Schneebauer: „Wir Männer sind Meister darin, Gefühle zu verbergen“
SCHÄRDING. Richard Schneebauers dritter Streich, nach den Büchern „Männerabend“ und „Männerherz“, heißt „Männerschmerz“. Warum sich der Autor und Männerberater aus Schärding gerade diesem Thema in seinem dritten Buch widmet, warum es Männern schwerfällt, über Gefühle zu sprechen und warum er die Kapitel in seinen Büchern immer nach bekannten Liedern benennt, erzählt Schneebauer im Tips-Interview.

Tips: Nach Männerabend und Männerherz erscheint nun Ihr drittes Buch „Männerschmerz“: Warum haben Sie sich in Ihrem dritten Buch diesem Thema gewidmet?
Richard Schneebauer: Männer und ihr Verhalten werden zunehmend hinterfragt. Das ist auch gut so, nur selten ausgewogen. Der Tenor ist eindeutig: Männer sind gefühllos, übergriffig und eine Gefahr für ihr Umfeld, speziell für Frauen. In der Beratung von Männern begegnet mir da mehr Ausgewogenheit. Hier zeigt sich die ganze Palette männlichen Lebens. Eine unverstellte Sicht auf die Wirklichkeit braucht daher auch ein Schlaglicht darauf, was Männer verletzt.
Tips: Warum fällt es Männern schwer über Gefühle und Schmerz zu sprechen bzw. diese zu zeigen? Hat sich das in den letzten Jahren verändert?
Schneebauer: Wir Männer sind Meister darin, Gefühle zu verbergen und uns hart zu geben. Dahinter stecken uralte Rollenmuster, Erziehung, Selbstzweifel und Ängste. Als Männerberater fällt mir auf, dass immer mehr Männer ein offenes Gespräch mit einem Mann suchen. Sie wollen sich mit sich, ihren Problemen und ihrem Leid auseinandersetzen. Gleichzeitig stelle ich fest: Nicht nur ihre Bereitschaft, auch der Druck auf Männer, sich selbst zu hinterfragen, steigt. Frauen, die zunehmend an Stärke gewinnen, stoßen diese Veränderung stark an.
Tips: Können Sie Männern einen Tipp geben, wie sie aus ihrer Deckung gehen und offen über Gefühle, positive und negative, reden können?
Schneebauer: Vorweg: Es gibt keine positiven und negativen Gefühle, auch keine männlichen und unmännlichen. Wir bewerten sie nur so. Traurig zu sein, ist nicht negativ. Je mehr wir das vermeiden wollen, was wir als negativ und unmännlich bewerten, umso mehr Probleme haben und machen wir Männer. Ein wichtiger Tipp wäre, sich einem anderen Mann gegenüber, egal ob Freund oder Berater, zu öffnen, mit dem, was wirklich los ist.
Tips: Wie auch schon in Ihren vorherigen Büchern benennen Sie die einzelnen Kapitel Ihrer Bücher mit Songtiteln: was steckt dahinter?
Schneebauer: Musik verschafft vielen Menschen einen direkten Zugang zu ihren Gefühlen. Sie kann nicht nur unsere gegenwärtige Stimmung beeinflussen, sondern auch früher Erlebtes wachrufen. Sie kann helfen, nachzufühlen, uns auszurücken und Unangenehmes zu bewältigen. Die ausgewählten Songs, die jedem Kapitel vorangestellt sind, vermitteln Gefühle und erzählen Geschichten. Sie sollen dabei helfen, offener in das jeweilige Thema einzutauchen.
Tips: Für wen ist die Lektüre Ihres neuen Buches besonders geeignet?
Schneebauer: Jene, die sich für das echte Leben interessieren. Männer wie Frauen. Ich hoffe sehr, dass es mir wieder gelungen ist, es anregend, leicht lesbar und dennoch tiefgründig zu schreiben. Es ist angereichert mit Beispielen aus der Beratung und aus meinem Leben. Erschreckt hat mich, wie aktuell mein eigentlich als Rückblick gedachtes Kapitel über Männer und Krieg geworden ist. Gerade hier zeigt sich das Leiden der Männer, egal ob ausgeübt oder erlitten.
Tips verlost drei Exemplare des Buches „Männerschmerz“ von Richard Schneebauer.


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