Schlechter Ertrag, beste Qualität: Hopfenbauern müssen mit dem Klimawandel umgehen lernen
NEUFELDEN. Die Mühlviertler Hopfenbauern haben es nicht leicht. Schon das dritte Jahr in Folge müssen sie Ertragseinbußen hinnehmen – heuer fällt die Erntemenge gar um 30 Prozent niedriger als im Durchschnitt aus. Für Landwirte und Genossenschaft, aber auch die Brauereien heißt es, sich auf den Klimawandel einzustellen.

„Das Klima wird sich verändern – da müssen wir uns mitverändern“, brachte es Manuel Starlinger, Geschäftsführer der Mühlviertler Hopfenbaugenossenschaft, bei der diesjährigen Bonitierung auf den Punkt. Konkret heißt das: Es werden Hopfenfelder bewässert und auch neue Hopfensorten getestet. „Diese brachten heuer schon ein Drittel mehr Ertrag und bessere Alpha-Werte, als andere Sorten“, berichtet Starlinger. Jetzt seien aber die Brauereien gefragt, sich auf die neuen Sorten auch einzulassen.
Für Obmann Stefan Hofer ist das Hopfenjahr 2023 bereits das dritte in Folge mit geringer Erntemenge. „Trotz der verzögerten Arbeiten im kühlen, nassen Frühjahr ist der Hopfen Mitte Mai zügig weggewachsen. Dann jedoch kam die erste Hitzewelle im Juni mit sehr viel Ostwind und wenig Niederschlag. Der Hopfen konnte kaum Gerüsthöhe erreichen. Der Regen Anfang August während der Doldenentwicklung hat nicht mehr viel retten können“, schildert er. Insgesamt ernteten die Mühlviertler Hopfenbauern 215 Tonnen – „erwartet hätten wir mehr als 300 Tonnen“, sagt Hofer. Auch die Alpha-Werte, die für die Bitterstoffe im Bier sorgen, konnten sich nur schlecht entwickeln.
Höchste Qualität bei allen Sorten
Die Qualität des Mühlviertler Hopfens jedoch ist gewohnt hoch: Die Kommission rund um Johann Jäger von der Brauunion Österreich bewertete alle Hopfenmuster mit höchster Qualität in Klasse I. Am Genossenschaftsgebäude wird somit die weiße Fahne gehisst.
Mühlviertler halten zusammen
Die Brauereien, von denen zahlreiche Vertreter zur Bonitierung nach Neufelden gekommen waren, müssen angesichts der geringeren Erntemenge einsparen. „Natürlich tut das weh, aber wir werden drüberkommen. So ein Jahr sollte es aber nicht mehr geben“, meint dazu Reinhard Bayer, Braumeister der Stiftsbrauerei Schlägl. In der Brauerei Hofstetten ist man dank der vollen Lager aus dem letzten Jahr noch gut eingedeckt, wie Peter Krammer verrät. Hier versucht man sich auch schon an neuen Hopfensorten. Mit Erfolg: Das Hofstettner Pils wurde gerade bei der Austrian Beer Challenge mit Gold ausgezeichnet. Beide Braumeister sind überdies überzeugt, dass die Mühlviertler Biere auch künftig aus Mühlviertler Hopfen gebraut werden: „Wir Mühlviertler halten zusammen“, sagen sie.


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