Kriseninterventionsteam betreut Menschen in akuten Notsituationen
BEZIRK. Menschen nach außergewöhnlichen belastenden Ereignissen nicht alleine lassen – das ist das Ziel der Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes. Krisenintervention erfolgt unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis, also noch mitten im Einsatzgeschehen und versteht sich als Akutbetreuung und nicht als Therapie. Tips sprach mit Rotkreuz Bezirksgeschäftsleiter Florian Kurz über die Aufgaben und Herausforderungen des Kriseninterventionsteams, das heuer im Bezirk 20-Jahr-Jubiläum feiert.

Tips: Wann wird die Krisenintervention eingeschaltet?
Kurz: Die Krisenintervention wird bei Einsätzen eingeschaltet, in denen Menschen schwere Schicksalsschläge erleben. Bei tragischen und psychisch belastenden Ereignissen wie Naturkatastrophen, Verlust der Lebensgrundlage oder gar der tragische unvorhergesehene Tod eines nahen Angehörigen stehen unsere Mitarbeiter den Menschen in diesen schweren Stunden zur Seite.
Tips: Wie schaut ein konkreter Ablauf bei einer Krisenintervention aus?
Kurz: Die Krisenintervention wird bei Akutereignissen gemeinsam mit dem Rettungsdienst alarmiert, oder von diesem angefordert. Sobald der Mitarbeiter der Krisenintervention vor Ort ist, betreut dieser die betroffenen Personen in den ersten Stunden nach dem Akutereignis. Die Betreuung muss natürlich individuell an die Bedürfnisse und die Situation angepasst sein und umfasst ein großes Repertoire an Möglichkeiten.
Tips: Gibt es Zahlen, wie oft sie im Monat oder Jahr zu einem Einsatz ausrücken müssen.
Kurz: Im Bezirk Schärding haben wir zwischen 30 und 40 Einsätze im Jahr.
Tips: Wie lange dauert die Begleitung?
Kurz: Die Begleitung beschränkt sich auf die Akutsituation und wenige Stunden danach. Besteht Bedarf an intensiverer Betreuung über einen längeren Zeitraum, so wird vom Kriseninterventions-Mitarbeiter auch Kontakt zur Krisenhilfe Oberösterreich hergestellt.
Tips: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Teil des Kriseninterventionsteams zu werden?
Kurz: Um in der Krisenintervention mitarbeiten zu können, durchlaufen unsere Mitarbeiter ein mehrstufiges Auswahlverfahren auf Bezirks- und Landesebene, welche auch durch Psychologen begleitet werden. Neben dem Mindestalter von 30 Jahren zählen natürlich die psychische Belastbarkeit und verschiedene persönliche Eigenschaften, welche die Arbeit in der Krisenintervention betreffen.
Tips: Was sind die größten Herausforderungen bei der Arbeit im Kriseninterventionsteam?
Kurz: Die Herausforderungen für die Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams sind vielfältig. Zum einen sind die Mitarbeiter selbst mit oft sehr schwierigen Situationen konfrontiert, welche nicht alltäglich sind. Dazu kommt aber, dass der Hauptteil der Aufgabe ja ist, den Menschen zu helfen, für welche diese Extremsituation noch viel schlimmer ist, weil sie persönlich betroffen sind. Einsätze des Teams der Krisenintervention sind immer mit viel Leid verbunden und damit müssen auch die Mitarbeiter klarkommen. Damit muss man in gewisser Weise als Mitarbeiter von Beginn an umgehen können aber auch im Laufe der Zeit lernen damit umzugehen. Speziell in der heutigen Zeit ist mit den Hygienebestimmungen rund um Covid-19 die Betreuung der Betroffenen noch einmal schwieriger zu bewältigen, weil selbst in dieser Ausnahmesituation wichtig ist, sich an die Abstandsregeln sowie beispielsweise Mund-Nasen-Schutz zu halten. Das Schöne an der Arbeit ist jedoch, dass die Mehrheit der Betroffenen sehr dankbar für die angebotene Hilfe ist und unsere Mitarbeiter das vor Ort auch zu spüren bekommen.


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