in den Schulen sind vielfältig: Sozialstatus, familiärer Hintergrund, Migrationshintergrund, Kindergartenbesuch werden in der aktuellen OECD-Auswertung ebenso genannt, wie Klassenwiederholungen. Dieses Sitzenbleiben will man in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Rohrbach mit der neuen Oberstufe reduzieren. „Viele Schüler haben sich dank der Lernbegleitung ihr Nicht Genügend rechtzeitig ausbessern können. Und wer dies nicht geschafft hat, hat sich gleich für die Semesterprüfung angemeldet, damit der Fünfer nicht mitgeschleppt wird“, zieht Direktor Roland Berlinger positive Bilanz nach dem ersten Halbjahr. Er  nennt auch den Vorteil dieses Systems: „Die  Schüler können sich einem oder zwei Problembereichen widmen.“ Generell  merkt er eine „stärkere Inhomogenität“ in der Klasse – extrem gute Schüler treffen auf schwächere. „Das ist halt eine Herausforderung für uns Lehrer.“


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