Turmbefundung am Mariendom: Domhüttenmeister aus St. Martin arbeitet in luftiger Höhe

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Domhüttenmeister Gerhard Fraundorfer lässt sich von der Turmspitze abseilen, um den Turm genau unter die Lupe zu nehmen.  Foto: Diözese Linz/Wiesinger
Domhüttenmeister Gerhard Fraundorfer lässt sich von der Turmspitze abseilen, um den Turm genau unter die Lupe zu nehmen. Foto: Diözese Linz/Wiesinger
Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 15.11.2017 07:48 Uhr

ST. MARTIN/LINZ. Auf über 100 Meter Höhe liegt derzeit der Arbeitsplatz vom Domhüttenmeister des Linzer Mariendoms, Gerhard Fraundorfer aus St. Martin. Er untersucht den Turmhelm auf etwaige Schäden durch Witterung und wird dafür von der Turmspitze abgeseilt.

Solch eine spektakuläre Turmbefundung am Seil findet regelmäßig alle zwei bis drei Jahre statt. Konkret untersucht wird der Zustand der Steinfugen, der Zierteile, des Dekors sowie des sieben Meter hohen Stahlkreuzes. Die Arbeiten dauern rund eine Woche. Domhüttenmeister Gerhard Fraundorfer wird dabei von speziell ausgebildeten Höhenkletterern unterstützt, schließlich spielt sich das Ganze in einer Höhe von 65 bis 132 Metern ab. Im Zuge der Untersuchung werden auch Drohnenaufnahmen für photogrammetrische Analysen eingesetzt.

Lange Tradition

Die Dombauhütte Linz ist eine von nur zwei Dombauhütten in Österreich und blickt auf eine lange geschichtliche Tradition zurück. Sie wurde mit Baubeginn des Doms im Mai 1862 eingerichtet. In der Dombauhütte waren die Steinmetze mit der Herstellung von Steinbauteilen für den Dombau beschäftigt. Das dazu notwendige Sandsteinmaterial wurde zum Großteil aus einem im Eigentum des Dombauvereins stehenden Steinbruch in Altlengbach (NÖ) herangeschafft und in Linz weiterverarbeitet. Mit den für die damalige Zeit modernsten bautechnischen Methoden wurde zwischen 1862 und 1924 am Dombau gearbeitet. Dabei wurden rund 106.000 Steine verarbeitet, fast 27.000 für den Bau des 132 Meter hohen Turms. Heute wird der farblich passende Sandstein aus dem Raum Polen und Dresden verwendet. Seit 2005 ist Architekt Wolfgang Schaffer als Dombaumeister in der sechsten Generation seit Gründung der Dombauhütte tätig. Bei ihm liegt die technische Verantwortung für die Instandhaltung und Ausstattung des Mariendoms.

In 40 Jahren einmal rundherum

Vordringlichste Aufgabe der Dombauhütte ist heute die Erhaltung der denkmalgeschützten Bausubstanz und daher auch die ständige Beobachtung und Dokumentation des Schadensverlaufes der Steinarchitektur. Dazu wurden auch die rund 2800 vorhandenen Originalpläne des Mariendoms vollständig digitalisiert. Ziel aller Maßnahmen ist es, der Nachwelt möglichst viel Originalsubstanz zu bewahren. Unter der Leitung von Fraundorfer arbeiten permanent drei Steinmetze in der Linzer Dombauhütte, darunter auch ein syrischer Flüchtling, der derzeit eine Lehre absolviert. „Mit rund 4000 Arbeitsstunden pro Jahr dauert es 40 Jahre, bis man mit den Erhaltungs- und Sanierungsarbeiten einmal um den gesamten Dom herumgekommen ist. Wohlgemerkt, dabei reden wir nur von außen“, zeigt der Steinmetz aus St. Martin auf.

Moderne Technologien im Einsatz

Moderne technologische Verfahren unterstützen bei den Wartungs-, Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten die traditionellen Steinmetztechniken. Risse in den Steinbauteilen werden mit Spezialmörtel verschlossen, schädliche Krusten auf den Steinen mittels Niederdruckstrahlverfahren schonend entfernt. Die Füllung von Hohlräumen hinter der erhaltenen Steinoberfläche mit Mikromörteln kann diese für viele Jahre erhalten helfen, die Verklebung von Rissen macht Steine wieder statisch belastbar und verhindert das Eindringen von Wasser. Steinteile, die wegen ihres schlechten Zustandes nicht mehr erhalten werden können, werden von den Steinmetzen in bildhauerischer Arbeit bis zur Farbretuschierung rekonstruiert. Dadurch gewährleistet die Dombauhütte die Pflege und Erhaltung sowie Weiterentwicklung der traditionellen Steinmetztechniken.

 

 

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