Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

ROSENBURG. Das mittlere Kamptal ist ein einzigartiges Naturparadies. Flussaufwärts von Rosenburg fließt der Kamp durch eine besonders schöne und urtümliche Landschaft und hat sich tief in die umgebende Hochfläche eingeschnitten. Doch diese Idylle könnte ein baldiges Ablaufdatum haben: Wenn die Energieversorgung Niederösterreich (EVN) das historische Kraftwerk Rosenburg durch ein neues ersetzt, lässt die höhere Staumauer den Wasserspiegel so stark steigen, dass die bisher unangetasteten Uferbereiche überflutet werden.

Foto: Matthias Schickhofer
  1 / 2   Foto: Matthias Schickhofer

„Hier finden seltene Arten wie Eisvogel, Uhu und Schwarzstorch, Smaragdeidechse und Würfelnatter, Alpenbock, Scharlachkäfer und Wasseramsel und viele andere geschützte Arten noch ungestörte Lebensräume“, freut sich Christoph Litschauer, Flussexperte des World Wide Fund For Nature (WWF). Die ökologischen Kriterien für den Schutz dieser Arten gibt die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU vor. In der Folge hat das Land Niederösterreich das Gebiet auch als Natura 2000 Europaschutzgebiet ausgewiesen. Der mittlere Kamp trägt außerdem das von WWF und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft verliehene Prädikat „Flussheiligtum“.

Nicht auf Kosten von Natur und Lebewesen

„Alte Kraftwerke zu sanieren ist grundsätzlich zu begrüßen, doch gilt es, das so genannte Verschlechterungsverbot der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu beachten“, erklärt Litschauer und führt weiter aus: „Die Sanierung hat so zu erfolgen, dass es zu keiner weiteren Verschlechterung des Kamp im betreffenden Abschnitt kommt.“ Durch die Erhöhung des Stauziels und Ausbaggerungen des Flussbettes im Unterwasser drohen dem Ökosystem schwere Schäden.

„Die Zerstörung der Heimat von europaweit geschützten Tier- und Pflanzenarten macht auch aus Sicht des Klimaschutzes wenig Sinn – denn das Kleinkraftwerk leistet nur einen äußerst geringen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung“, stellt Litschauer vom WWF fest. „Es ist zwar modern, den Klimawandel gegen den Naturschutz auszuspielen, aber das Argument zielt gerade in Niederösterreich mit seinen vielen neuen Autobahnkilometern ins Leere. Der wichtigste Ansatz für die Energiewende sei die Festlegung verbindlicher Verbrauchsziele, so Litschauer.

Zitat, Christoph Litschauer:

„Die Politik ist gefordert, den Kamp zu schützen und für kommende Generationen zu bewahren.“

„Wir appellieren dringend an Naturschutzlandesrat Stephan Pernkopf, dafür zu sorgen, dass das Europaschutzgebiet von allen Eingriffen verschont bleibt“, erklärt Litschauer.

Ideales Ausflugsziel

Die letzten großen naturnahen Flusstäler des mittleren Kamps haben nicht nur eine außergewöhnliche ökologische Bedeutung, sondern sollten auch als Reliktstandorte anderswo längst verschwundener Flussnatur für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. Als frühlingshaftes Ausflugsziel für die ganze Familie hat der Kamp einiges zu bieten: So lädt der künstlerisch gestaltete Lehrpfad „Anima Florae“ zum Flanieren und Staunen ein. Beginnend in Wegscheid am Kamp, säumen 36 Bildtafeln mit heimischen Pflanzen den ehemaligen Waldlehrpfad von Wegscheid am Kamp bis zur Ruine Schauenstein.

Auch die örtliche Aktionsgruppe „Lebendiger Kamp“ setzt sich ein für den Erhalt des Kamptals in seiner Schönheit, Wildheit und Artenvielfalt. Nähere Informationen und Kontaktdaten sind unter www.lebendiger-kamp.at zu finden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden