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Junges gemeinschaftliches Wohnen braucht jetzt Pionierarbeit im Bezirk Rohrbach

Petra Hanner, 08.02.2022 18:45

ST. JOHANN/BEZIRK ROHRBACH. Zersiedelung, hoher Flächenverbrauch und Vereinsamung stellen die Gemeinden am Land zunehmend vor große Herausforderungen. Gemeinschaftliche Wohnformen könnten zur Lösung dieser Probleme beitragen. Die Studentin Marina Schwarz (28) aus St. Johann hat sich in ihrer Bachelorarbeit genau diesem Thema gewidmet und zeigt das große Potenzial auf.

Marina Schwarz hat eine interessante Bachelorarbeit verfasst. (Foto: privat)
Marina Schwarz hat eine interessante Bachelorarbeit verfasst. (Foto: privat)

Marina Schwarz studiert Kulturwirtschaft an der Universität Passau und wollte mit ihrer Bachelorarbeit herausfinden, wie stark das Interesse von Menschen zwischen 20 und 34 Jahren für gemeinschaftliche Wohnformen im Bezirk Rohrbach ist. Das Ergebnis: Von den knapp 300 Befragten gab ein Drittel an, sich vorstellen zu können, gemeinschaftlich zu wohnen. Bevorzugt werden Projekte mit ähnlichen Altersgruppen oder Lebensphasen, die eine überschaubare Größe haben und bei denen Privat- und Gemeinschaftsbereiche klar voneinander getrennt sind. „Das beweist, dass in solchen Projekten großes Potenzial liegt. Gemeint ist damit auch nicht nur die klassische WG, wie man sie für Studenten kennt, sondern auch beispielsweise in sich abgeschlossene Wohnungen, zu denen aber auch gemeinschaftlich nutzbare Räume wie Werkstatt, Waschküche, Fitness- oder Wellnessbereich gehören.“

Verstärktes Bedürfnis nach Gemeinsamkeit

Diese Herangehensweise an künftiges Wohnen könnte zur Lösung verschiedenster Herausforderungen beitragen: Nicht nur der Bodenverbrauch würde sich dadurch reduzieren, auch sogenannte „Care-Aufgaben“ – also sich umeinander zu kümmern – könnten ein Stück weit abgedeckt werden. „Auffallend oft ist in meiner Befragung auch das Wort ‚Vereinsamung‘ gefallen. In der Pandemie dürfte das Bedürfnis nach Gesellschaft und Fürsorge sicherlich noch gestiegen sein. Und das alles könnten gemeinschaftliche Wohnformen leisten“, ist die Studentin überzeugt.

Sich drübertrauen

Einige Gemeinden im Bezirk beschäftigen sich bereits mit diesem Thema und interessieren sich auch für die Ergebnisse ihrer Befragung. Nun ist Pionierarbeit gefordert, weiß Schwarz: „Jetzt geht es nur noch darum, dass sich Gemeinden einfach drübertrauen. Junge Erwachsene erkennen nämlich das gesellschaftliche Potenzial solcher Projekte deutlich.“

Für die Umsetzung empfiehlt sie aber, sowohl für den Bauprozess als auch in der sozialen Findungsphase der gemeinschaftlichen Bewohner, eine externe Begleitung zu engagieren.

Auch ein regionaler Wissenspool, der nach Umsetzung erster Projekte geschaffen werden könnte, könnte weitere Gemeinden zu diesem Schritt ermutigen.

Private Vorreiter

Marina Schwarz selbst setzt ihre Bachelorarbeit aber auch praktisch um: Sie arbeitet gemeinsam mit ihrem Partner gerade an einem privaten gemeinschaftlichen Wohnprojekt in ihrem Heimatort St. Johann.


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