Wie 20.000 Menschen in Tansania mit oberösterreichischer Hilfe lernen, mit der Dürre umzugehen

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Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 20.06.2017 18:00 Uhr

TANSANIA/ST. PETER. Auf den ersten Blick erscheint Tansania im  Osten Afrikas grün und fruchtbar. Schaut man aber genauer hin und kommt mit den Menschen ins Gespräch, so wie es Franz Hehenberger aus St. Peter schon seit vielen Jahren macht, wird schnell klar, dass jeder Tag ein Kampf ist – gegen den Hunger, gegen die Wasserknappheit, gegen die klimatischen Bedingungen, die vor allem der Bevölkerung am Land das Überleben schwer machen. Sei so frei hilft ihnen gemeinsam mit Partnern vor Ort dabei, und auch der Lions-Club greift heuer finanziell kräftig unter die Arme.

An die 90 Prozent der Menschen leben in den ländlichen Regionen. Sie leben von dem, was gerade wächst – nicht auf Vorrat, sondern von heute auf morgen. „Vorratswirtschaft war komplett unbekannt und auch nicht notwendig, denn die Natur hat genug hergegeben. Das hat sich aber geändert und die Menschen müssen lernen, sich darauf einzustellen“, erzählt Oberösterreichs Sei so frei-Geschäftsführer Franz Hehenberger, den ich ein paar Tage in Tansania begleiten durfte.

Sorgsamer Umgang mit dem Boden

Wir sind unterwegs zu einem der Dörfer, das diesen Weg bereits eingeschlagen hat. In Bukabwa führt uns Steven Oyoga stolz zum Gemeinschaftsfeld der Gruppe. Hier wachsen Maniok-Wurzeln, Mais, dazwischen verschiedene Bohnen-Arten, die Feuchtigkeit im Boden halten und Stickstoff aus der Luft binden. Während einige der Bewohner gerade dabei sind, Mais zu ernten, erzählt Steven über die Veränderungen, die dank Unterstützung von Sei so frei und der Partnerorganisation Grain to Grow Foundation (GGF) gelungen sind: Sie hätten etwa gelernt, effizienter mit dem kostbaren Saatgut und sorgsamer mit dem Boden umzugehen, sie bauen verschiedene Pflanzen an, um zu verschiedenen Zeiten ernten zu können, sie halten Bienen und haben junge Bäume gepflanzt, die später Schatten spenden und auch Brennholz geben.

Regen kam viel zu spät

Dennoch bleiben genug Herausforderungen, die die Bewohner meistern müssen. Allen voran die Wasserknappheit: Drei Mal hat Steven heuer anbauen müssen, denn die ausbleibende Regenzeit hat die Samen am Feld vertrocknen lassen. „Erst Anfang April kam nach einem Jahr Trockenheit endlich der Regen – zwei Monate später als üblich und in vielen Teilen des Landes nicht ausreichend“, berichtet Saria Amillen Anderson von GGF.

Zugang zu sauberem Wasser

Tiefbohrbrunnen oder Regenwassertanks sind deshalb wichtige Bestandteile des Projekts. Bei einem dieser Bohrlöcher werden wir von einer laut singenden, pfeifenden, tanzenden Menschenmenge erwartet. Franz Hehenberger lässt sich gerne überreden, mitzutanzen. Er ist bei den Afrikanern weithin bekannt und respektiert – als der weiße Mann, der viel Gutes gebracht hat.

Bewohner müssen ihren Beitrag leisten

Hilfe gibt es allerdings nicht ohne Gegenleistung. „Die Wünsche sind groß und endlos. Wir unterstützen die Menschen hier aber nur, wenn sie selbst ihren Beitrag leisten. Dann werden die Wünsche schon weniger“, weiß Hehenberger aus langjähriger Erfahrung. „Nur so funktioniert es und nur so kann den Menschen nachhaltig geholfen werden, ihre Lebensqualität zu verbessern.“ Nach Grundwasser zu bohren und Brunnen zu bauen, sei zu wenig, „es braucht Leute, die die Verantwortung dafür übernehmen. Es gibt schon zu viele kaputte Bohrlöcher in Afrika“, sagt er.

Auch die Regierung selbst wird in die Pflicht genommen: Als Vermittlerin vor Ort arbeitet Saria Amillen Anderson gemeinsam mit den Ward-Chefs die einzelnen Initiativen und die Bedingungen dafür aus.

Funktionierendes Konzept wird fortgesetzt

Ähnlich dem Erfolgskonzept im Bezirk Musoma wurden 2016 in zwei weiteren Bezirken der Mara-Region neue Gruppen gestartet, deren Aktivitäten für ein Jahr von den Lions mitgetragen werden: Die Distrikte Mitte und Ost sowie der Lions-Club International stellen für das Projekt in Tansania voraussichtlich 200.000 Euro zur Verfügung.

Weitere 20.000 Menschen können dadurch direkt erreicht werden. Die positiven Veränderungen machen aber schnell die Runde. „Wir sind für andere Vorbild“, bestätigt Jane Samweli. Und ergänzt: „GGF hat unser Leben verändert.“ Vorher musste sie Wasser aus einem drei Kilometer entfernten Tümpel holen und es abkochen, damit es überhaupt trinkbar wurde. Jetzt hat das Dorf einen Tiefbohrbrunnen und damit Zugang zu sauberem, sicherem Trinkwasser.

Frauen werden mutig und unabhängig

Dank dem Einfluss von außen beginnen speziell die Frauen, traditionelle Rollen zu überdenken. Jane etwa will eine gute Schulbildung für ihre vier Kinder – auch für die drei Töchter, denen sie auch keine Zwangsheirat zumuten will. In den neuen Projekten ist zudem Bedingung, dass Männer am Feld mitarbeiten – das war zuvor kaum möglich.

Hochwertiges Saatgut statt Hybridsorten

Jane ist Mitglied einer 30-köpfigen Dorfgruppe, die auch ein Saatgut-Programm gestartet hat und robuste, hitzebeständige, krankheitsresistente Maniok-Samen züchtet. Ziel sei es, sich mit den Klimaveränderungen zu arrangieren, sagt dazu Gruppensprecher Ismaily Abdul. Im September soll das erste Mal Samen auf dem einen Hektar großen Feld geerntet und an Kleinlandwirte in der Region weiterverkauft werden. Die Wurzeln selbst bringen zusätzliches Einkommen.

Wie wichtig qualitativ hochwertiges Saatgut ist, weiß Saria nur zu gut. Zu oft schon vertrocknete Maniok oder Mais nach der Aussaat oder war überhaupt gleich mit Krankheiten infiziert.

Kreative Ideen

Um zu mehr Einkommen zu kommen gibt es durchaus auch kreative Zugänge: Die einen führen uns stolz zu ihrem Windrad, mit dem sie Wasser aus dem Mara River zu den Feldern pumpen; andere wollen mit Fischhaltung starten; wieder andere vermieten Plastiksesseln an Nachbardörfer oder vergeben Mikrokredite. Gestärkt durch die Vernetzung untereinander und ermutigt durch neues Wissen, lernen die Menschen in der Mara-Region, mit den widrigen Bedingungen in ihrer Heimat zurechtzukommen und schaffen sich selbst die Grundlage für ein besseres Leben.

Umweltschutz fängt in den Schulen an

Wichtige Partner bei den Aktivitäten vor allem im Umweltschutzbereich sind die Schulen in Tansania: Hier werden Wiederaufforstungsprojekte realisiert. „So lernen schon Kinder Verantwortung für die Umwelt und Natur zu übernehmen“, nützt Saria Amillen Anderson (GGF) diese Ressourcen gerne. Allein in der Makore Primary School haben die Schüler 200 Bäume gepflanzt. 46 davon fielen der Dürre zum Opfer, wurden von Insekten befallen oder vom Vieh niedergetreten oder vom Nachbarn gestohlen. Um die restlichen aber kümmern sich die Kinder der Umweltgruppe mit Hingabe, berichtet Lehrer Francis Milanzi: Sie bringen auf dem oft einige Kilometer weiten Schulweg Wasser von zu Hause mit und hüten die Bäume in ihrer Freizeit. „Sie sind so glücklich über ihre Bäume“, sagt Francis. Jedes Kind hat seinen eigenen Baum, von dem natürlich jede Menge Fotos gemacht werden müssen.

Der Wunsch der Schüler und ihres Lehrers wären noch mehr Bäume und dazu ein Wassertank, um das Regenwasser von den Schuldächern sammeln zu können.

 

Spendenkonto für die Projekte in Tansania unter Sei so frei – kmb Linz: AT93 5400 0000 0039 7562. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. 

Infos: Sei so frei (Katholische Männerbewegung in Oberösterreich)

Lions Club Österreich

 

 

 

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