Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ROHRBACH-BERG. Es ist die Liebe zum Menschen, die für Rotkreuz-Mitarbeiter zählt und sie rund um die Uhr freiwillig im Einsatz stehen lässt. Es sind aber genauso die Kameradschaft, die Freundschaft und der Zusammenhalt, die auf der Ortstelle spürbar sind. Einen Tag lang hat Tips-Redakteurin Martina Gahleitner hinter die Kulissen des Rettungsdienstes geblickt und zwei Sanitäter bei der Arbeit begleitet.

  1 / 5   Michael Lindorfer und Gerti Engleder arbeiten ehrenamtlich als Rotkreuz-Sanitäter an der Rohrbacher Ortsstelle. Foto: Gahleitner

Ausgerüstet mit CO-Warner, Pager und der roten Einsatzjacke, werde ich für die nächsten Stunden zur Rotkreuz-Praktikantin an der Seite von Gerti Engleder. Jener Rettungssanitäterin, die ich schon vor gut 20 Jahren bei der Arbeit begleiten durfte. Sie ist seit fast 25 Jahren ehrenamtlich auf der Rohrbacher Ortsstelle tätig. Ihr heutiger Partner Michael Lindorfer hingegen ist da mit seiner zweieinhalbjährigen Rotkreuz-Erfahrung noch ein Jungspund.

Zivildienst führte zur Ehrenamtlichkeit

Der 21-Jährige hat eine klassische Rotkreuz-Karriere hingelegt: hat ehrenamtlich die Sanitäter-Ausbildung gemacht, dann Zivildienst bei der Rohrbacher Ortsstelle geleistet und ist als Ehrenamtlicher dabeigeblieben. So wie fast alle Zivis, wie mir der Dienstführende Stefan Stutz erklärt. „Optimal ist es, wenn sie schon vorher ehrenamtlich tätig waren. Dann kennen sie sich aus und sind gleich einsatzbereit.“ Zivildiener sind eine wichtige Säule beim Roten Kreuz und wesentliche Quelle fürs Ehrenamt.

Von 17 bis 70 Jahre

Daneben kommen viele Schüler und Studenten über die Sommerakademie zum Sanitätsdienst; die gute, umfassende Ausbildung wird aber auch berufsbegleitend angeboten. So ist es kein Wunder, dass am großen Tisch in der Ortsstelle alle Alters- und Berufsgruppen zusammentreffen. Das Rote Kreuz hat eben für jeden die passende Jacke. „Diese Kameradschaft ist das Schöne“, sind sich alle einig. Da könne man miteinander Spaß haben und das Alter spielt keine Rolle, wenn der Schmäh läuft.

120 Mitarbeiter – doppelt so viele, wie vor 20 Jahren – zählt derzeit die Ortsstelle, von 17 bis über 70 Jahren. Schnuppern, also einen Tag mitfahren, wie ich es gerade mache, ist übrigens jederzeit möglich.

Mit Blaulicht zum ersten Einsatz

Als sich so mancher schon wundert, dass es heute so ruhig ist, geht der Pager los und wir werden zum ersten Einsatz gerufen. Im Rettungs­auto 0915 A geht es mit Blaulicht Richtung Sarleinsbach los. Den Fahrzeugcheck haben wir bereits zuvor erledigt, denn sämtliche Gerätschaften und Materialien müssen immer vollständig sein. Erst während der Fahrt erfahren wir über Funk, worum es geht: Ein Patient mit Quetschwunde am Fuß wartet nach einem Arbeitsunfall auf die Rettung. Gegen die Schmerzen dürfen ihm die Rotkreuzler nichts geben. So muss der junge Mann durchhalten, bis wir im Krankenhaus ankommen, wo er schon erwartet wird und Schmerzmittel bekommt.

Turbulenter Vormittag

Von der morgendlichen Ruhe ist jetzt nichts mehr zu spüren. Da ein Patient mit Atembeschwerden, dort muss ein Patient von einer Arztpraxis abgeholt werden, und der Notarzt wird auf den Hochficht gerufen. Über Funk hören wir die Ausfahrten aller zehn RK-Ortsstellen im Bezirk mit, die über die Leitstelle koordiniert werden. Viel häufiger als solche Einsätze sind aber Transportfahrten zum oder vom Krankenhaus bzw. Überstellungen zwischen Krankenhäusern. Gleich acht Patienten, die Sanitäterbegleitung brauchen, bringen wir an diesem Tag noch an ihr Ziel.

Man kennt sich

Einige sind den Rotkreuzlern schon bekannt – und umgekehrt. Dann weiß Michael schon, wie er auf der engen Zufahrt am besten wendet oder wie der Türcode lautet. „Man kommt oft in abgelegene Gegenden, die man sonst nicht kennen würde. Aber da hab ich auch schon schöne Strecken zum Radfahren entdeckt“, erzählt der junge Sanitäter, der Medizin studieren möchte.

Enge Zufahrten oder Zugänge sind aber eine Herausforderung für die Rettungskräfte, ebenso wie fehlende Hausnummern. „Die Hausnummer sollte von der Straße aus gut sichtbar sein, das würde uns die Arbeit sehr erleichtern. Denn gerade im Finstern ist die Suche sehr mühsam“, wissen die beiden aus Erfahrung. Deshalb sei es auch wichtig, möglichst viele Lichter aufzudrehen, wenn man die Rettung erwartet.

Freude am Gespräch

Mittlerweile ist es später Nachmittag. Die Zeit vergeht schnell, wenn man ständig unterwegs ist. Bevor mein Praktikanten-Dienst endet, möchte ich noch wissen, was sich eigentlich geändert hat in den vergangenen 20 Jahren. So einiges, weiß Gerti Engleder. „Das erste Hochdach zum Beispiel war etwas ganz Besonderes – heute ist ein Auto ohne Hochdach oder Allrad unvorstellbar.“ Die Geräte sind viel mehr geworden, ebenso die schriftlichen Verbindlichkeiten, Kleinigkeiten im Arbeitsablauf werden laufend angepasst. Was sich für sie aber nicht geändert hat, ist die Freude am Gespräch mit den Menschen. „Bei solchen Fahrten ist der Patient im Ausnahmezustand und oft froh, wenn er sich ausreden kann. Allein durchs Reden kann man Ängste nehmen und etwas bewirken.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden