Corona: die Mitarbeiter des Klinikums Schärding leisten Außergewöhnliches
SCHÄRDING. Die Zahl der an Corona erkrankten Personen ist oberösterreichweit nach wie vor hoch. Zu Redaktionsschluss (Montag 12 Uhr) mussten 29 Personen, die einen positiven Covid-19-Befund hatten, im Klinikum Schärding betreut werden; fünf davon auf der Intensivstation. Tips sprach mit Thomas Bamberger, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Leiter der Abteilung für Innere Medizin sowie Martina Bruckner, Pflegedirektorin am Klinikum Schärding, über die aktuellen Herausforderungen.

Tips: Wie viele Intensivbetten gibt es am Klinikum Schärding insgesamt und wie viele sind für Covid19-Patienten vorgesehen?
Thomas Bamberger: Im Klinikum Schärding haben wir bestehende Bettenstationen als Covid-19 Isolierstationen vorgesehen. In diesem Bereich halten wir Kapazitäten für die jederzeitige Aufnahme von Patienten, die am Corona-Virus erkrankt sind, bereit. Wir schauen also, dass wir diese Patienten gesammelt und isoliert unterbringen. Wir haben auch die Kapazitäten unserer Intensivstation angepasst, um eine entsprechende Zahl an intensivpflichtigen Patienten adäquat versorgen zu können. Für die Normalstationen haben wir exakte Stufenpläne, wie auch für die Intensivstation, um eine isolierte Unterbringung von Covid-19-Patienten zu gewährleisten. Das Institut für Anästhesiologie und Intensivmedizin verfügt über sechs Betten, die kurzfristig auf sieben erweiterbar sind. Im Extremfall können wir auch diese Zahl noch erhöhen, wobei sich aber nicht so sehr die Frage nach der technischen Machbarkeit stellt, sondern schlicht und ergreifend nach der verfügbaren Personalressource. Das heißt, jedes Bett und jedes Gerät muss auch von jemandem bedient werden, realistischerweise sind uns dort personell Grenzen gesetzt und es bedarf natürlich auch ausgebildetes Personals, welches die medizinische und pflegerische Betreuung durchführt. Im Normal- und Routinebetrieb sind wir hier freilich sehr gut aufgestellt. Im Fall einer extremen Zunahme von Intensivpatienten können wir - wie jedes andere Spital auch - in einen heiklen Bereich kommen.
Tips: Was würde passieren, wenn am Klinikum Schärding die Intensivbetten für Covid19-Patienten erschöpft wären? Was genau ist das Intensivbettenmanagement?
Bamberger: Auch das trägerübergreifende Intensivbettenmanagement mit allen Spitalsträger in OÖ wurde wieder in Kraft gesetzt. Dabei werden alle Intensivbetten aller Spitäler in Oberösterreich gemeinsam organisiert, um damit eine optimale Versorgung für intensivpflichtige COVID-19 Patienten und alle anderen medizinischen Notfälle zu gewährleisten. Durch das zentraleIntensivbetten-Management wird im Falle einer Bettenknappheit für eine zeitgerechte Vermittlung von Notfällen zwischen den Kliniken gesorgt.
Tips: Was sind für Ärzte und Pflegepersonal die größten Herausforderungen bei der Behandlung von Covid19-Patienten?
Martina Bruckner: Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Anpassungsleistung beim Pflegepersonal und führen zu außergewöhnlicher Belastung. Zu Beginn der Krise war die Verunsicherung im Umgang mit dem Virus noch sehr stark, die raschen und einschneidenden Veränderungen haben häufig zur Überforderung geführt. In der Zwischenzeit haben die Mitarbeiter der Pflege viele Erfahrungen gemacht, die sie in ihrer Handlungskompetenz gestärkt haben. Eines blieb aber gleich, die enorme emotionale Belastung in der Versorgung von Menschen, die um Luft ringen und ihre Angst vorm Sterben zum Ausdruck bringen. 'Man fühlt sich wie gelähmt, hilflos und betroffen, obwohl alles Menschenmögliche gemacht wird, um Linderung zu ermöglichen', so die Pflegekräfte an den Covid-Abteilungen. Im Intensivbereich ist es vor allem das Tragen der Schutzkleidung über einen sehr langen Zeitraum, welches das Pflegepersonal belastet. Auf der einen Seite sollte sich die Aufenthaltsdauer in den Covid-Kojen auf das notwendigste beschränken, um das Personal zu schützen, auf der anderen Seite lässt es der hohe Pflege- und Versorgungsaufwand dieser Patienten, v.a. durch die Anwendung der Überdrucktherapie kaum zu, den Bereich zu verlassen. Die Mitarbeiter leisten Außergewöhnliches. Um die Versorgung sicherzustellen, arbeiten Teilzeitkräfte in Vollzeit, Vollzeitkräfte leisten Mehrstunden, wodurch sie der Doppelbelastung und Zerrissenheit zwischen beruflichen und familiären Herausforderungen ausgesetzt sind. Der Zusammenarbeit ist durch Verständnis, gegenseitige Unterstützung und ausreichenden Austausch geprägt.
Tips: Gibt es im Vergleich zu den Covid19-Erkrankten im Frühjahr Unterschiede zu aktuell Erkrankten?
Bamberger: Im Vergleich zum Frühjahr haben wir derzeit am Klinikum Schärding viele Patienen, der Spitalsbetrieb ist anstrengend, verläuft aber sehr geordnet ab. Doch die Situation ist ernst, da auch im Bezirk die Zahlen der Corona-Infizierten stetig steigen. Wir haben aus der sogenannten ersten Welle gelernt und haben mehr Routine im Umgang mit der Behandlung von der Erkrankung. Das Pandemielager ist mit notwendigen Schutz- und Arbeitsmaterialien ausgestattet, genügend Beatmungsgeräte sind vorhanden. Unser Krisenstab in Form der Krankenhaus-Einsatzleitung tauscht sich regelmäßig aus und beschließt in Abstimmung mit der Taskforce der oberösterreichischen Krankenhäuser die aktuellen Maßnahmen. Wir befinden uns also auch ständig in Abstimmung mit allen anderen Spitälern in Oberösterreich, um ein akkordiertes Vorgehen zu gewährleisten. Selbstverständlich werden Notfälle, akute Verletzungen sowie Erkrankungen weiterhin versorgt. Auch die Versorgung von Krebspatienten wird aufrechterhalten. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, falls jemand ein Spital braucht, sollte er auch eines aufsuchen. Dies ist uns besonders wichtig zu betonen, weil wir nicht wollen, dass durch übertriebene Zurückhaltung möglicherweise Kollateralschäden entstehen.
Tips: Im Moment herrscht wieder ein absolutes Besuchsverbot in den Krankenhäusern.
Bamberger: Aufgrund der stark steigenden Zahlen an Corona-Infektionen wurde mit 10. November, bis einschließlich 24. November, in allen oö. Spitälern, die geltende 4x1-Regelung für Besuche durch ein Besuchsverbot ersetzt. Laut Verordnung im Landesgesetzblatt für Oberösterreich, vom 9. Nov. 2020, gelten jedoch Ausnahmen (siehe Infobox) vom Besuchsverbot. Die Situation ist sehr herausfordernd. Mit der aktuellen Entwicklung und den rasch steigenden Infektionszahlen werden wir allerdings in einigen Tagen vor noch größere Herausforderungen gestellt. Deshalb appellieren wir an die Bevölkerung, die entsprechenden Maßnahmen wie Abstand halten, Maske zu tragen, soziale Kontakte zu reduzieren und Hände zu waschen unbedingt einzuhalten.


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