Dialog des Stiftes Schlägl: über die Lehren des Bauernkriegs und den Mut, Prozesse des Guten in Gang zu setzen
AIGEN-SCHLÄGL. 400 Jahre nach dem Bauernkrieg in Oberösterreich rückte dieser beim Dialog des Stiftes Schlägl erneut in den Fokus. Neben der Erinnerung ging es vor allem um die Lehren für die Gegenwart.

„Es war der Aufstand des gemeinen Mannes“, stellte Stiftsarchivar Prior Petrus Bayer gleich zu Beginn in seinem Impulsvortrag fest. Die vorwiegend protestantische Bevölkerung reagierte auf die hohe Steuerbelastung, die massive kriegsbedingte Inflation und vor allem auf die politischen Veränderungen, die eine Katholisierung vorantrieben. „Es war keine Revolution – es ging einfach darum, altes Recht wiederherzustellen und die zunehmende Unterdrückung zu beenden. Die Menschen hatten keine Religionsfreiheit, keine Konfessionsfreiheit, nur die Freiheit auszuwandern“, sagte Bayer. Sie mussten also wählen zwischen Glauben und Heimat.
Das Stift Schlägl war ein zentraler Schauplatz des Bauernaufstands. Es wurde von den Rebellen besetzt, um die Grenze zu Böhmen abzusichern. Nach 14 Wochen kam es zu einem Waffenstillstand, der allerdings scheiterte. Bauernführer David Spatt ließ daraufhin im Oktober 1626 das Stift sowie einige umliegende Dörfer und Höfe niederbrennen.
Dialog statt Spaltung
Dass Gewalt als Mittel des Konflikts christlich zu rechtfertigen war, bezweifelt Superintendent Gerold Lehner, allerdings seien die Menschen zunehmend in die Enge getrieben worden. „Der Bauernkrieg war ein Versagen von beiden christlichen Parteien. Sie haben das, was ihnen heilig war, mit Herzblut verteidigt. Die Gleichgültigkeit der Gegenwart sehe ich da nicht als Verbesserung.“ Für Bischof Manfred Scheuer ist der Bauernkrieg ein Beispiel dafür, wie soziale und politische Machtkämpfe religiös aufgeladen wurden. „Aufgabe der Theologie und der Kirche ist es, wachsam zu sein gegen die Vereinnahmung des Glaubens.“ Er verwies auf die Worte von Papst Leo, wonach es nicht darauf ankomme, Machtpositionen zu besetzen, sondern Prozesse des Guten in Gang zu setzen.
Wie das gelingen kann? Hier nannten die Teilnehmer des Dialogs mögliche Ansätze: Maßhalten, weil viele Menschen ohnehin im Überfluss leben; Erinnern an das Gute, weil Vergessen „in ein Land der Finsternis führt“; mehr Dankbarkeit und Wertschätzung; und Toleranz und Dialog, um andere Meinungen kennenzulernen.








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