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SARLEINSBACH. In den Wohneinrichtungen des Arcus Sozialnetzwerks hat sich das Leben komplett verändert. Viele der Bewohner können nicht verstehen, was ein Corona-Virus ist, spüren aber die Auswirkungen auf ihr Leben extrem. Und jeden Tag kommen neue Anweisungen, die in den Alltag eingebaut werden.

  1 / 3   Homeoffice statt Kurzarbeit, heißt es im Wohnverbund Falkenstein: Hier haben Bewohner und Mitarbeiter der Werkstätten einige Projekte realisiert – wie etwa ein Hochbeet für Kräuter. Foto: Arcus Sozialnetzwerk

Karl (Name geändert) darf seine Mutter nicht mehr besuchen. Die Kirchenbesuche am Sonntag sind nicht mehr möglich und auch seine Freunde in der Werkstatt darf er derzeit nicht sehen. „Alles was seinem Leben Sinn, Halt und Orientierung gab, darf von einem Tag auf den anderen nicht mehr sein. Karl versteht seine Welt nicht mehr, weint viel und spricht davon, nicht mehr leben zu wollen“, berichtet Andrea Hofer, Leiterin des Sozialforums Wohnen. Ein anderer Bewohner, nennen wir ihn Fritz, muss zwei Wochen in totaler Isolation verbringen, weil er in Kontakt mit einem Covid 19-Erkrankten gekommen ist. „Der einzige Kontakt zur Außenwelt sind die Betreuer, die ihn so oft es geht in seinem Zimmer besuchen.

Kreativ und flexibel sein

„Die Mitarbeiter tun alles, was möglich ist, um den Bewohnern Sicherheit und Stabilität zu vermitteln. Im Abstand von zwei Metern muss manches Gespräch etwas lauter geführt werden. Es gilt kreativ und flexibel zu sein um den vielfältigen Herausforderungen des Alltages annähernd gerecht zu werden“, sagt Hofer.

Auch Freude und Fröhlichkeit haben Platz

Alle Arcus-Kunden befinden sich rund um die Uhr in ihrer Wohneinrichtung, die Werkstätten sind geschlossen. Die freiwillige Selbst­isolation zum Schutz der Bewohner bedeutet ein Betretungsverbot für Angehörige und externe Personen. Die Mitarbeiter arbeiten im Schichtbetrieb und befolgen strenge Hygienemaßnahmen. Auch sie stoßen langsam an ihre Grenzen. „Es ist eng geworden“, bringt es Hofer auf den Punkt. Und trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen: „Es wird gelacht, die Freude und Fröhlichkeit haben ebenso ihren Platz und der Frühling hält auch in diesem Jahr im Garten seinen Einzug. Wir lernen geduldig zu sein und manchmal gelingt es die derzeitige Bedrohung zu vergessen.“

Homeoffice statt Kurzarbeit

Auch im Wohnverbund Falkenstein herrschte momentane Stille und Ungewissheit, als sich die Türen der Werkstätten geschlossen haben. Dann entstand aus der Not etwas Wunderbares. Denn hier wird Homeoffice der besonderen Art gelebt: „Mitarbeiter der Werkstätten kamen zu uns nach Falkenstein, um uns zu unterstützen“, erzählt Wohnverbund-Leiterin Nicole Sommer. „Aus vielen Ideen verwirklichten wir bereits viele Projekte“, nennt sie das Hochbeet für Kräuter, die besondere Schaukel für den Garten oder die Postkarten, die gemeinsam gebastelt und an die Angehörigen verschickt wurden. „So hat sich ein wunderbarer Alltag in einer entschleunigten Zeit zu einer großen Bereicherung herauskristallisiert.“

Vieles muss neu erfunden werden

Franz Stadlbauer, Geschäftsführer des Arcus Sozialnetzwerks, ist seinen Mitarbeitern sehr dankbar für ihren Einsatz und den sorgsamen Umgang. „Diese Situation gab es noch nie, es gibt keine Blaupause, kein fertiges Rezept dafür und vieles muss neu erfunden werden. Aber wir arbeiten intensiv und mit vollem Engagement an der Bewältigung der Corona-Krise.“ Die reduzierte Leistungserbringung durch die Schließung der Werkstätten bzw. nur mit dem sehr reduzierten Notbetrieb werde budgetär voll wirksam, „seitens des Landes OÖ gibt es keine Durchfinanzierung dieser Minderleistung. Wir werden, wie auch andere Betriebe oder Träger in Oberösterreich, Kurzarbeit für rund 150 Mitarbeiter anmelden müssen“, berichtet Stadlbauer. Im Bereich Mobile Dienste hofft er, dass noch eine Regelung mit den Auftraggebern erreicht werden kann, damit keine Kurzarbeit notwendig ist. Diese werden aktuell „als Personalreserve für mögliche neue Dienste gesehen werden, etwa beim Ersatz der 24 Stunden-Betreuung. Außerdem steigt der Bedarf für Mobile Dienste wieder.“

Betreuung zu Hause sicherstellen

Für die betreuten Kunden wird verstärkt telefonische Unterstützung angeboten, ebenso die Möglichkeit des eingeschränkten Betriebes in einzelnen Werkstätten, damit die Betreuung zu Hause insgesamt weiter gewährleistet werden kann. „Es darf durch diese Krisensituation das Betreuungssystem zu Hause nicht zusammenbrechen“, betont Franz Stadlbauer. Ihm ist wichtig, Sicherheit und Struktur zu schaffen, damit die Mitarbeiter eine möglichst gute Grundlage für ihre Arbeit haben. Täglich wird die Situation neu bewertet und entschieden. „Wohltuend für mich und für uns ist, wenn in dieser Zeit unsere Arbeit wahrgenommen wird und ich auch immer wieder Mails mit Dank und Aufmunterung erhalte.“


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