Seltener Brauch kehrt wieder in den Bezirk Rohrbach zurück
BEZIRK ROHRBACH. In den ersten Tagen des neuen Jahres kann man im Bezirk einem selten gewordenen Brauchtum nachspüren: Sowohl in der Gemeinde Nebelberg als auch in Teilen von Oberkappel und Pfarrkirchen werden Raunachtsingen veranstaltet. Diese finden nur etwa alle zehn Jahre statt.

Bereits am 2. und 3. Jänner gehen die Aufführungen von FF Oberkappel, FF Amesedt und Feuerwehr-Musikkapelle Oberkappel über die Bühne. An die 40 Personen werden dabei mitwirken und die alten, überlieferten G'satzln und Gesänge darbieten.
Der Umzug der nach altem Brauch verkleideten Truppe beginnt am 2. Jänner um 14 Uhr im Gasthaus Pröll in Karlsbach und geht dann weiter zum Stadler in Dittmannsdorf, ins Gasthaus Ranetbauer nach Putzleinsdorf und zum Abschluss des Tages noch einmal zurück ins Gasthaus Pröll.
Am 3. Jänner beginnt der Aufführungsreigen um 13 Uhr im Feuerwehrhaus Amesedt, geht weiter nach Mitternschlag ins Gasthaus Fuchs und ins Gasthaus Scherrer in Pfarrkirchen, macht danach bei Josef Schwarzbauer in Grettenbach Station und endet im Gasthaus Süß in Oberkappel.
Michael Gierlinger, der bei den Aufführungen in Oberkappel und Pfarrkirchen mitwirkt, betont: „Das Raunachtsingen ist nicht irgendein verwaschener Faschingsbrauch, sondern gelebte, überlieferte Tradition.“ In der derzeitigen Form wird das Raunachtsingen in den beiden Gemeinden schon seit dem Jahr 1938 rund alle zehn Jahre veranstaltet.
Von Haus zu Haus
Etwas anders gestaltet sich das Raunachtsingen der FF Hinterschiffl, das alle zehn Jahre aufgeführt wird: Der gesamte Tross zieht dabei nämlich durch die Ortschaften und besucht die Bevölkerung in ihren Häusern. Die Hinterschiffler Feuerwehr begann in den 1930er Jahren damit, die Raunächte Anfang Jänner für dieses Spektakel zu nutzen.
Am Samstag, 4. Jänner, wird das „Verschreien“ in den Ortschaften durchgeführt und den Hausbesitzern angekündigt, dass am nächsten Tag der bunte und lebhafte Tross zu ihnen ins Haus kommt und die Hausfrau doch Krapfen backen soll.
Am 5. Jänner wird um 8 Uhr in Heinrichsberg begonnen, dann nach Hinterschiffl, Vorderschiffl, Leithen, Kriegwald gezogen, um schließlich im Gasthaus Annabründl abends die Abschlussaufführung zu geben.
Nähere Infos und wo die „raue Gesellschaft“ gerade unterwegs ist, erfährt man unter www.ff-hinterschiffl.com.
Böse Geister vertreiben
Das Raunachtsingen vereint Elemente von heidnischem Brauchtum, christlicher Tradition und sozialem Zusammenhalt. Ursprünglich handelte es sich um das sogenannte „heidnische Sternsingen“, das später mit einer Dienstbotenhochzeit verschmolz. Im Zentrum steht der Wunsch, das neue Jahr mit Glück, Gesundheit und Fruchtbarkeit zu segnen – sowohl für die Menschen als auch für das Vieh. Gleichzeitig sollten böse Geister vertrieben werden. Doch der Brauch hatte auch einen pragmatischen Hintergrund: Die „Sänger“ – oft ärmere Menschen – baten um Speisen und Getränke als Belohnung für ihre Darbietungen.


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