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Musiktheater auf Schloss Sprinzenstein: Was Librettist und Komponistin über Helmbrecht zu sagen haben

Martina Gahleitner, 14.05.2026 06:51

SARLEINSBACH. Anlässlich des Gedenkjahres 400 Jahre Bauernkrieg bringt der Verein NordwaldKammerspiele im Sommer die mittelalterliche Versnovelle „Meier Helmbrecht“ von Wernher dem Gartenaere in völlig neuer Fassung, nämlich als Musiktheater im Schloss Sprinzenstein auf die Bühne.

 (Foto: Hackl Martin)
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Der Bauernsohn Helmbrecht fühlt sich zu Höherem berufen und zieht aus, um sein Glück bei Hofe zu versuchen. Alle Mahnungen und Warnungen des Vaters schlägt er in den Wind und strebt nach einem Leben in Saus und Braus als Raubritter.

Mehr als 200 Mitwirkende aus der Region erwecken gemeinsam unter Produktionsleiter Karl Lindorfer, Regisseur Konstantin Sales Huber und unter der musikalischen Leitung von Thomas Eckerstorfer die Geschichte zum Leben. Tips hat mit Autor Johannes Huber und Komponistin Claudia Federspieler über ihr Werk gesprochen.

Tips: Was hat euch persönlich an der Figur Helmbrecht gereizt?

Johannes Huber: Den Helmbrecht kenne ich seit meiner Volksschulzeit, er war in Putzleinsdorf Pflichtlektüre. Ich habe ihn seit damals nicht vergessen.

Claudia Federspieler: Als ich mit der Vertonung beauftragt wurde, kannte ich die Geschichte noch nicht. Als Komponistin eines Bühnenwerkes braucht man in erster Linie ein gutes Libretto. Hannes Huber hat ein gutes Gefühl für Texte und hat auch den Helmbrecht neu und kunstvoll gedichtet. Der junge Helmbrecht hat viele Facetten. Er ist stolz, eingebildet, stark, trotzig, er verliebt sich, er kann auch lügen und heucheln. Das alles musikalisch auszudrücken, ist sehr reizvoll.

Warum ist dieser mittelalterliche Stoff auch heute noch relevant?

Huber: Helmbrecht ist eine archetypische Figur. Der Emporkömmling, der es anfangs gut meint, der Tüchtige, der es zu etwas bringt, der sich am Erfolg berauscht. Der nicht bemerkt, wie sich die Grenze zwischen Geschäftstüchtigkeit und krimineller Energie allmählich verschiebt. Es gibt auch heute genug Beispiele aus Politik und Wirtschaft. Die größte Herausforderung ist es, das Publikum von der Aktualität zu überzeugen, obwohl die Geschichte über 700 Jahre alt ist.

Federspieler: Der Ablösungsprozess zwischen Eltern und Kindern zählt zu den Hauptproblemen in Eltern-Kind-Beziehungen. Das war im Mittelalter nicht anders. Der Konflikt wird hier auf besondere Weise scharf gemacht durch die Radikalisierung des Helmbrecht. Er will in die Welt hinaus, zunächst harmlos, gerät in eine ganz andere Welt, wird zum Extremisten. Wie geht es heute Eltern, deren Kinder auswandern und für den IS kämpfen? Wie geht es Kindern, die dem Druck nachgeben und in den elterlichen Betrieb einsteigen, obwohl sie ganz andere Neigungen und Träume haben?

Zum Libretto: Inwieweit findet sich die Vorlage wieder und wie wichtig waren historische Authentizität?

Huber: Im Wesentlichen wird die Geschichte nacherzählt, auch wenn es zusätzliche Figuren und Details gibt, um es bühnenwirksam zu machen. Inhaltlich wird insofern ein etwas anderer Akzent als in der Vorlage gesetzt, als das Schicksal Helmbrechts nicht als vorherbestimmt betrachtet wird. Es gibt Szenen, die zeigen, dass es auch anders hätte kommen können.

Die Frage, ob der Stoff authentisch ist, kann schwer beurteilt werden. Der Autor Wernher der Gartenaere behauptet jedenfalls, es mit eigenen Augen gesehen zu haben. Mir ist klar, dass es keine historische Richtigkeit gibt. Jedes gesprochene Wort, jede gezeigte Handlung in unserem Stück ist eine Interpretation und der Versuch, etwas in unserer Zeit verständlich zu machen. Auch wenn dafür alte Wörter verwendet werden oder historische Kostüme im Einsatz sind.

Was war für Sie als Komponistin die größte Herausforderung an diesem Projekt?

Federspieler:Ich machte mir natürlich im Vorfeld darüber Gedanken, welches Publikum mich erwartet. Die besondere Herausforderung besteht darin, Musik für Laien und Profis im Ensemble zu schreiben. Dies ist schon mal der erste Spagat. Im besten Fall soll die Musik sowohl Menschen ansprechen, die nie in die Oper gehen als auch Opernkenner. Und Musikkritiker werden auch da sein. Wenn ich an all das denke, könnte eine Schreibblockade eintreten. Das war Gott sei Dank (noch) nicht der Fall. Ich bleibe meinem Komponierstil treu. Helmbrecht enthält musicalhafte Elemente, die dem Publikum den Zugang erleichtern und gleichzeitig genug Ausdruckstiefe haben, die diesem Thema angemessen ist. Es ist mein drittes Bühnenwerk und mein bisher größtes und umfangreichstes Projekt. Eine große Partitur mit 21 Nummern. Im April 2025 habe ich begonnen – im Juli 2026 werde ich sagen, es liegt ein wahres Helmbrecht-Jahr hinter mir. Es begleitet mich täglich und es wird noch sehr spannend.

Wie war die Zusammenarbeit zwischen Libretto und Komposition?

Huber: Durch die räumliche Entfernung war die Möglichkeit für die persönliche Begegnung eingeschränkt. In den Schöpfungsprozess mit eingebunden waren auch immer mein Bruder Norbert und der musikalische Leiter Thomas Eckerstorfer, die schon beim letzten Projekt „Bauer, Tod und Teufel“ mit Claudia zusammengearbeitet haben.

Federspieler: Es gab regelmäßig Telefonate zwischen Norbert Huber, Thomas Eckerstorfer und mir. Alles in enger Absprache mit Hannes. Für ein so großes Werk wie Helmbrecht ist es nötig vorauszuplanen. Jede Nummer wird zuerst besprochen, und schon während des Gesprächs schwirren Tonarten, Taktarten und Melodien um mich herum.

Was soll das Publikum nach der Aufführung mitnehmen?

Huber: Die Erinnerung an einen spannenden Theaterabend und ein paar Denkanstöße, wie unberechenbar das menschliche Leben ist. Mitleid oder moralische Empörung wären jedenfalls nicht angebracht.

Federspieler: Wenn es gelingt, dass das Publikum zwischendurch die Zeit vergisst, sich mitreißen lässt in zutiefst menschliche Abgründe, sich einlässt auf eine hoffnungslose Liebe, auf die humorvollen Teile wie auch auf die gnadenlos unmenschlichen, wenn es die Musik als Einheit mit dem Theater erlebt, dann ist alles aufgegangen, was ich mir wünschen kann.

Das Open Air-Musiktheater Helmbrecht wird von 24. Juli bis 8. August auf Schloss Sprinzenstein, Sarleinsbach, aufgeführt.

Tickets: www.helmbrecht.at


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