Ein Tag voller Erlebnisse für Groß und Klein am Schwemmkanal
AIGEN-SCHLÄGL. Mit einem großen Fest am Schwemmkanal und der Möglichkeit, selbst einmal Hand anzulegen wie anno dazumal, wird die heurige Schwemmsaison in Aigen-Schlägl eröffnet.

Für Gerhard Stockinger und sein Team aus rund zehn Schwemmern beginnt jetzt wieder die „trawigere“ Zeit des Jahres. Sie lassen mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit eine historische Zeit wieder auferstehen. Das wird am Samstag, 20. Mai, beim „Erlebnistag Schwemmkanal“ von 10 bis 16 Uhr bei der Schrollenbachschleuse nahe Oberhaag fühl- und erlebbar.
Die Schwemmer werden um 10.30, 13 und 15 Uhr jeweils Schauschwemmen veranstalten, bei denen auch die Besucher eingeladen sind, die Scheiter zu schwemmen. Ein Pferderücker zeigt, wie früher mit tierischer Hilfe die Holzausbringung funktioniert hat. Und am Nachmittag gibt es für Kinder ein Entenrennen auf dem Schwemmkanal.
Zu sehen gibt es ein von Schmiedemeister Rudolf Kehrer nachgebautes Gerät im Einsatz, welches früher zur Vermessung des Kanals verwendet wurde. Den ganzen Tag lang gibt es Würstel, Kuchen, Kaffee und Getränke und auch die Jagdhornbläser Ulrichsberg werden musizieren. Eine Parkmöglichkeit für die Besucher besteht beim Parkplatz in Oberhaag. Von dort aus ist das Fest über eine rund 2,5 Kilometer weite, gut beschilderte Wanderung zu erreichen.
Verein soll entstehen
„Wir wollen mit diesem Erlebnistag den Schwemmkanal wieder interessant machen. Egal wann man kommt, man kann dabei viel entdecken und erfahren“, lädt Gerhard Stockinger ein, dem auch die Vision eines Vereins vorschwebt, der sich um das historische Erbe annehmen soll. Interessenten dafür können sich beim Tourismusverband Böhmerwald unter 057 890-100 melden. Übrigens werden Schauschwemmen jederzeit auch gegen Voranmeldung durchgeführt (ebenfalls beim TV Böhmerwald).
Eine geniale Idee
Errichtet wurde der insgesamt 80 Kilometer lange Schwarzenbergische Schwemmkanal – ein System aus Kanälen, Schleusen und Wehren – in den Jahren 1789 bis 1823. Erdacht wurde er von Forstingenieur Josef Rosenauer für seinen Arbeitgeber Fürst Schwarzenberg, dessen Holz aus dem Böhmerwald in Form von Scheitern schwimmend von Hirschbergen in Tschechien über die Große Mühl bei Haslach bis zur Donau bei Neuhaus transportiert wurde. Dort wurden die Scheiter auf Schiffe geladen und nach Wien gebracht, wo Holz wegen des starken Wachstums der Stadt knapp und teuer war. Während der Schwemmsaison waren bis zu 1.200 Personen beschäftigt. Die Arbeit der Schwemmer bestand darin, für Nachschub zu sorgen und Scheiterstaus mit Hilfe langer Haken aufzulösen, um die Schwemme in Gang zu halten.
Ab 1893, also mehr als 100 Jahre später erst, beförderte man das Holz ab Haslach mit der Mühlkreisbahn nach Wien, da diese schneller und billiger war. Die letzten Schwemmen von Rosenhügel nach Haslach fanden 1930 statt.
Der Schwemmkanal hatte seinen Dienst getan.


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