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AIGEN-SCHLÄGL/KLEINZELL. Isfried Pichler, Senior des Stiftes Schlägl und zuletzt Pfarrer von Kleinzell, ist am 3. Juni im 90. Lebensjahr verstorben.

Isfried Hermann Pichler, Senior des Stiftes Schlägl, ist im 90. Lebensjahr verstorben. (Foto: Stift Schlägl / Foto Mathe)

Geboren am 8. April 1937 als Landwirtssohn in der Ortschaft Scheiblberg in der damaligen Gemeinde Rohrbach, wurde Hermann Pichler am 28. August 1956 in das Noviziat des Stiftes Schlägl aufgenommen. Er erhielt den Ordensnamen Isfried. Zwei Jahre später legte er die Profess ab, im Juli 1962 wurde er in Innsbruck zum Priester geweiht.

Seelsorglich wirkte er zunächst in Wiltener Stiftspfarren und dann als Präfekt und Religionslehrer an der Landwirtschaftsschule Schlägl. Währenddessen setzte er seine Studien fort, bis er 1965 zum Doktor der Theologie promoviert wurde. 1966 betraute ihn Abt Florian Pröll mit seelsorglichen Aufgaben in Duisburg-Hamborn. 1969 kehrte er zurück und wurde Kooperator in Haslach. 1970 wurde er von Abt Florian Pröll zum Prior bestellt. Dieses Amt hatte er bis 1978 inne. 1990 wurde er von Abt Martin Felhofer zum Pfarrer von Kleinzell bestellt. Hier ließ er die pfarrlichen Gebäude renovieren.

Stiftsarchivar, Historiker und Musikliebhaber

Isfried Hermann Pichler bemühte sich stets, das Stiftsgebäude den Erfordernissen der Zeit entsprechend zu modernisieren. Den Zementgang ließ er zu einem Bildungsheim ausbauen, außerdem die Zellen der Mitbrüder erweitern, er schuf eine Handbibliothek und gestaltete als Kustos der Stiftssammlungen deren Räumlichkeiten zu einer stilvollen Galerie um. 1972 übernahm er die Verantwortung für die Stiftsbibliothek und wurde 1982 zusätzlich zum Stiftsarchivar bestellt. Er förderte die wissenschaftliche Erschließung der Bestände und gründete dazu die Reihe Schlägler Schriften. H. Isfried arbeitete auch selbst als Historiker, vor allem das Professbuch (1992) und das Urkundenbuch (2003) bleiben wichtige Referenzwerke zur Stiftsgeschichte.

Bedeutsam war ihm auch die Musik, vor allem die Kompositionen Beethovens, dessen Briefe er bis zuletzt studierte. 1975 gründete er die Zeitschrift Schlägl intern, die er 20 Jahre lang redigierte.

Unterstützung für Mitbrüder hinter dem Eisernen Vorhang

Der Verstorbene sah es zudem als seine Aufgabe, den Kontakt mit den vom kommunistischen Regime unterdrückten Mitbrüdern jenseits des Eisernen Vorhangs aufrecht zu halten. Viele Male fuhr er – von den Geheimdiensten argwöhnisch beäugt – in die Länder des Ostblocks, um die im Untergrund ausharrenden Mitbrüder und Mitschwestern des Ordens zu besuchen und zu unterstützen. Er betreute außerdem die Wallfahrtskirche St. Wolfgang.

2009 gab er die Verantwortung für die Bibliothek und das Archiv ab, 2016 beendete er seinen Dienst als Pfarrer. Im Kreise seiner Mitbrüder trug H. Isfried noch über Jahre hinweg das tägliche Totengedenken vor und machte mitunter die Biografien der Verstorbenen mit seinem reichen historischen Wissen lebendig. Zudem sorgt er bei den Mahlzeiten mit so manchem Bonmot für Frohsinn.

Für Isfried Hermann Pichler wird am Donnerstag, 11. Juni, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche Kleinzell gebetet.

Das Requiem wird am Montag, 15. Juni, um 14 Uhr in der Stiftskirche Schlägl gefeiert. Im Anschluss wird der Verstorben auf den Klosterfriedhof Maria Anger begleitet.


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