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BEZIRK. Die niedrigste Arbeitslosenquote Österreichs, eine hohe Lebensqualität – es geht uns gut im Bezirk Rohrbach, aber „wir sterben aus“, macht Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Andreas Höllinger deutlich. Denn wer pendelt, richtet vielleicht auch seinen Lebensmittelpunkt neu aus. Die Lösung kann deshalb für ihn nur lauten: Leben und Arbeiten in der Region möglich machen.

Tagtäglich staut es auf der Rohrbacher Bundesstraße, zum Leidwesen der vielen Pendler. Ziel muss daher sein, die Arbeit zu den Menschen zu bringen. Foto: Weihbold

Das Rechenzentrum GRZ der Raiffeisenbank zeigt vor, wie dieses dezentrale Arbeiten ausschauen kann: Seit Juni können Beschäftigte die zehn top-ausgestatteten Büroarbeitsplätze am St. Martiner Marktplatz nutzen. „Wir haben rund 50 Mitarbeiter aus den Bezirken Rohrbach und Urfahr-Umgebung in unserem Einzugsgebiet, die zwei-, dreimal pro Woche die Außenstelle buchen können“, berichtet Johannes Wild, der seine Arbeit als Bankkundenbetreuer zum Teil von St. Martin aus erledigt und sich somit das häufige Pendeln nach Linz spart. „Das bedeutet viel gewonnene Zeit“, ist er seinem Arbeitgeber dankbar für diese Möglichkeit.

Arbeit kommt zum Arbeitnehmer

Für Andreas Höllinger, Bezirks­obmann der Wirtschaftskammer, sind solche Außenstellen von Firmen und Co-Working-Spaces eine zukunftsfähige Lösung für den ländlichen Raum: „Nicht die guten, gesuchten Arbeitnehmer aus dem Mühlviertel fahren in den Zentralraum, sondern die Firmen sollen zu uns kommen. Ein Drittel unserer 29.000 Erwerbstätigen pendelt aus dem Bezirk aus – und damit auch deren Kaufkraft. Und wer im Bezirk keinen Job findet, richtet womöglich auch seinen Lebensmittelpunkt woanders hin“, warnt der St. Martiner Unternehmer, der selbst das Granitlab als ersten Co-Working-Space im Bezirk initiiert hat. Rohrbach dürfe nicht zum verbreiterten Speckgürtel von Linz werden, in dem sich die Stärke nur aufs Wohnen bezieht, ergänzt Höllinger.

Solche Erfolgsbeispiele wie GRZ in St. Martin, TMS Turnkey in Sarleinsbach, TGW in Rohrbach-Berg, das Büro4tel in St. Veit und auch weitere Vorhaben in diese Richtung, die es in einigen Gemeinden gibt, machen ihn zuversichtlich. „Gleichzeitig müssen wir Platz für zusätzliche Betriebe schaffen und dabei bezirksweit denken. Der Wirtschaftspark ist hier eine super Sache, von der der ganze Bezirk profitiert“, sagt der WK-Obmann. „Wenn wir Leben und Arbeiten im Bezirk nicht schaffen, werden die Prognosen wahr und Rohrbach verliert Einwohner.“

Crash-Kurs in Digitalisierung

Klar ist für Andreas Höllinger in diesem Zusammenhang auch, dass „wir vom Thema Breitband nicht mehr weggehen dürfen. Das ist ein wesentlicher Standortfaktor.“ Die Corona-Krise war ein „Crash-Kurs in Sachen Digitalisierung“, der auch gezeigt hat, dass viel Arbeit online erledigt werden kann. „Home Office ist keine Dauerlösung, dezentrale Büros aber sehr wohl.“


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