Warnsignal: Corona-Krise lässt Ängste zunehmen

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Petra Hanner Petra Hanner, Tips Redaktion, 10.11.2020 06:00 Uhr

SARLEINSBACH/ROHRBACH-BERG. Ob der aktuellen Corona-Zahlen kennt beinahe jeder jemanden, der in Quarantäne ist oder positiv getestet wurde. Angst wird deshalb wieder viel mehr zum Thema, merkt man in der Beratungsstelle Mikado des Arcus Sozialnetzwerks. Kein Wunder: Schließlich ist Angst ein Warnsignal bei großer Belastung.

„Angst ist ein biologisch festgelegtes Alarmsignal unseres Körpers, ähnlich wie Fieber oder Schmerz. Sie schützt uns und sichert unser Überleben, indem sie uns vor Gefahren warnt“, beschreibt Barbara Falkinger, Klinische und Gesundheitspsychologin bei Mikado in Sarleinsbach und Gramastetten. Problematisch wird Angst, wenn sie nicht mehr im richtigen Verhältnis zur objektiven Gefahr steht: „Auch wenn die Bedrohung nur unserer Phantasie entspringt, unser Körper reagiert so, als ob wir tatsächlich vor einer Katastrophe stünden.“

Angst erfasst den gesamten Organismus und zeigt sich in körperlichen Reaktionen und Empfindungen, in Gedanken, Gefühlen und dem Verhalten. „Wenn Ängste unsere Lebensqualität einschränken, wenn die Angst über unser Leben bestimmt, sprechen wir von krankheitswertigen Ängsten“, sagt Falkinger. Neben Depressionen gehören Ängste zu den häufigsten psychischen Problemen unserer Zeit.

Sich der Angst stellen

Weil Angst ein sehr unangenehmes Gefühl sein kann, versuchen viele Menschen instinktiv, es zu vermeiden. Sie meiden Situationen, die ihnen Angst machen, beruhigen sich mit Alkohol und Tabletten, lenken sich ab oder gehen nur noch in Begleitung aus dem Haus. Allerdings bringt das nur kurzfristig Erleichterung. Barbara Falkinger rät daher: „Versuchen Sie Ihre Ängste wahrzunehmen und zu verstehen. Gehen Sie Ihrer Angst auf den Grund. Finden Sie heraus, mit welchen Gedanken Sie sich selbst in Angst versetzen und überprüfen Sie diese auf ihre Richtigkeit. Achten Sie auf ausreichend Ausgleich, sorgen Sie für Entspannung und halten Sie Kontakt zu Menschen, die Ihnen guttun – zur Zeit eben mit Abstand. Stellen Sie sich Ihrer Angst und erleben Sie, dass Sie diese aushalten können.“ Sie ergänzt aber: „Wenn Ängste so groß und übermächtig werden, dass man sich ihnen alleine nicht gewachsen fühlt, sollte man sich (fach)ärztlichen Rat und psychologische Unterstützung holen.“

Sozialer Rückzug bei Kindern

Unkomplizierte und corona-taugliche Hilfe bietet die Onlineberatung von Mikado. Die Experten sind aber auch persönlich für ihre Klienten da, denn manche brauchen das Gespräch, weiß Beratungsstellen-Leiterin Ingrid Föderl-Höbenreich. „Einsamkeit wird ebenso wieder zum großen Thema und bei Kindern ist ein sozialer Rückzug spürbar. Viele leiden unter sozialer Angst, weil sie in den letzten Monaten weniger Kontakt mit anderen hatten“, beschreibt die Klinische und Gesundheitspsychologin.

Steigender Alkoholkonsum

Bei der Alkoholberatungsstelle von pro mente OÖ in Rohrbach-Berg merkt man, dass mehr Menschen in Zeiten der aktuellen Krise zum Alkohol greifen. „Der riskante Alkoholkonsum im privaten Bereich ist eher mehr geworden, die Anfragen sind gestiegen“, sagt Psychotherapeut Walter Leeb. Von Mai bis Oktober gab es um fast 20 Prozent mehr direkte Kontaktzeit. „Telefonberatung und Videokonferenzen werden sehr unterschiedlich angenommen – die einen warten lieber auf einen persönlichen Gesprächstermin, andere nehmen das Angebot der Not gehorchend an“, sagt Leeb.

Für manche sei diese Möglichkeit aber auch ein großer Vorteil, ohne viel Aufwand und manchmal sehr kurzfristig und unkompliziert Hilfe zu bekommen. „Das Abgeschnittensein durch die erneuten Corona-Maßnahmen führt zu Verunsicherung. Wir möchten unsere Klienten bestmöglich unterstützen und bieten verschiedene Formen dafür an“, lädt er ein, diese auch zu nutzen.

Mikado-Beratungsstellen gibt es in Sarleinsbach und Gramastetten:

www.arcus-sozial.at

Die Point Alkohol-Beratungsstelle ist in Rohrbach-Berg zu finden: www.sucht-promenteooe.at

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