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ZELL AN DER PRAM. Neben Markus Schlagnitweit wird auch Helga Krump-Kolb am 20. November bei den Zeller Schlossgesprächen am Podium sein.

Portrait of Helga Kromp-Kolb (Foto: Mitja Kobal - Greenpeace)
Portrait of Helga Kromp-Kolb (Foto: Mitja Kobal - Greenpeace)

Tips:Derzeit läuft die 26. Welt-Klimakonferenz. Wie dramatisch sehen Sie die Lage?

Helga Krump-Kolb: Wir befinden uns in einer Klimakrise, d.h. wir stehen an einem Scheideweg: in die Klimakatastrophe, oder in eine Zukunft, die für die meisten Menschen besser ist als die Gegenwart? Diese Entscheidung fällt nach derzeitigem Wissensstand jetzt, denn noch in diesem Jahrzehnt müssen die Emissionen sinken, wenn die 1,5 °C nicht überschritten werden sollen.

Tips:Kann der Klimawandel mit technischen Verbesserungen eingedämmt werden, oder müssen wir unseren Wohlstand zurückschrauben?

Krump-Kolb: Natürlich sind technische Verbesserungen nötig – allen voran Effiziensteigerungen und der Umstieg auf erneuerbare Energien. Aber es ist eine Illusion zu glauben, dass unser Lebensstil auf die ganze Welt – 8 Milliarden Menschen – umgelegt werden kann. Wenn wir für alle Menschen ein gutes Leben innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten ermöglichen wollen, müssen wir unseren Ressourcenverbrauch drastisch einschränken. Das mag ein Verlust an Wohlstand sein, dieser kann aber mit einem enormen Gewinn an Lebensqualität einhergehen. Das ist die große Chance, die der Klimawandel bietet.

Tips:Ist den Menschen zumutbar, auf etwas verzichten zu müssen?

Krump-Kolb: Es ist kein Verzicht, Gewohnheiten zugunsten attraktiverem Handeln aufzugeben. Es ist wichtig, klimafreundliches, nachhaltiges Handeln billiger, bequemer und damit attraktiver zu machen, als klimafeindliches. Das ist die Aufgabe der Politik auf allem Ebenen. Zumutbar wäre Verzicht allemal, schließlich steht mehr auf dem Spiel als die Bequemlichkeit des Einzelnen – aber wenn wir eine rasche Transformation erreichen wollen, dann müssen die Angebote attraktiv sein, dann müssen die Menschen gerne und rasch umsteigen.

Tips:Viele Menschen sagen: Auf mich als einzelner kommt es doch nicht an. Was würden sie ihnen antworten?

Krump-Kolb: Einerseits kommt es nie, andererseits immer auf den Einzelnen an. Sie gehen doch auch wählen, obwohl es auf ihre Stimme doch sicher nicht ankommt? Sie zahlen auch Steuer, obwohl der Staat auch ohne Ihr Schärflein handlungsfähig bliebe. Der Klimawandel ist nicht durch einige wenige große Emittenten entstanden, sondern durch die vielen kleinen Beiträge – jeder wollte ein Auto, einen Fernseher usw. Deshalb müssen wir den Klimawandel auch durch viele kleine Einzelmaßnahmen eindämmen. Im Übrigen geben Sie ein Vorbild für Ihre Kinder, aber auch Menschen in der 3. Welt ab – warum sollen die Klimafreundlich handeln, wenn Sie es nicht tun? Überdies: Hätte es nicht die „Einzelnen“ gegeben, die sich für wichtige Anliegen eingesetzt haben, hätten wir weder Versammlungs- und Meinungsfreiheit, noch allgemeines Wahlrecht für Männer oder Frauen. Auch die Fridays for Future Bewegung gäbe es nicht, ohne „Einzelne“. Niemand ist zu klein, einen Beitrag zu leisten, und keiner kann abschätzen, was sein Beispiel bewirkt.


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