Nach zwei Wochen unter Quarantäne: „Ich freue mich auf einen Spaziergang im Wald“

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Omer Tarabic Omer Tarabic, Tips Redaktion, 26.03.2020 12:55 Uhr

BEZIRK SCHÄRDING. Der 53-jährige Andreas S. aus dem Bezirk Schärding (Name der Redaktion bekannt) und seine Familie waren zwei Wochen lang in Quarantäne. 

Derzeit sind in Oberösterreich rund 7000 Menschen in Quarantäne und dürfen die eigenen vier Wände nicht verlassen. So erging es auch Andreas S. und seiner Familie, die zwei Wochen lang „quasi“ eingesperrt waren. 

Tips: Herr Andreas S., wie kam es dazu, dass Sie unter Quarantäne gesetzt wurden?

Andreas S.: Ich war mit Bekannten essen. Einige Tage später bekam ich einen Anruf der Gesundheitsbehörde, dass ich mich umgehend in häusliche Quarantäne begeben müsse, weil einer der Bekannten der mit uns Essen war, positiv auf COVID-19 getestet wurde.

Tips: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie diese Nachricht erhielten?

Andreas S.: Die ersten Gedanken die einen beschäftigen sind natürlich: „Habe ich mich auch angesteckt? Was passiert mit meiner Familie? Wie geht es beruflich weiter?“ Ich habe die Sache sehr ernst genommen und bin auf direktem Wege nach Hause gefahren.

Tips: Gab es seitens der Behörden Kontrollen, ob Sie sich an die Ausgangssperre halten?

Andreas S.: Nein, wir wurden nicht kontrolliert. Persönlich hätte ich nichts gegen stichprobenartige Kontrollen. Es muss jedem bewusst sein, dass wir die Eindämmung des Virus nur gemeinsam durch Selbstdisziplin, Konsequenz und Rücksichtnahme auf unsere Mitmenschen schaffen. Diese Notwendigkeit dürfte aber noch immer nicht von allen verstanden worden sein. 

Tips: Wurden Sie beziehungsweise ihre Familienmitglieder auf COVID-19 getestet?

Andreas S.: Nein, ein Test erfolgt nur bei Auftreten von Symptomen, was bei keinem von uns der Fall war. 

Tips: Wie sah Ihr Tagesablauf in den vergangenen zwei Wochen aus?

Andreas S.: Ich arbeite im Außendienst und bin normalerweise sehr viel unterwegs. Es war für mich aber wichtig eine gewisse Routine beizubehalten. Ich startete jeden Tag meine Arbeit von zu Hause aus, genauso wie vor Ausbruch des Virus. Auch unsere beiden Kinder waren beziehungsweise sind zu Hause. Der Unterricht sowie die Vorlesungen via E-Learning haben sehr gut funktioniert. Eine neue Situation, mit der nicht nur wir zurechtkommen mussten, sondern aktuell sehr viele andere Menschen auch. Wir hatten aber keinen „Lagerkoller“.

Tips: Was haben Sie gemacht, damit keine Langeweile aufkommt?

Andreas S. : Langeweile kam bei uns keine auf, weil es immer etwas zu tun gab. Einerseits weil ich tagsüber arbeitete und auch die Kinder „Schul- oder UNI-Aufgaben“ hatten, andererseits war mit dem gemeinsamen Abendessen – wir saßen nun länger zusammen am Tisch und unterhielten uns über diverse aktuelle Themen – der Abend schnell vorbei. Außerdem eignen sich die Wochenenden unter häuslicher Quarantäne hervorragend, um lang aufgeschobene Arbeiten im Haus anzupacken. Trotz aller Einschränkungen sollte man den Optimismus nicht verlieren.

Tips: Wer hat für Sie die Einkäufe erledigt?

Andreas S.: In unserem Fall eine befreundete Familie, die sich sofort angeboten hat uns mit notwendigen Lebensmitteln zu versorgen. Die aktuelle Welle der Solidarität und Nachbarschaftshilfe beeindruckt mich sehr. Es gibt viele ältere Menschen deren Familien für eine Betreuung zu weit entfernt sind. Diese Menschen sind froh, dass auch Schüler und Studenten Unterstützung bei der Versorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten anbieten. An dieser Stelle muss man auch betonen, dass die Mitarbeiter im Handel, in den Apotheken, in den Krankenhäusern – alle Personen die eine gewisse Infrastruktur aufrechterhalten - Großartiges leisten.

Tips: Was haben Sie nach der Zeit unter Quarantäne als erstes gemacht und worauf freuen Sie sich ganz besonders?

Andreas S.: Ich bin eine Runde mit dem Auto gefahren. Es war ein sehr spezielles Gefühl, schwer zu beschreiben. Jetzt freue ich mich auf einen Spaziergang im Wald. Durch die Zeit in Quarantäne lernt man alltägliche Dinge - wie zum Beispiel einen Spaziergang - ganz anders zu schätzen. 

 

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