Eine herrenlose Nazi-Limousine in Albenödt und ihre Geschichte
KOLLERSCHLAG. Bei der Übergabe alter Fotos für die historische Online-Datenbank erfuhr Ignaz Märzinger, Topothekar von Kollerschlag, von einer rätselhaften Sache, die ihm keine Ruhe ließ. Er begab sich auf Spurensuche.

Es war Ende April 1945, also in den letzten Tagen des Deutschen Reiches, als beim abgelegenen Bauernhof Lorenz, dem Feldwieser in Albenödt in der Gemeinde Kollerschlag, eine schwarze Mercedes-Limousine auftauchte und ein Mann ausstieg, den Wagen zurückließ und zu Fuß verschwand. War es ein Nazi-Funktionär oder hoher Offizier auf der Flucht vor den anrückenden Amis oder vor den eigenen Leuten einer SS-Einheit, die im Raum Rohrbach noch operierte?
Ignaz Märzinger grub tiefer in dieser Geschichte und kam mit Familienangehörigen der Feldwieser, die damals noch Kleinkinder waren, ins Gespräch. „Eine Tochter des Bauern erinnert sich an einen Mercedes im Obstgarten. Und dass sie in der noch intakten Karosserie Anfang der 60er-Jahre oft Englischvokabeln für die Hauptschule gelernt hat. Die herrenlose Mercedes-Limousine war somit ein Teil des Kinderspielplatzes“, berichtet der Kollerschlager Topothekar. Im Laufe der Zeit wurden der Motor und die Achsen ausgebaut und fanden eine andere Verwendung, wie die Hinterachse für einen Einachs-Traktoranhänger. Schließlich landeten die Überreste im Wald oberhalb des Bauernhofes. Heute sind noch das Armaturenbrett und der Mercedesstern erhalten.
Keine Spur zum Flüchtigen
Dass es sich bei der Person auf der Flucht um einen regionalen Nazi-Funktionär handelte, ist nicht nachvollziehbar, ergänzt Ignaz Märzinger: Josef Trausner, der Kreisleiter in Rohrbach, wurde von den Amerikanern gefangen genommen und später zu einer Haftstrafe verurteilt. Gauleiter (Landeshauptmann von Oberdonau) August Eigruber, setzte sich nach Kirchdorf an der Krems ab und konnte im August 1945 vom US-Geheimdienst verhaftet werden. Er wurde 1947 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg am Lech zum Tode verurteilt. Es bleibt daher offen, wer der Flüchtige, der in Albenödt seine Mercedes-Limousine stehen ließ, war. „Eine Denkvariante wäre, dass es ein Deutscher war, der der Gefangennahme durch die Amerikaner entkommen wollte oder konnte“, spekuliert Märzinger. Warum das noble Fahrzeug nicht von den Amis konfisziert worden war, erklärt er sich damit, dass in der Abgeschiedenheit der „Feldwiese“ keine Amerikaner waren.








Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden