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BEZIRK SCHÄRDING. Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) könnten Arbeitgeber verpflichtet werden, allen Beschäftigten unabhängig von ihrer Religion am Karfreitag ein Feiertagsentgelt zu zahlen. ÖVP und FPÖ haben sich geeinigt, der Karfreitag soll ab 14 Uhr ein halber freier Tag für alle werden und das bereits ab heuer. Diese Lösung sorgt allerdings sowohl bei Wirtschafts- und Arbeitnehmervertretern als auch bei Vertretern der evangelischen Kirche für Unverständnis.

Für die Karfreitags-Lösung hagelt es von allen Seiten Kritik. (Foto: Wodicka)
Für die Karfreitags-Lösung hagelt es von allen Seiten Kritik. (Foto: Wodicka)

Als „massive Mehrbelastung für die heimische Wirtschaft, vor allem für den Handel, für die Gastronomie und für Klein- und Mittelbetriebe“ bezeichnet Johann Froschauer, Obmann der Wirtschaftskammer Schärding, die Karfreitagsregelung. Klar für ihn ist, dass im Hinblick auf die gesetzlichen Anforderungen eine Lösung gefunden werden muss. Allerdings ist es für Froschauer unerlässlich, dass auch für die Kosten, die auf die Unternehmen zukommen, im selben Ausmaß eine Entlastung kommen muss. „Als Unternehmer frage ich mich, ob ein kirchlicher Feiertag geschaffen oder gehalten werden muss, an dem doch ohnehin niemand in die Kirche geht.“

Umsatzeinbußen für Schärdings Wirtschaft

Froschauer rechnet mit beträchtlichen Umsatzeinbußen für die heimische Wirtschaft: „Der Karfreitag zählt in Schärding zu den umsatzstärksten Tagen im Jahr. Wenn ein halber Tag fehlt, geht auch der halbe Umsatz ab.“ Als optimale Lösung für den Karfreitags-Konflikt sähe der Obmann der Wirtschaftskammer Schärding entweder eine gesetzliche Sonderregelung, die die Offenhaltung aller Geschäfte im Handel und in der Gastronomie ermöglicht, also eine „tragfähige Lösung, die Rechtssicherheit und Rechtskonformität wahrt und keine zusätzlichen Kosten für die Unternehmer bringt“, oder der Karfreitag bleibt oder wird ein Arbeitstag für alle.

Halber Kompromiss ohne Vorteile

Für den evangelischen Pfarrer in Schärding Tom Stark ist die Karfreitagslösung ein halber Kompromiss. „Die mögliche Karfreitagslösung, so wie sie die Bundesregierung vorgestellt hat, bietet für niemanden Vorteile und beraubt überdies einer religiösen Minderheit die Möglichkeit der traditionellen Glaubenspraxis (Gottesdienste am Karfreitag-Vormittag). Ich kann nicht nachvollziehen, wenn Bundesminister Norbert Hofer, der selbst evangelisch ist, von einem Kompromiss spricht, bei dem naturgemäß alle etwas bekommen aber auch etwas preisgeben müssen, denn diese Lösung ist eben höchstens ein halber Kompromiss, allerdings nur mit der Hälfte, bei der alle etwas preisgeben müssen“, so Tom Stark, evangelischer Pfarrer in Schärding.

Respektlos gegenüber den Arbeitnehmern

Für Wolfgang Schwarz, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer Schärding, ist die Karfreitagsregelung ein Kniefall vor der Wirtschaft und respektlos gegenüber den Arbeitnehmern. „Die Regierung zerstückelt den Karfreitag in einen Nichtfeiertag von 0 bis 14 Uhr und in einen 'Nachmittagsfeiertag' von 14 bis 24 Uhr. Das ist nicht einmal die Hälfte eines Feiertages. Trotz EuGH-Urteils wollen die Unternehmen dem Großteil der Arbeitnehmer weder frei geben noch deren Beschäftigung zusätzlich bezahlen. Also wählt man mit 14 Uhr einen Zeitpunkt, zu dem die meisten ohnehin bereits arbeitsfrei haben. Dazu kommt, dass der Karfreitag und der Jom Kippur-Tag zwischen der Wirtschaftskammer Österreich und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund als Feiertage vereinbart wurden. Diese Vereinbarung wird von der Bundesregierung gebrochen. Dass durch ein Gesetz in einen Kollektivvertrag der österreichischen Sozialpartner eingegriffen wird, hat es in Österreich noch nie gegeben.“ Für Schwarz braucht es dringend Nachverhandlungen unter Einbeziehung der Sozialpartner. Beschäftigte, die am Vormittag des Karfreitags ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen, müssen jedenfalls bezahlt frei bekommen.


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