Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

BEZIRK SCHÄRDING/OÖ. Ein Greenpeace-Video sorgte kürzlich für besonderes Aufsehen: zu sehen ist ein Müllberg mit Unmengen an von einem Supermarkt entsorgtem Fleisch. „Für uns als Bäuerinnen und Bauern ist dies eine sehr belastende Situation, da wir in die Produktion all unserer Lebensmittel nicht nur sehr viel Zeit und fachliches Können, sondern auch sehr viel Herzblut investieren“, so Bauernbund Bezirks-Obmann Peter Gumpinger.

  1 / 4   Lebensmittel sind kostbar. Trotzdem landen sie sehr oft im Müll. (Foto: Copyright (c) 2015 SpeedKingz/Shutterstock. No use without permission.)

Die Aufregung angesichts des Videos ist groß. „Natürlich habe auch ich die Bilder und Videos gesehen. Wenn man sieht, wie achtlos mit unseren Lebensmitteln umgegangen wird, macht mich das schon sehr nachdenklich. Wir Bäuerinnen und Bauern produzieren jeden Tag mit Leidenschaft hochwertige Lebensmittel und das Tierwohl steht an oberster Stelle“, erklärt Bezirksbäuerin Gabriele Bäck.

Gründe zu finden, ist nicht einfach

Aber was sind die Gründe für diese große Lebensmittelverschwendung? „Das ist nicht so einfach zu beantworten und meiner Meinung nach ein in langer Zeit gewachsenes Problem. Einerseits befinden sich in Österreich die Handelsketten in einem Dauerkrieg um Marktanteile und Gewinnoptimierung und anderseits wurde der Kunde dazu erzogen, zu jeder Tages- und man ist fast gewillt zu sagen jeder Nachtzeit ein volles Angebot vorzufinden. Was zuerst war, ist wie die Frage nach dem Ei und dem Huhn“, erklärt Gumpinger. Ganz ähnlich sieht das auch Bezirksbäuerin Bäck: „Meine Meinung ist, dass das Angebot und die große Vielfalt an Produkten so gestiegen ist. Es ist immer alles und jederzeit verfügbar. Der Handel lockt jeden Tag mit Angeboten, zum Beispiel: zahl zwei, nimm drei.“

Verschwendung passiert zum Großteil in Privathaushalten

Auch wenn aktuell vor allem über die Verschwendung von Lebensmitteln in Supermärkten gesprochen wird: Rund 60 Prozent des vermeidbaren Lebensmittel-Abfalls in Österreich fallen im privaten Haushalt an, rund 20 Prozent im „Außer-Haus-Verzehr“ und nur neun Prozent im Supermarkt und Großhandel. Laut Initiative „Land schafft Leben“ liegt die Summe der vermeidbaren Lebensmittelabfälle (landwirtschaftliche Produktion ausgenommen) geschätzt bei rund 900.000 Tonnen jährlich in Österreich. Gumpinger sieht als eine Möglichkeit der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken „als Handelskette den Mut zu haben, ein Produkt eine halbe Stunde vor Handelsschluss als „Ist heute leider schon aus“ zu führen und als Konsument, deshalb nicht Debatten mit den Angestellten zu führen, die darin enden, dass man denselben dann bescheinigt in diesem Lebensmittel-Geschäft nicht mehr einkaufen zu wollen.“

Mindesthaltbarkeitsdatum

Viele Konsumenten glauben, dass Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) nicht mehr genießbar sind. Eine Änderung der „Ablauf-Frist“ für Lebensmittel sieht Gumpinger kritisch „da es wahrscheinlich auch Konsumenten geben wird, die dank einer Rechtsschutz-Versicherung mit Klage drohen, wenn dann wegen unsachgemäßer Lagerung doch etwas passiert (was sehr, sehr unwahrscheinlich ist).“ Seiner Meinung nach gäbe es einen anderen Ansatz zur Bekämpfung des Problems: „Besser, aber mühsamer wäre, was übrigens unsere Bäuerinnen in vielen Gemeinden schon machen, auf den Wert der Lebensmittel und den richtigen Umgang mit diesen hinzuweisen und den Hausverstand einzusetzen, das heißt: anschauen, riechen und Konsistenz prüfen.“ Die Bezirksbäuerin erklärt dazu ergänzend: „Der Konsument sollte wieder bewusster einkaufen, dass MHD beachten, sowie das Produkt einmal kontrollieren, ob es noch genießbar ist. Wir Bäuerinnen bemühen uns seit Jahren um Aufklärung mit dem MHD bei Lebensmitteln.“

Tipps zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung

Die Lebensmittelverschwendung völlig verhindern, lässt sich wohl eher nicht, aber wie der Bauernbund Bezirks-Obmann meint „mit etwas gutem Willen auf beiden Seiten und dem sorgsamen Umgang auch der Medien zu diesen Themen wäre schon vieles erreicht. Aber auch die Politik kann Rahmenbedingungen schaffen, indem sie zum Beispiel verordnet, dass Lebensmittel nicht entsorgt, sondern vor dem Verderb an Sozialmärkte abgegeben werden müssen.“ Auch Bezirksbäuerin Gabriele Bäck hat zum Thema „Lebensmittelverschwendung verhindern/verringern“ Tipps parat: „Bewusster einkaufen und sich Gedanken machen, wie viele Lebensmittel brauche ich wirklich. Wie kann ich Lebensmittel deren MHD abläuft noch verwenden? Jeder sollte sich wieder mehr Gedanken machen, wie er mit unseren hochwertigen Lebensmitteln achtsamer umgeht. Hinter jedem Produkt steht eine Familie, die 365 Tage im Jahr dafür sorgt, dass wir so ein reichliches Angebot haben.“

Initiative „Is nu guat“

Wie Lebensmittelabfälle vermieden werden können, wissen die Umweltprofis des OÖ. Landesabfallverbandes mit ihrer Initiative „Is nu guat“. „Mit ‚Is nu guat‘ möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Lebensmittel, die nicht mehr zu 100 Prozent frisch sind, noch lange nicht weggeworfen werden müssen. Denn viele Lebensmittel sind nach Ablauf des MHD sehr lange noch genießbar“, erklärt Roland Wohlmuth, Vorsitzender des Landes- und Bezirksabfallverbands. Er sieht die Hauptgründe für die Lebensmittelverschwendung in der falschen Interpretation des MHD, in der falschen Lagerung der einzelnen Lebensmittel und in einem nicht optimierten Einkaufsverhalten.

Auf die Frage, wie man der Verschwendung entgegenwirken könne, meint Wohlmuth: „Das Bewusstsein für unsere Lebensmittel stärken, indem wir uns darauf besinnen, dass Lebensmittel wertvoll sind und kein Wegwerfprodukt. Wer nicht nur im eigenen Haushalt darauf achtet, sondern gleich beim Lebensmittelverkäufer oder -hersteller ansetzen will, kann mit der App ‚Too Good To Go‘ Lebensmittel vor der Tonne retten.“ Die Menschen verlassen sich heute laut Wohmuth leider zu wenig auf ihre Kontrollorgane Augen, Nase und Mund: „Wenn ein Lebensmittel gut aussieht, gut riecht und gut schmeckt, gibt es keinen Grund es nach Ablauf des MHD wegzuwerfen.“

Zuhause kann allerdings auch jeder selbst Lebensmittel retten: „Wir alle können unser Verhalten beobachten, und herausfinden, an welchen Stellen sich Lebensmittelabfall vermeiden lässt. Man achtet am besten bereits beim Einkauf darauf, was im Wagen landet. Ein geplanter Einkauf, mit Einkaufszettel oder Einkaufs-App hilft, Spontankäufe einzuschränken. Wurde trotzdem zu viel gekauft, kann etwas eingefroren bzw. die Reste durch kreative Rezepte verwertet werden.“

Rezepttipp von Bezirksbäuerin Gabriele Bäck zur Verwendung alten Brotes: Brotcroutons
Als schmackhafte Suppeneinlage oder als Ergänzung zu Salaten sind selbst gemachte Croutons eine Bereicherung. Altes Brot in kleine Würfel schneiden, mit Gewürzen, Kräutern, Knoblauch und etwas Öl mischen und im Backrohr, bei öfterem wenden, knusprig backen. Man kann auch Kürbiskerne, Walnusskerne oder Speckwürfel mitrösten.

Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden

Antworten
Ernst R.
Ernst R.
09.02.2022 17:40

Sind Gesetze immer richtig?

Lebensmittelvernichtung kontra Containern/Dumpstern. Immer wieder pochen Leute, besonders dann wenn die Argumente ausgehen, auf Gesetze. Das ist ja Gesetz, willst du straffällig werden? usw. Sie warnen und drohen, wenn du nicht ihrer Meinung bist. Ich möchte diese, meist nur als Vorwand gebrauchte Gesetzestreue, an einem besonderen Beispiel festmachen. Lebensmittel retten wird bestraft. Schon mehrmals wurden in Österreich oder auch in Deutschland Menschen bestraft und verurteilt, weil sie Lebensmittel aus Abfall-Containern bei Supermärkten an sich genommen haben. Im Gesetz heißt es dazu: „Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen mit dem Vorsatz wegnimmt, sich oder einen Dritten durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.“ (Art 127 StGB) Die Staatsanwaltschaft beurteilt den Diebstahl als „besonders schweren Fall“ und bestraft in voller Härte. In vielen Fällen gibt es nun Leute die dem zustimmen und sofort mit der Aussage "Gesetz ist Gesetz" und für diese Diebe (dann wird eventuell noch angehängt, Ausländer, asozial, ...) sollte es noch viel schärfere Strafen geben. WERBUNG Aber sind Gesetze zwingend richtig und gerecht? Jedes kleine Kind sollte von den Eltern lernen, mit Lebensmitteln sorgsam um zu gehen und sie zu achten. Zudem wird seit ewigen Zeiten bemängelt, dass einerseits so viele "gute" Lebensmittel weggeworfen und vernichtet werden und auf der anderen Seite Menschen verhungern. Wie richtig kann also ein Gesetz sein, dass die Verwertung und den Gebrauch von Lebensmitteln unter Strafe stellt. Lebensmittel die ansonsten vernichtet würden. Sollte es da nicht vielmehr so sein, dass genau diese Leute, die Lebensmittel retten, unterstützt und belohnt werden, ja sich sogar einen Orden verdient hätten? Verursacher zur Verantwortung ziehen. Die volle Strafhärte müsste eigentlich genau die andere Seite treffen? Eine Firma, ein Betrieb der nicht sorgfältig mit Lebensmitteln umgeht und Lebensmittel, die noch in Ordnung, genießbar, also für den Gebrauch durch Menschen geeignet sind entsorgt, weg wirft oder vernichtet, muss bestraft werden. Sollten in einem Betrieb, Geschäft, auch Gastronomie nach sorgfältigster Planung der bereit gestellten Lebensmittel dennoch etwas übrig bleiben, das so nicht mehr verkauft werden kann, so hat es dieser Betriebe einer Tafel, Nothilfeeinrichtung oder anderen Menschen, kostenfrei zur Verfügung zu stellen, bzw. anzubieten. Da sich solche Betriebe, strafen wesentlich leichter leisten können als die Menschen die auf Containern angewiesen sind, müssen auch die Strafen anders, d.h. viel höher gestaltet werden. Mensch gemacht. Gesetze werden von Menschen gemacht die vom Volk den Auftrag haben darauf zu achten, dass es allen Menschen in diesem Land gut geht. Davon abgesehen werden viel zu viele, unnötige Gesetze gemacht und kaum welche aufgehoben. Ob die Gesetze tatsächlich gut sind, gerecht sind und ob jene die die Gesetze machen, das auch für das Volk, das sie gewählt hat machen, können die Menschen eines Staates kaum nachvollziehen bevor es sie nicht selbst betrifft.