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ROHRBACH-BERG. Als wir sie treffen, ist Andrea schon seit vier Uhr morgens auf den Beinen. Sie ist geringfügig bei drei verschiedenen Putzfirmen angestellt, schupft nebenbei alleine Haushalt und ihre drei Kinder und: Sie hat viel weniger Geld zur Verfügung als die meisten anderen.

Der Name der portraitierten Person wurden zu ihrem eigenen Schutz geändert. Symbolfoto: metodej/ shutterstock.com

Nach Abzug der Fixkosten wie Warmmiete, Strom, Telefon, Kindergartengebühr und Versicherung bleiben Andrea und ihren drei Kindern 900 Euro monatlich zum Leben. „Das ist nicht wenig, aber auch nicht viel“, meint sie selbst. Die aktuelle Armutsgefährdungsschwelle beträgt 1.259 Euro monatlich für einen Ein-Personen-Haushalt.

Das Problem sei weniger das Einkommen selbst, sondern viel mehr die Unregelmäßigkeiten der Zahlungen. „Der Vater meiner zwei ältesten Kinder etwa weigert sich regelmäßig die Alimente zu zahlen. Das bedeutet für mich einen großen Einkommensausfall. Ich bekomme zwar die Alimente vom Gericht, aber die Zeit bis dahin muss ich irgendwie überbrücken.“

Angefangen hat die Misere schon früh. „Ich habe zuerst eine Koch-/ Kellnerlehre angefangen. Das hat mir nicht gefallen. Dann wollte ich Gärtnerin werden, habe aber die Ausbildung auch nicht zu Ende gemacht. Und dann, mit 16, bin ich schwanger geworden.“ Andrea macht keinen Hehl daraus, dass sie Fehler gemacht hat und auch selbst Mitschuld an ihrer Lage trägt.

„Möchte es alleine schaffen“

„Das Schlimmste“, sagt Andrea, „das Schlimmste für mich ist, meinen Kindern nicht bieten zu können, was sie sich wünschen.“ Zwar springe die Oma immer wieder ein, den Kindern fehle es an nichts, „aber ich möchte das eigentlich alleine schaffen.“ Arbeiten müsste sie nicht unbedingt, im Gegenteil: Würde Andrea alleine von den staatlichen Hilfen leben, hätte sie sogar mehr Geld. „Ich habe das auch eine Zeit lang gemacht, aber schnell wieder damit aufgehört. Man ist von den auszahlenden Stellen und deren Bedingungen total abhängig. Das wollte ich nicht. Da nehme ich lieber fünf geringfügige Jobs an, bevor ich mir das wieder antue.“

Und so steht Andrea eben manchmal schon um vier Uhr auf und geht arbeiten. „Weil ich die Kinder habe, diese betreuen muss und auch Zeit mit ihnen verbringen will, putze ich entweder abends, wenn sie im Bett sind, oder frühmorgens, wenn sie noch schlafen.“ Der Größte, er ist im Teenageralter, könne sich außerdem im Fall der Fälle um die kleineren annehmen.

Mit Rechnungen jonglieren

Aktuell hadert Andrea mit den Rückzahlungen an die Gebietskrankenkasse. „Weil ich mehrere geringfügige Anstellungen habe, komme ich über die Geringfügigkeitsgrenze und muss die Kranken- und Pensionsversicherung nachbezahlen.“ Das sei auf einen Schlag oft ein ganz schöner Batzen. „Ich habe mit der Gebietskrankenkasse aber eine Ratenzahlung vereinbart.“ Überhaupt bedeute arm zu sein viel Bürokratie: Anträge auf Förderungen, Unterlagen einreichen, Termine ausmachen, mit Rechnungen jonglieren, damit sich alles ausgeht.

Wenn es Geld regnen würde

„Es ist nicht wenig, aber auch nicht viel.“ Armut ist nicht immer sichtbar, sondern findet oft im Verborgenen statt. Obdachlose sind nur die Speerspitze. Oft reicht das Geld auch zum Leben, zumindest solange die Waschmaschine nicht kaputt wird. „Das kann einen dann aber in einen Teufelskreis stürzen. Ich habe noch Glück, dass mir zumindest die Oma meiner Kinder manchmal aushilft. Das haben aber nicht alle.“

Große Wünsche hat Andrea keine. „Momentan mache ich den Führerschein, damit ich mein Gebiet als Putzfrau ausweiten kann. Die Caritas unterstützt mich dabei finanziell. Auf den Moment, wenn ich den Schein endlich in den Händen halte, freue ich mich schon.“ 

Die Caritas steht Andrea und tausenden anderen in Notlagen zur Seite (Lebensmittelgutscheine, Zuschuss zum Führerschein...). Die Beratungsstelle Rohrbach ist unter Tel. 0676/87762316 erreichbar.


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Unternehmen im Bezirk
Unternehmen im Bezirk
22.04.2020 12:39

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Hallo liebes Tips-Team, wir würden gerne Kontakt zu Andrea herstellen, da wir in unserem Bürogebäude in Hofkirchen iM eine Reinigungskraft suchen. Wäre das irgendwie möglich? MfG

Antworten
Tips-Redaktion
Tips-Redaktion
22.04.2020 13:26

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Ja, das ist grundsätzlich möglich. Bitte eine kurze Mail mit Kontaktdaten an s.wallner@tips.at.

n
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30.03.2020 10:37

armutsgefährdet??

Wenn man jeden Job bei der kleinsten Ungereimtheit sofort hinschmeißt, und jeden verfügbaren Euro in eine neue Tätowierung umsetzt, kann es nicht anders kommen!