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Update: Aus halbem Karfreitags-Feiertag wird persönlicher Feiertag - Reaktionen aus dem Bezirk

Elena Auinger, 27.02.2019 11:53

BEZIRK SCHÄRDING. Eine neue Wendung im „Karfreitags-Konflikt“ erregt erneut die Gemüter. Aus dem kürzlich angekündigten halben Feiertag am Karfreitag wird nun ein „persönlicher“ Feiertag, für den sich der Arbeitnehmer Urlaub nehmen muss. Wirtschaftsvertreter begrüßen den neuen Beschluss, Arbeitnehmervertreter hingegen sprechen von „purem Hohn“.

Foto: Wodicka
Foto: Wodicka

Nachdem der angekündigte halbe Feiertag am Karfreitag für Aufregung bei Wirtschaft-, Arbeitnehmervertretern und der evangelischen Kirche gesorgt hat, haben ÖVP und FPÖ nun beschlossen, dass der Karfreitag für alle als Arbeitstag gelten soll. Es wird allerdings einen persönlichen Feiertag geben, den Arbeitnehmer, mindesten drei Monate im Voraus, beantragen können. Sie müssen dafür allerdings Urlaub nehmen.

WK-Obmann begrüßt neue Lösung

Johann Froschauer, Obmann der Wirtschaftskammer Schärding, der den zuvor angekündigten halben Karfreitags-Feiertag kritisiert hat, begrüßt die neue Lösung: „Für die Wirtschaft ist das eine gelungene Lösung. Österreich hat ohnehin im internationalen Vergleich gesehen schon genug Feiertage. Durch diese Regelung wird allen Beteiligten die Möglichkeit gegeben ihre religiösen Anliegen frei zu leben. Damit werden die Religonsgemeinschaften gleich gestellt und die Wirtschaft dennoch nicht belastet.“

Weitere Verschlechterung für Arbeitnehmer

Wolfgang Schwarz, Leiter der Arbeiterkammer Schärding, sieht in der neuen Regelung eine weitere Verschlechterung zum halben Karfreitags-Feiertag: „Die Regelung 'Feiertag ab 14 Uhr' wurde von allen Seiten heftig kritisiert. Und jetzt gibt es eine weitere Verschlechterung für die Arbeitnehmer: Sie können einseitig einen persönlichen Feiertag beanspruchen – unter Wahrung einer Dreimonatsfrist und unter Abzug aus dem Urlaubskontingent. De facto kann aber der Arbeitgeber trotzdem aus 'dringend betrieblichen Gründen' auf der Arbeitsleistung bestehen. Wer die betriebliche Realität kennt, weiß, dass insbesondere im Handel an Tagen wie dem Karfreitag sehr viele Arbeitnehmer ihrer Arbeit nachgehen müssen. Wie schon bei den neuen Bestimmungen zur Arbeitszeit kann man auch hier weder von einer Selbstbestimmtheit noch einer Freiwilligkeit der Arbeitnehmer ausgehen. Wenn daher Regierungsvertreter in diesem Zusammenhang von Gerechtigkeit und Gleichbehandlung sprechen, dann ist das der pure Hohn.“

Gesellschaftlich desaströses Feiertagsverständnis

Für den evangelischen Pfarrer in Schärding, Tom Stark zeigt sich in der Karfreitags-Lösung der Bundesregierung vor allem „ein gesellschaftlich desaströses Feiertagsverständnis“. Seinem Sinn nach soll ein Feiertag laut Stark einer Gruppe, mag sie nun die Mehrheit oder eine Minderheit der Bevölkerung darstellen, die Möglichkeit eröffnen, in Gemeinschaft und im Miteinander dem Anlass entsprechend zu feiern. „Wenn nun der wichtigste Feiertag der evangelischen Kirche zum persönlichen Feiertag erklärt und damit individualisiert wird, dann widerspricht das eben fundamental dem Feiertagsverständnis. Damit leistet die Regierung unseren Kirchen einen Bärendienst und fällt vor der Wirtschaft auf die Knie. Sie beschreitet damit einen Weg, der zur Bedrohung der Gemeinschaft führt und an dessen Ende die Reduktion der Gesellschaft auf Erwerb, Kaufkraft, Bilanz und Gewinn steht“, gibt Stark zu bedenken.


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