Wenn die Plätze knapp werden, müssen Frauen weichen
ROHRBACH-BERG. Die neue, frauenlose Landesregierung macht Politik wieder zur Männersache. „Das wirft uns gesellschaftspolitisch um 20 Jahre zurück“, bedauert Jutta Müller, Leiterin des Frauennetzwerks die eingeschlagene Richtung. Denn frauenpolitische Themen weiterzubringen, werde so sicher schwierig werden.

„Was bisher normal war, nämlich dass Frauen in der Regierung sitzen, Ressortchefinnen sind, das gilt jetzt nicht mehr. Das ist sehr bedauerlich und wirft ein trauriges Bild auf unsere Gesellschaft“, kommentiert Jutta Müller die Bildung der Landesregierung. Aber sie habe schon vermutet, dass es in diese Richtung geht: „Wenn die Plätze knapp werden, werden Frauen hinausgedrängt – selbst wenn sie Qualität und Kompetenz bewiesen und gute Arbeit geleistet haben“, spricht sie von den Landesrätinnen Gertraud Jahn (SPÖ) und Doris Hummer (ÖVP), die beide nicht mehr in der Regierung sind. „Männer wählen eben Männer, das zeigt sich immer wieder. Und sie haben stärkere Seilschaften hinter sich.“
Müller, die selbst für die Grünen seit 1991 im Gemeinderat in Rohrbach-Berg aktiv ist, befürchtet, dass es künftig schwierig wird, frauenpolitische Themen voranzubringen – in einem Gremium, das von Männern bestimmt wird.
Quoten sind keine Lösung
Die Tendenz, die jetzt in der Landespolitik gezeigt wird, ist teilweise auch auf Gemeindeebene und in der Wirtschaft spürbar. „Zu unseren Beratungen kommen immer wieder Frauen, die am Arbeitsplatz wegrationalisiert werden. Viele wollen aber in solchen Fällen nicht die Ellbogentechnik anwenden, sondern ziehen sich freiwillig zurück. Das kann nicht der richtige Weg sein: Wir Frauen müssen selbstbewusst unsere Forderungen stellen, den Mut haben, sichtbar zu werden“, sagt Jutta Müller.
Quotenregelungen sind für sie aber keine Lösung. Vielmehr gehe es um Qualitätssicherung: „Ich halte nichts davon, dass Frauen Posten oder Funktionen bekommen, nur der Quote wegen. Aber bei gleichwertigen Bewerbern müssen auch Frauen eine Chance haben. So können wir gesellschaftspolitische Diversität zeigen, andere Haltungen und Ziele miteinbringen und dann passiert Bewusstseinsveränderung.“


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