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Hilfe, die über Medizin hinausgeht: Gesundheitsprojekt "Social Prescribing" wird nun auch in St. Stefan-Afiesl umgesetzt

Petra Hanner, 26.06.2026 10:00

ST. STEFAN-AFIESL/HASLACH. Nicht hinter jedem Arztbesuch steckt eine Krankheit. Oft sind Einsamkeit, finanzielle Sorgen, Überforderung oder psychische Belastungen die eigentlichen Ursachen dafür, dass Menschen Hilfe suchen. Im Gesundheitszentrum Haslach setzt man deshalb seit einigen Jahren auf einen neuen Ansatz: Betroffene werden gezielt mit sozialen Angeboten in ihrer Umgebung vernetzt. Nun wird dieses Konzept auch in St. Stefan-Afiesl umgesetzt.

Hilda und Franz Madlmayr (r.) gehören zu den ersten Klienten in St. Stefan-Afiesl. Weiters v.l.: Thomas Peinbauer, Elisabeth Reiter, Bgm. Alfred Mayr, Amélie Wiegand (Foto: Hanner)

„Etwa jeder fünfte Besuch bei Allgemeinmedizinern hat keinen medizinischen Hintergrund“, erklären Sozialarbeiterin Amélie Wiegand und Elisabeth Reiter vom Gesundheitszentrum Haslach. Statt ausschließlich Symptome zu behandeln, soll den Ursachen auf den Grund gegangen werden. Das gelingt, indem Menschen passende Angebote vermittelt werden, vom gemeinsamen Mittagstisch über Gesprächsrunden für pflegende Angehörige bis hin zu Gedächtnistrainings oder Erinnerungscafés.

In engem Kontakt mit den Menschen

Das Projekt trägt den Namen Social Prescribing und wird vom Gesundheitszentrum Haslach als eines der ersten seiner Art in Österreich umgesetzt. Für die Jahre 2026 bis 2028 erhält die Initiative eine EU-Förderung. Im Zuge dieser Projektphase wird das Angebot nun in Zusammenarbeit mit der Gesunden Gemeinde auch nach St. Stefan-Afiesl ausgeweitet.

Ab sofort ist Sozialarbeiterin Amélie Wiegand jeden Donnerstag von 10 bis 15 Uhr im Erdgeschoss des Gemeindeamtes anzutreffen. In persönlichen Gesprächen möchte sie herausfinden, was Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation brauchen und welche Unterstützung vor Ort bereits vorhanden ist oder unkompliziert geschaffen werden kann.

Gemeinsam statt einsam

Den Auftakt bilden die sogenannten GEHspräche. Dabei treffen sich Menschen jeden Alters zu gemeinsamen Spaziergängen, bei denen das Gespräch ganz nebenbei entstehen kann. „Manche Menschen würden bestehende Angebote zwar gerne nutzen, aber die Hürde ist für sie zu groß. Oft braucht es jemanden, der sie begleitet und den ersten Schritt mit ihnen macht“, sagt Wiegand.

Dass sie dabei nicht nur auf Besucher im Gemeindeamt wartet, versteht sich von selbst. „Ich bin bei Veranstaltungen im Ort unterwegs, komme mit Menschen ins Gespräch und werde auch von der Gemeinde oder Angehörigen auf Personen aufmerksam gemacht, die Unterstützung brauchen könnten“, erzählt die Sozialarbeiterin.

Probleme an der Wurzel packen

Für Allgemeinmediziner Thomas Peinbauer ist Social Prescribing ein neuer Eckpfeiler in der medizinischen Versorgung der Region: „Wenn wir feststellen, dass jemand unter einer Depression leidet, können wir natürlich Medikamente verschreiben. Das eigentliche Problem wird dadurch aber oft nicht gelöst. Genau hier kann Social Prescribing ansetzen und bildet eine ganz wichtige Ergänzung zu unserer ärztlichen Expertise.“

Auch Bürgermeister Alfred Mayr sieht großes Potenzial in dem Projekt: „Es braucht Menschen, die sich kümmern. Genau das leisten die Expertinnen und Experten des Social Prescribing. Unser Ziel ist ein Dorf, das wie eine große Familie aufeinander schaut und erkennt, wenn jemand Unterstützung braucht.“

Schon jetzt ist klar, dass das Projekt möglichst über die EU-Förderperiode hinaus bestehen soll. Wie eine langfristige Fortführung aussehen kann, wird in den kommenden Jahren im Rahmen des Projekts erarbeitet.

Information und Anmeldung: Gesundheitszentrum Haslach, Tel. 07289 21044 (Amélie Wiegand).


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