Bauern machen mit Traktor-Demo gegen Schleuderpreise mobil

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Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 26.02.2020 10:55 Uhr

ROHRBACH-BERG. Weil die Preisschlachten und Dumpingpreise im Handel zu Lasten der Bauern gehen, proben diese den Aufstand und fuhren vor einigen Spar-Märkten mit Traktoren auf. So wie am Mittwoch Vormittag beim Eurospar in Rohrbach, wo die heimischen Milchbauern nicht zu übersehen und zu überhören waren.

Mehr als 60 Bauern kamen aus dem ganzen Bezirk angetuckert, drehten ihre Runde durch das Stadtzentrum, ehe sie vor dem Eurospar parkten. Dort übergaben Bauernbund-Bezirksobmann LAbg. Georg Ecker, Bezirksbäuerin Hedwig Lindorfer gemeinsam mit ihren Mitstreitern eine Resolution. Der Bauernbund und alle Landesbauernbünde wollen mit dieser Aktion auf die kritische Einkommenssituation der heimischen Landwirtschaft aufmerksam machen. Denn die steigende Kostenbelastung und die immer höheren Produktionsauflagen belasten die Landwirte.

Milchpreis seit 20 Jahren gleich

„Wir diskutieren ständig über den Milchpreis aber tatsächlich bekommen unsere Bauern und Bäuerinnen für die Milch seit 20 Jahren den gleichen Preis. Gleichzeitig sind die Lebensmittel zu Schleuderangeboten im Einzelhandel erhältlich. Höchste Qualität muss auch fair abgegolten werden“, wünscht sich Bauernbund-Bezirksobmann LAbg. Georg Ecker, dass sich der Lebensmitteleinzelhandel zu den Bauern bekennt. „Da muss sich endlich etwas tun, denn die landwirtschaftlichen Betriebe werden immer weniger.“ Fast 2.000 Milchbetriebe waren es zur Jahrtausend-Wende, heute sind es nur mehr 900.

5 Cent mehr wären ein Erfolg

Für einen Liter Milch gibt es derzeit 39 Cent inkl. Mehrwertsteuer, „vier, fünf Cent mehr wären schon ein großer Erfolg. Denn die Auflagen von den Handelsketten, etwa für mehr Tierwohl, werden immer mehr“, zeigt Georg Ecker auf, der in Kollerschlag gemeinsam mit Sohn Michael  einen Betrieb führt.

Landwirte brauchen faire Preisgestaltung

Gefordert wird eine faire Preisgestaltung und ein Ende der „chronischen Aktionitis“ bei hochwertigen Lebensmitteln, auf Umwelt-, Klima- und Tierschutz dürfe es keinen Rabatt geben. „Österreichische Standards zu Weltmarktpreisen sind nicht möglich“, sind sich die Bauern einig. Außerdem kritisieren sie die „Konsumententäuschung durch rotweißrote Fähnchen auf Lebensmittel aus dem Ausland – es darf nur Österreich draufstehen, wo  Österreich drinnen ist.“

Das Thema mobilisiert, wie der große Aufmarsch bei der Traktor-Kundgebung gezeigt hat. „Vor allem die Jungen betrifft es“, „da muss man schon weiterdenken, denn es soll nach uns noch weitergehen“, war da zu hören. Oder von Zeiten, als man in der Molkerei Neufelden bereits 7 Schilling pro Liter Milch bekommen hat. „Wir haben weniger geliefert und haben davon leben können“, sagt ein Biobauer.

Spar verhandelt mit Molkereien

Von der Spar-Zentrale heißt es zu den Bauernprotesten, dass „Preiserhöhungen alleine die Lage der Bauern nicht wesentlich verbessern werden. Es geht um ein großes strukturelles Problem innerhalb der Landwirtschaft, das eigentlich die Politik lösen sollte.“ Spar als Handelsunternehmen sieht es als Aufgabe, sowohl für die Molkereien – und damit indirekt für die Bauern -, als auch für die Konsumenten einen angemessenen Preis zu verhandeln. Das geschieht derzeit. „Leider hat sich in der Bauernschaft das falsche Gerücht verbreitet, dass die Preisgespräche abgebrochen worden seien. Das ist falsch. Richtig ist, dass Spar nach wie vor in Verhandlungen mit den Molkereien ist. Wir sind sicher, dass wir diese Verhandlungen mit den Molkereien auch zu einem positiven Abschluss bringen werden“, heißt es von Spar.

Starkes Bekenntnis zu heimischer Qualität

Für bestimmte Qualitätsprodukte, wie Heumilch, Wiesenmilch oder Bio-Bergbauernmilch gebe es ohnehin bereits freiwillige Zuschläge. „Spar ist seit Jahrzehnten ein sehr guter Partner der Landwirtschaft und hat sich in vielen Bereichen sogar freiwillig zu heimischer Qualität verpflichtet. Ein derartig starkes Bekenntnis des Handels gegenüber den heimischen Bauern gibt es in ganz Europa nirgends in dieser Form.“

Preisaktionen nicht zu Lasten der Landwirte

Zu den Preisaktionen sagt Spar, dass der Spannenverlust zum größten Teil von Spar selbst getragen wird. „Zudem helfen Aktionen den landwirtschaftlichen Erzeugern, den Absatz ihrer Markenprodukte zu erhöhen und Mehr- und Überproduktionen an die Kunden zu bringen.“

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