Als das Kino noch auf Wanderschaft ging
KOLLERSCHLAG/NEUSTIFT. Keine 40 Jahre ist es her, dass in Kollerschlag an jedem zweiten Sonntag im Monat das Wanderkino Scharrer gastierte. Der gebürtige Neustifter Helmut Scharrer war der letzte, der in Österreich mit seinem 80 Kilo schweren Filmprojektor auf Wanderschaft ging.

Bis in die 80er-Jahre machte Scharrer an jedem zweiten Sonntag im Monat am Abend mit seinen Apparaturen beim Kinowirt Leitner in Kollerschlag Halt. Sein Kinoprojektor war schon im Zweiten Weltkrieg im Einsatz und wog ohne Lautsprecher ganze 80 Kilogramm. Um dieses Gerät in den Kinosaal zu bringen - anfangs war es der Saal im ersten Stock des alten Wirtshauses, nach 1976 der Saal im neu erbauten Gasthaus Heinrich Leitner - war einige Muskelkraft nötig. Scharrer schwor auf den Projektor - eine Bauer-Frontmaschine, die ihn nie im Stich gelassen hat.
Nur etwa zehn Minuten brauchte er, um das Gerät aufzustellen und betriebsbereit zu machen. Zusätzlich waren einige Investitionen, wie eine moderne Jod-Quarz-Lampe und ein Cinemascope-Vorsatz, notwendig, um ein optimales Bild auf die Leinwand zu zaubern.
Kinobesucher von drent und herent
Der aus Neustift stammende Linzer verstand es, immer gute Kinofilme zu zeigen: ob nun Klassiker, Kriegsfilme oder Dramen. Seine Filme zogen nicht nur Besucher aus Kollerschlag, sondern auch aus der Umgebung und aus dem benachbarten Bayern an. Gastwirt Heinrich Leitner erinnert sich: „Herbert Scharrer war jahrelang mit seinem Wanderkino ein fixer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im Pfarrort Kollerschlag. Mehr als 100 Besucher kamen regelmäßig, wobei viele Wegscheider dabei waren.“
Als in den 70er und 80er-Jahren das Fernsehen in den Haushalten Einzug nahm, ging der Kinobesuch allgemein zurück. Für das Wanderkino Scharrer war es das Aus. Es rentierte sich einfach nicht mehr.


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