Rohrbacher Sonnenfeld: EWS Consulting will mit Fakten überzeugen
ROHRBACH-BERG. Wie bereits berichtet, will die Stadtgemeinde Rohrbach-Berg in Scheiblberg ein Photovoltaik-Kraftwerk errichten. Kritiker sehen in dem Projekt der Firma EWS Consulting einen unnötigen Verbrauch fruchtbaren Bodens, da ihrer Meinung nach erst andere Möglichkeiten zur Energiegewinnung ausgelotet werden sollten. EWS-Geschäftsführer Joachim Payr möchte Vorurteilen mit Fakten begegnen - manches sei in der bisherigen Berichterstattung falsch dargestellt worden.

Das Innviertler Unternehmen EWS Consulting ist in der Branche kein kleiner Fisch: Immerhin decken von ihm umgesetzte Projekte rund 6,5 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Österreich ab. „Leider gab es rund um die geplante Anlage in Rohrbach-Berg ein paar Missverständnisse. Und zwar handelt es sich dabei nicht um eine klassische PV-Freiflächenanlage, wie man sie in Österreich öfter sieht, sondern um eine ganz neue Art von PV-Feld, welches eine wesentlich effizientere Nutzung des landwirtschaftlichen Grundes ermöglicht, als die klassische Variante.“ Die erste sogenannte Agri-PV-Anlage Österreichs baut EWS Consulting gerade in Bruck an der Leitha.
Wenig Flächenverlust
Die Agri PV-Anlage unterscheidet sich von der Freiflächenanlage im wesentlichsten durch den extrem geringen Flächenverlust bei gleichzeitig guter Bewirtschaftungsmöglichkeit: „Insgesamt können 80 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt werden. 18 Prozent werden mit Blühstreifen versehen, welche wiederum der Artenvielfalt gut tun und nur zwei Prozent der Fläche gehen tatsächlich verloren. Die Kollektorflächen werfen zwar natürlich Schatten, dieser lässt aber wiederum die Böden nicht so stark austrocknen. In Zeiten des Klimawandels ist das wichtig“, gibt Payr zu bedenken. Das Mehr an Feuchtigkeit im Boden könne das fehlende Licht wieder ausgleichen, vorausgesetzt, man baut auch entsprechend verträgliche Saaten an.
Strompreisdeckel für Rohrbacher
Dass das Sonnenfeld einen Eingriff in die Natur darstellt, steht aber auch für den Rohrbach-Berger Stadtchef außer Frage: „Ich selber schaue von meinem Garten direkt auf das Sonnenfeld. Aber ob schön oder nicht, das sollte hier eine untergeordnete Rolle spielen, denn von allein werden exorbitant hohe Strompreise und die Klimakrise nicht verschwinden. Wir Gemeinden müssen aktiv was dagegen tun oder mit den Konsequenzen leben“, ist Andreas Lindorfer überzeugt. „Für mich als Bürgermeister ist es wichtig, dass auch unsere Haushalte vom Ausbau der Solarstromproduktion profitieren. Dazu gründen wir mit Unterstützung der EWS eine Energiegemeinschaft bei der Bürger unserer Gemeinde Mitglied werden können. Diese Mitgliedschaft berechtigt zum Bezug von Sonnenstrom zu einem gedeckelten Preis, der momentan mit 0,13 €/kWh veranschlagt ist. Also deutlich niedriger ist als Strom aus fossiler Energieerzeugung, der aktuell bei 0,50 €/kWh liegt.“, so Lindorfer.
Dass sich einige Anrainer mit dem geplanten Projekt nicht wohl- oder teils übergangen fühlen (siehe Leserbrief), kann Lindorfer nicht nachvollziehen: „Jeder Anrainer konnte im Zuge des üblichen Widmungsverfahrens eine Stellungnahme abgeben und wir haben auch schon in der Vorplanung auf manche verständliche Einwände reagiert.“ Payr ergänzt: „Jetzt sind außerdem erst einmal die Behörden am Zug und wenn die entsprechende Umwidmung durch ist, fangen wir erst mit der Detailplanung an. Dann werden wir damit auch an die Anrainer herantreten und mit einbeziehen. Es wird dann auch einen Informationsnachmittag geben“, verspricht er.
Vorreiterrolle in Österreich
In Rohrbach-Berg sollen daneben auch die Dachflächen verschiedenster öffentlicher Gebäude mit Photovoltaikanlagen befüllt werden. Gemeinsam mit dem Nahwärmeheizwerk, das ab kommenden Frühling gebaut wird, soll in der Stadtgemeinde die Energiewende weg vom Gas und von fossilen Brennstoffen gelingen. Joachim Payr ist begeistert: „Ich kenne noch keine andere Gemeinde in ganz Österreich, die in Sachen erneuerbarer Energie schon so weit denkt und ist, wie Rohrbach-Berg. Bürgermeister Lindorfer bekräftigt: „Wir wollen auch hier Vorreiter sein, so wie damals bei der Fusionierung vor exakt acht Jahren. Auch wenn - wie bei jedem Projekt - nicht alle einer Meinung sind, muss man auch hier das große Ganze sehen und sich auch was trauen.“


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25.10.2022 20:04
Die Gegner dieses Projektes haben naive Vorstellungen.
Natürlich brauchen wir auch Agro-PV Anlagen, wie diese hier in Rohrbach/Berg geplant sind. Allerdings nur, wenn man auch an die künftigen Generationen denkt und ihnen ein halbwegs normales Leben vergönnt. Mit naiven Vorstellungen, dass es morgen eine Wunderenergiequelle geben wird, sollte man sich eher verabschieden und den Kopf in den Sand zu stecken, ist wohl auch keine Lösung. Nun noch die eine oder andere Antwort von zuvor eingebrachten Kommentaren: 2% von 15 ha sind nicht 300 m2. Das kann man in der Schule lernen: Es wären also 3000m2. Damit ist die Fläche, welche die Pfähle der Anlage samt Elektroinstallationen auf befestigten Boden und Zufahrten ausmachen gemeint. Bei diesem System sind die Panele auch nicht fix nach Nordwest ausgerichtet, denn sie schwenken mit dem Sonnenstand den ganzen Tag über mit . Genauso sollte man sich mal informieren, wie denn die Lage ist, bei den Dächern. Wir benötigen sowohl die Dach-PV Varianten, als auch die Agro PV Anlagen. Wer damit nicht umgehen kann, sollte vielleicht in Betracht ziehen, bei sich selbst mit Energieverbrauchverzicht zu beginnen und autark zu leben. ( Kann ja nicht so schlecht sein-denn in der guten alten (Ur) zeit haben unsere Vorfahren ja auch in Höhlen gewohnt und sich am offenen Feuer ihre Herzen erwärmt. ;-)
22.10.2022 17:35
Sonnenfeld - Kommentar und Alternativ-Vorschlag
Ob Sinn oder Unsinn kann momentan wohl keiner Beurteilen. Dass man jetzt nicht mehr zurück kann, ist auch klar. Was für mich nicht ehrlich scheint, ist dass Herr Payr von 2% Verlust der Fläche spricht. Das macht den Anschein, als ob von den 15 Hektar nur 300m2 verbaut und nicht mehr nutzbar wären. Dem widerspricht die Bauernschaft vielleicht zu Recht. Ich glaube was die Bevölkerung wissen will, ist vor allem, warum auch fruchtbare und flache erosionsarme Flächen verbaut werden. Die Südlagen am Berg würden sich doch viel besser anbieten. Das wäre auch in der Nähe zum Umspannwerk - warum hat da noch keiner dran gedacht? Ich kann mir nicht vorstellen, dass von den umweltbewußten Bewohners am Berg jemand dagegen sein könnte.
22.10.2022 16:17
De facto Enteignung für Anrainer
Für die Anrainer bedeutet diese PV-Anlage, wenn sie nur annhähernd so hässlich ausfallen sollte, wie es die Visualisierung zeigt, eine de facto Enteignung. Wer es sich leisten kann, wird von dort weg ziehen. Das Problem ist allerdings, dass das Eigentum für potentielle Käufer dann auch wenig attraktiv sein wird, es sich also um eine de facto Enteignung handelt. Der Gemeinde scheint das aber egal zu sein. Wenn es scheinbar so einfach funktioniert die Energiekrise zu lösen, dann braucht man sich ja nicht um die Eigeninteressen von ein paar Anrainern kümmern, deren Heimat zerstört und deren Besitz wertlos wird. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Für die Gemeinde entstehen ja keine Entschädigungskosten, da es ja keine echte sondern nur eine de facto Enteignung ist, bei der nichts abgegolten und keine Rücksicht genommen werden muss.
21.10.2022 13:55
Rohrbacher Sonnenfeld
Sieht ja ganz "schön" aus diese Visualisierung - hat nur den Hacken das Paneele nach NW ausgerichtet sind ???(laut meiner Ortskenntnis) ergibt glaube ich, für mich als Laie, einen nicht ganz optimalen Wirkungsgrad. Wäre interessant eine realitätsnahere Visualisierung zu sehen - dann würde man viel schöner die vollflächige Gerüstestruktur, die dann aus Rohrbacher Sicht zu sehen wäre, erkennen. Spielt ja eh alles keine Rolle mehr, da aus dieser Richtung je eh die neue wunderbare und alternativlose 110KV-Leitung auch daherkommt. So sieht die Bekämpfung der Klimakrise also aus - na Danke. Vorschlag meinerseits - ein Windrad bzw. Park da oben auf der Hügelspitze fehlt noch! Gratuliere den Rohrbachern. Gruß EA