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Schärding. „Wir lieben Österreich wirklich und sind dankbar hier zu sein“, schildert Dilorom, die mit ihren drei Kindern und ihrem Ehemann aus ihrer Heimat Tadschikistan fliehen musste. Dort hatte sie sich für Frauen- und Kinderrechte engagiert und setzte sich für Meinungsfreiheit ein, wurde verfolgt und sah ihren einzigen Ausweg darin nach Europa zu fliehen. In Schärding haben sie nun eine neue Heimat gefunden. Lucia Oberndorfer aus Schardenberg stellt der jungen Familie kostenlos ihre Altstadtwohnung zur Verfügung. Mittlerweile sind sie eine große Familie.
 

In ihrer neuen Heimat Österreich fühlt sich die junge Familie wieder zu Hause. Ein wenig Heimweh bleibt dennoch.

„Es war eine Herzensentscheidung. Ich habe Dilorom gesehen und gewusst, dass ich ihnen einfach helfen muss“, erklärt Lucia Oberndorfer. Seit November 2014 überlassen sie und ihre Schwester der Flüchtlingsfamilie die Wohnung ihrer verstorbenen Mutter mietfrei. Lediglich die Betriebskosten werden bezahlt. Die fünfköpfige Familie hat monatlich 910 Euro zur Verfügung. „Meine Mutter hätte gewollt, dass das Haus mit Leben gefüllt ist“, so die Schardenbergerin weiter. Dilorom und ihre Familie sind froh in Sicherheit zu sein. Vor drei Jahren verließen sie ihr Heimatland und nahmen die Strapazen einer mehrtägigen Flucht auf sich. Zuerst fuhren sie mit dem Zug nach Russland. Immer mit im Gepäck war die Angst erwischt zu werden. Ab Moskau kamen sie mit einem Schlepper, dem sie 18.500 Dollar, nahezu ihr ganzes Erspartes, zahlten, nach Europa. In einem Lkw, hinter Kartons versteckt, waren sie dem Schleuser ausgeliefert, der ihnen nicht sagte, in welches Land er sie bringen werde. Als er sie 20 Kilometer vor Traiskirchen aussteigen ließ, wussten sie nicht, wo sie waren. Österreich? Ein völlig unbekanntes Land für Dilorom. Danach folgten Aufenthalte im Flüchtlingsauffanglager Traiskirchen und Reichersberg. Sie wurden gefragt, ob Sie einen Asylantrag stellen wollen. „Ich wusste nicht, was Asyl heißt. Ich hatte Angst und wusste nicht, was nun mit uns passiert. Ich habe nur geweint“, schildert Dilorom. Ungewisse Tage und Wochen folgten, der Asylantrag der Familie wurde innerhalb von zwei Monaten abgelehnt mit der Begründung, dass Tadschikistan kein Kriegsgebiet sei. Die Geschichte Diloroms und den Hintergrund, mit dem die Familie ihr Land verließ, wurden nicht angehört. In zweiter Instanz warten sie nun seit einem Jahr auf einen neuerlichen Bescheid. Fallen alle drei Bescheide negativ aus, wird die Familie wieder abgeschoben. In Tadschikistan erwarten die junge Mutter bis zu 21 Jahre Gefängnis. „Der Bescheid muss einfach positiv ausfallen“, meint Lucia Oberndorfer.

„Wir fühlen uns zu Hause“

„Wir schenken ihnen ein wenig Normalität“, erklärt Lucia Oberndorfer, die die Familie bereits fest in ihr Herz geschlossen hat. Dennoch bleibt ein Stück Sehnsucht nach daheim. „Wir fühlen uns hier zu Hause, doch tief im Herzen haben wir Heimweh. Wir sind Menschen ohne Wurzeln, wir haben in unserem Heimatland unsere Wurzeln verloren und können in Österreich nicht so einfach wieder Wurzeln schlagen“, sagt Dilorom.

Gelungene Integration

Dilorom war in ihrer Heimat Lehrerin für russische Literatur, ihr Mann Profifußballer. Dieses Leben aufzugeben war nicht einfach. In einem absolut fremden Land versucht sich die Familie zu integrieren. Die junge Mutter singt im Kirchenchor, hilft bei der Aktion „Essen auf Rädern“ und im Weltladen in Schärding aus. Auch für die Polizei ist die Tadschikin eine wahre Stütze, wenn sie als Dolmetscherin zwischen gestrandeten Flüchtlingen und Polizei vermittelt. Ihre Kinder gehen hier zur Schule, der Sohn spielt beim Fußballverein. „Hier ist Integration gelungen, aber auch dadurch, dass sie sich integrieren wollen. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, funktioniert es nicht. Die Angst vor fremden Menschen ist zu groß und wird nicht kleiner, wenn man nicht versucht sie kennen zu lernen“, erklärt Oberndorfer, die mit ihrer Entscheidung, ihre Wohnung an Flüchtlinge zu vergeben, nicht immer auf positive Reaktionen stieß. „Ich will das Gute sehen, ich will nicht von vornhinein das Schlechte sehen. Es ist doch gut, wenn man sich fremden Kulturen aufschließt. Für mich ist es ein persönlicher Gewinn“, erklärt Oberndorfer, „alles, was sich für mich geändert hat, ist, dass das Haus bewohnt ist und wenn ich vorbeigehe und Licht brennen sehe, denke ich mir, dass hier Menschen wohnen, denen es jetzt gut geht und die Platz zum Leben haben.“


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