Von Melkrobotern, Käfern und Engerlingen und gebackenen Mäusen
KOLLERSCHLAG/BEZIRK. 19 Jahre lang hat Georg Ecker als Bezirksbauernkammer-Obmann die Land- und Forstwirtschaft im Bezirk geprägt. Eine Bilanz zum Abschied.

„Betriebe müssen sich weiter entwickeln, damit sie ausreichend Einkommen erwirtschaften können“, spricht der Kollerschlager die Tatsache an, dass die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 1995 bis 2020 um rund 45 Prozent (um 1.563 Betriebe) zurückgegangen ist. Die durchschnittlich bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb hat sich jedoch fast verdoppelt (von 12 auf 21 Hektar). Auch die Milchliefermenge steigt seit Jahren kontinuierlich an – auf mittlerweile 181.000 Kilo pro Betrieb und Jahr.
Mehr Rinder als Leute
Kein Wunder: Die Milchviehhaltung hat sich im Bezirk spezialisiert und konzentriert und es leben hier mit 61.300 Stück mehr Rinder als Menschen, worauf Georg Ecker auch des Öfteren hingewiesen hat. Er ist überzeugt, dass gerade die vielen jungen Betriebsführer Chancen in der Landwirtschaft sehen und positiv gestimmt sind: „Sie investieren in ihre Betriebe und unterstützen damit auch die heimische Wirtschaft.“ Bestes Beispiel: Im Bezirk Rohrbach sind 110 Melkroboter im Einsatz – die meisten im Land. „Der technische Fortschritt ist so schnell wie nirgendwo in Oberösterreich“, weiß der scheidende Bezirksbauernkammer-Obmann.
Schule für die Region
Das mag auch an der fundierten Aus- und Weiterbildung liegen, die an der Bioschule Schlägl möglich ist. „Es ist eine Schule für die Region – für Bio-Betriebe ebenso, wie für die konventionell geführten“, betont Georg Ecker, dem Zusammenarbeit immer ein Anliegen war. „Sonst können wir die Zukunftsthemen nicht lösen.“
Von diesen gibt es ja genug und auch in der Vergangenheit war die Bauernschaft gefordert. Ecker denkt etwa an die BSE-Krise, wo man sich gefragt hat, wie man das Rindfleisch weiter an die Kunden bringen soll; an die Engerling-Problematik, die den Bezirk seit 2009 beschäftigt; die Borkenkäfer-Plage oder auch die zunehmende Dürre. Gerade bei letzterem Punkt ist ihm ein Ereignis prägend in Erinnerung geblieben: „Wir haben eine Dürreentschädigung auf den Weg gebracht und konnten dank zusätzlicher Landesgelder die Anzahl der Betriebe, die davon profitieren, um 40 Prozent erhöhen – aber die Verärgerung war größer als vorher. Das hat mich schon sehr betroffen gemacht“, erzählt der Landtagsabgeordnete und Bürgermeister.
Feste feiern, wie sie fallen
Das Positive überwiegt aber, fügt er gleich hinzu, denn der Bezirk Rohrbach habe oft gezeigt, dass man hier zusammenhält. 2009 etwa beim großen Erntedankfest, bei den vielen Bezirkshoffesten oder erst vor zwei Jahren, als das 100-jährige Jubiläum des Bauernbundes in Aigen-Schlägl gefeiert wurde. Solche gesellschaftlichen Ereignisse werden weitergeführt, sobald es die Situation zulässt. Georg Ecker sieht sich ja auch ein wenig als Vater des Krapfenkirtags, wie er augenzwinkernd erzählt: Als er sich nämlich nach dem Umbau der Bezirksbauernkammer zur Eröffnungsfeier frisch gebackene Krapfen gewünscht hätte, wurde ihm dies verwehrt. Stattdessen gab es gebackene Mäuse. Mit Krapfen trumpften die Bäuerinnen dafür umso mehr später bei den Krapfenkirtagen auf.


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