Tag des Denkmals im Innviertel mit Maschinendreschen und Höhenrettern
INNVIERTEL. Das Innviertel wird zur Bühne für Geschichte, Handwerk und Denkmalpflege: Beim österreichweiten Tag des Denkmals öffnen am Sonntag, 27. September, zahlreiche Kulturstätten ihre Türen und bieten vielfältige Programmpunkte. Der Eintritt ist frei.

Unter dem Motto „Denkmale: Wert für alle“ geht es nicht nur um historische Gebäude und Kunstschätze, sondern auch um deren Bedeutung für den Alltag, die regionale Identität und kommende Generationen. Oberösterreichweit umfasst das Programm mehr als 50 Angebote mit über 40 Denkmälern und elf Touren, wobei auch Einblicke in Orte ermöglicht werden, die üblicherweise nicht oder nur eingeschränkt zugänglich sind. Im Innviertel beteiligen sich mehrere Institutionen am Aktionstag.
Dreschen und römische Spuren
Im Bezirk Schärding wird etwa die Mühle in Rien, Gemeinde Altschwendt, erneut zum Schauplatz historischer Landwirtschaft. Beim Maschindreschen, das schon im Vorjahr ein Publikumsmagnet war, wird eine originale Dreschmaschine in Betrieb genommen. Arbeitsabläufe, die einst den bäuerlichen Alltag prägten, werden so anschaulich vorgeführt. Das Event spricht besonders Familien und Technikinteressierte an.
Eine Reise in die Römerzeit bietet der Burgus Oberranna in Engelhartszell. Der rund 1.700 Jahre alte Grenzposten am Donaulimes gilt als das besterhaltene antike Gebäude Oberösterreichs und ist eine UNESCO-Welterbestätte. Beim Rundgang ab 14 Uhr sind der mittelalterliche Keller, die Baderäume mit einer noch vorhandenen Badewanne und Brandspuren der Zerstörung zu sehen. Mithilfe von QR-Codes und Augmented Reality können Besucher zudem einen digitalen Blick auf Szenen werfen, die sich dort vor Jahrhunderten abgespielt haben könnten.
Einblick in das Stadtarchiv
Das Stadtmuseum und Stadtarchiv Schärding öffnen ebenfalls ihre Türen und geben Einblicke in wertvolle Archivalien und historische Exponate. Besucher können von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr auf Spurensuche durch die Geschichte gehen.
Kirchturmbesteigung
Ein besonderer Anziehungspunkt im Bezirk Braunau ist die historische Glockengießerei im Heimathaus Braunau, die zum Tag des Denkmals mit der Stadtpfarrkirche Braunau St. Stephan ein gemeinsames Programm für Familien und Geschichtsinteressierte bietet. Die Werkstätte aus der Zeit um 1385 gilt als älteste noch im Original erhaltene Glockengießerei ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Originale Werkzeuge und die unveränderte Werkstatt zeigen, wie Glocken einst von Hand entstanden. Führungen finden um 13.30 und 15.30 Uhr statt.
Die gotische Stephanskirche öffnet ebenfalls ihre Türen. Ihr 86 Meter hoher Turm, der „Innviertler Steffl“, ist das höchste Gebäude des Innviertels. Kirchenführungen zur Geschichte beginnen um 13 Uhr, 13.30 Uhr und 16.30 Uhr.
Zum Kinderprogramm zählen Kinderschminken, eine kleine Labstelle und Besuche im Heimathaus sowie in der Kirche. Auch eine Besteigung des Kirchturms mit Höhenrettern der Freiwilligen Feuerwehr Braunau ist vorgesehen.
Erneuerte Wallfahrtskirche
In der Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau Maria vom guten Rate zu Gstaig“ in Feldkirchen wird deren umfassende Erneuerung vorgestellt. Seit 2017 wurden Sanierungen umgesetzt und die ursprüngliche Farbigkeit des Stucks wiederhergestellt. Dabei wurden verborgene Nischen hinter den Opfergangportalen entdeckt. Führungen um 10.30 Uhr, 14 Uhr und 16 Uhr widmen sich der Wallfahrtstradition, Bau- und Kunstgeschichte sowie Denkmalpflege.
Lernort für Erinnerungskultur
In Lochen wird das Kriegerdenkmal zum Lernort für Erinnerungskultur. Schüler der Neuen Mittelschule erforschen im Projekt „DenkMal nach!“ die Geschichte des Denkmals und die Verbindung zur eigenen Familiengeschichte. Von 13 bis 16 Uhr werden die Ergebnisse präsentiert.
Rundgang durch Obernberg
Im Bezirk Ried verbindet eine Tour in Obernberg Geschichte, Kunst und Landschaft. Die erstmals 996 erwähnte Obernberger Burg spielte für die Inn-Schifffahrt und den Salzhandel eine bedeutende Rolle. Heute befinden sich auf dem Areal unter anderem ein Kunst- und Seminarhaus, ein Aussichtsturm, eine Gartenanlage, ein Spielplatz und die einzige Falknerei Oberösterreichs.
Der Rundgang führt vom Marktplatz mit seinen barocken Fassaden durch einen alten Bierkeller und über einen Hohlweg zur Schifferkirche am Innufer. Über die Mautnerstiege geht es hinauf zur Burg, der Abschluss ist im Kunsthaus.
Verborgenes freigelegt
In der Pfarrkirche Mühlheim steht die historische Stephan-Gast-Orgel von 1787 im Fokus. Eine Überraschung zum Tag des Denkmals: Das restaurierte Instrument kann drei Monate früher als geplant präsentiert werden. Bei den Arbeiten wurde unter einer Überfassung aus dem Jahr 1928 eine farbenfrohe florale Fassung aus der Entstehungszeit mit Motiven des „Blumengarten Mariens“ freigelegt.
Die Präsentationen zur „Rückgewinnung einer Orgel aus der Mozart-Zeit“ finden um 14 Uhr und um 15.30 Uhr statt. Dabei werden die Restaurierung, die klanglichen Besonderheiten des Instruments und die wiederhergestellte Gestaltung erläutert. Auch die Empore mit ihrem freigelegten historischen Dielenboden kann besichtigt werden.
Zeitgemäße Nutzung
Wie sich ein Denkmal zeitgemäß nutzen lässt, zeigt außerdem die Giesserei in Ried. Im denkmalgeschützten Gebäude, in dem einst eine Zinngießerei untergebracht war, befinden sich heute unter anderem Gastronomie, Coworking-Space, Weltladen, Kaffeerösterei, Gemeinschaftswerkstätte und Seminarräume. Bei Führungen um 10 Uhr und 13 Uhr werden die Restaurierung und die heutige Nutzung des Hauses vorgestellt.








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