Gastbeitrag von Philipp Grill: Wie es um die Nachhaltigkeit von KI-Modellen steht
ROHRBACH-BERG. Der regionale KI-Experte Philipp Grill lässt Tips-Leser mit Beiträgen an seinem Wissen teilhaben und verrät, wie man Künstliche Intelligenz besser verstehen und ihre Chancen und Risiken abwägen kann.

Hattest du schon mal ein schlechtes Gewissen, weil du KI etwas gefragt hast? Falls ja: Die Frage selbst verbraucht oft weniger Energie als der Computer, auf dem du sie tippst. Alles harmlos? Nein! Drei Dinge dazu:
Erstens: Nicht die einzelne Anfrage zählt, sondern die Menge. KI-Agenten verbrauchen schnell das Hundertfache eines Chats. Wenn du Agenten den ganzen Tag nutzt, kommst du auf bis zu drei Kilowattstunden täglich.
Zweitens: Wo gerechnet wird, ist entscheidend. Weil der Strom in Stockholm sauberer ist, verursacht dasselbe Modell dort bis zu zwanzigmal weniger CO2 als in den USA. Drei Kilowattstunden am Tag in den USA wären 370 kg CO2 pro Jahr. Das sind 1.330 Kilometer im Flugzeug, 1.500 Kilometer mit dem Auto bzw. 25.000 Kilometer im Zug. In Stockholm hingegen wären es nur 20 kg CO2 pro Jahr.
Drittens: Je kleiner das KI-Modell, desto nachhaltiger und schneller ist es. Was die Rechnung senkt, senkt in der Regel auch den Fußabdruck.
Transparenz und kluge Regeln
Das große Bild bleibt ernst: Rechenzentren verbrauchen weltweit rasant mehr Strom und Wasser. Dazu kommen Abwärme, Bau und das Training der Modelle. Zudem führen Effizienzgewinne zu breiteren Nutzungsmöglichkeiten. Hier braucht es Transparenz und kluge Regeln und kein Durchwinken aufgrund von Gesetzeslücken. Nachhaltigkeit ist aber mehr als nur Umweltschutz. Legt man die Gemeinwohl-Bilanz mit ihren zwanzig Feldern an, berührt alles bisher Geschriebene gerade zwei davon. Auch zählt, woher die Trainingsdaten stammen oder unter welchen Bedingungen Menschen KI-Antworten bewerten. Dahinter steht die Frage: Dient die Technik dem Menschen, oder richten wir uns nach ihr? KI alles unterzuordnen ist genauso der falsche Zugang, wie sich ihr komplett zu verschließen. Am Ende darf es nicht das Ziel sein, Menschen mit KI zu ersetzen, sondern sie mit ihr zu stärken. Der größte Hebel liegt nicht darin, Bestehendes billiger zu machen, sondern Menschen zu befähigen, Neues zu tun. Dinge, die so bisher nicht möglich waren.
von Gastautor Philipp Grill








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