„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“: neues Musical vom Erfolgsduo Mason und Zaufke in Helfenberg
LINZ/HELFENBERG. Das preisgekrönte Autorenduo Henry Mason und Thomas Zaufke (am Linzer Musiktheater: „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ und „Die Königinnen“) bringt Judith Kerrs Roman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ erstmals auf die Theaterbühne, und zwar als Sommermusical in der Kulturfabrik Helfenberg.

Es ist Winter 1933 in Berlin, und in den Straßen hängen Plakate von einem Mann mit Charlie-Chaplin-Schnurrbart und grimmigem Blick. Die neunjährige Anna und ihren Bruder Max kümmert das wenig. Anna will berühmt werden, wie ihr Papa, ein angriffiger jüdischer Schriftsteller und Theaterkritiker. Als der aber über Nacht verschwindet, müssen Anna und Max Hals über Kopf mit ihrer Mutter fliehen und alles zurücklassen, was sie kennen und lieben – sogar Annas rosa Stoffkaninchen. Es beginnt eine Reise mit unsicherem Ausgang und großen Herausforderungen, doch Annas Familie wird einen Teufel tun, sich unterkriegen zu lassen.
Die Flucht durch die Augen eines Kindes
Judith Kerrs autobiografischer Roman von 1971 erzählt die Flucht ihrer Familie vor Hitler, von Berlin über Zürich, Paris bis England. „Manche Dinge sind ein bisschen verschoben, aber fast alles, was in dem Roman vorkommt, hat sich auch wirklich zugetragen“, erzählt der Linzer Henry Mason, der das Buch und die Liedtexte schrieb und in Helfenberg auch Regie führt: „Das Kunststück an ihrem Roman ist, dass wir die Flucht durch die unschuldigen Augen ihres Alteregos, der neunjährigen Anna, erleben.“
Kerr schreibt nur davon, was sie als Kind auch gewusst hat und nichts von dem, was sie später darüber erfahren hat. Charmant, leichtfüßig und lebensbejahend beschreibt Mason den Roman, den er selbst als Kind geliebt hat: „Dadurch, dass er eben auch für Kinder geschrieben wurde, vermittelt er dieses besondere, positive Gefühl. Als Erwachsener liest man aber natürlich auch die Geschichten zwischen den Zeilen.“
Weltweit erste Bühnenfassung
Zwar wurde der Roman 2019 verfilmt, eine Bühnenfassung ließ bislang aber auf sich warten, bis jetzt. Mason hat sich dabei bewusst auf die Resilienz konzentriert. „Es geht im Kern darum, wie Menschen weitermachen, wenn ihnen alles genommen wurde.“ Trotz allem sei das Stück aber nicht sentimental. „Es ist zwar sehr berührend, aber wir wollen nicht auf die Tränendrüse drücken. Die Geschichte hat auch einen großen Unterhaltungswert und viel Humor“, ergänzt Thomas Zaufke, der die Musikkomposition übernahm. Das Musical ist demnach nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder ab zehn Jahren geeignet.
Ariane Swoboda ersetzt Daniela Dett
Einziger Wermutstropfen: Ursprünglich hatten Mason und Zaufke für das Stück die Linzer Musicalurgesteine und Publikumslieblinge Rob Pelzer als Papa und Daniela Dett als Mama eingeplant. „Dani musste sich aber leider kurzfristig aus privaten Gründen aus der Produktion zurückziehen. Wir hatten mit Ariane Swoboda, die die Rolle übernahm, aber großes Glück im Unglück“, so Mason. In den weiteren Hauptrollen zu sehen sind Sarah Weidinger als Anna, Patrik Cieslik als Max sowie Daniel Große Boymann und Nina Weiß in allen anderen Rollen. Den musikalischen Part übernimmt eine fünfköpfige Band unter der Leitung von Markus Syperek.
Die Vorstellungen in Helfenberg laufen übrigens unter dem Titel Tryout-Produktion, die offizielle Uraufführung findet dann Mitte Dezember in München statt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden